Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Sechster Band. (6)

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mit  derselben  Lymphe  Geimpften  nicht  die  geringste  Nebenerscheinung  des  Impfverlaufs
gezeigt  hatten,  war  der  Ausschlag  als  ganz  unabhängig  von  der  Impfung  anzusehen.  Von
9  bei  kürzlich  Geimpften  gesehenen  Fällen  von  Impetigo  entstammten  5  nachweisbarer  Ansteckung
  durch  Geschwister  oder  Gespielen,  eine  vorhandene  Impetigo  verschlimmerte  sich,  3  mal
konnten  weder  Ursache  noch  früheres  Bestehen  nachgewiesen  werden.  Alle  9  Fälle  heilten  verhältnißmäßig
  schnell;  ihre  Entstehung  durch  die  Impfung  ist  in  keinem  einzigen  glaubhaft.

Todesfälle  in  Folge  der  Impfung  kamen  nicht  vor.  Ein  skrophulöses  Kind  starb
16  Tage  nach  der  Impfung  an  Hirnhautentzündung,  ein  4  Tage  nach  der  Impfung  an
Luftröhrenentzündung  erkranktes  Kind  5  Tage  später  unter  Krämpfen.

Keiner  der  in  Metz  eingelaufenen  Berichte  enthielt  Angaben  über  Erkrankungen  von
Impflingen  nach  der  Impfung.  In  der  Stadt  Metz  gingen  entzündliche  Röthung  und
Schwellung  geborstener  Pusteln  bei  Anwendung  von  Borsalbe  oder  Bleiwasser  bald  vorüber.

7.  Ergebnisse  wissenschaftlicher  Untersuchungen.

In  Königsberg  i.  Pr.  wurden  zur  Entscheidung  der  Frage,  ob  eine  der  Impfung
vorausgeschickte  Desinfektion  der  Haut  mit  Alkohol  von  Einfluß  auf  die  Wirksamkeit  der
Lymphe  ist,  an  einem  Tage  120  Wiederimpflinge  theils  nach  voraufgegangener  Alkoholabreibung
  des  Oberarms,  theils  ohne  solche  geimpft;  dabei  wurde  die  vollständige  Verdampfung
des  Alkohols  abgewartet.  Es  zeigte  sich  keine  wesentliche  Verminderung  der  Reaktion,  wohl
aber  „eine  merkbare  Beeinflussung  der  Pustelbildung“.  Bei  Erstimpflingen  hat  sich  ein
störender  Einfluß  der  Alkoholabreibungen  nicht  bemerkbar  gemacht.

Die  Ergebnisse  der  Berliner  wissenschaftlichen  Untersuchungen  sind  in  dem  2.  Bericht
über  die  Thätigkeit  der  von  dem  Königlich  preußischen  Herrn  Minister  der  geistlichen,  Unterrichts
  und  Medizinalangelegenheiten  eingesetzten  Kommission  zur  Prüfung  der  Impfstofffragel)
  eingehend  mitgetheilt.

Der  Vorsteher  hat  bei  Versuchen,  die  bereits  1896  begonnen  wurden,  eine  erhebliche
Verminderung  des  Keimgehaltes  der  Lymphe  dadurch  erzielt,  daß  die  Impffläche  beim
Thier  täglich  ein=  oder  zweimal  mit  Alkohol  übergossen  wurde.  Auch  Ergebnisse  von  Impfversuchen
  mit  so  gewonnener  Lymphe  sind  berichtet.

Im  Laufe  des  Jahres  1898  erhielten  auch  auswärtige  Aerzte  derart  gezüchteten
Impfstoff.  Die  dabei  erzielten  Erfolge,  welche  als  Ergänzung  der  bereits  veröffentlichten
Angaben  dienen  können,  waren  folgende:

Auf  2517  Erstimpfungen  kamen  2503  =  99,0%  erfolgreiche,  auf  10  150  Schnitte
9464  =  93,2  90  Pusteln.

Auf  1  320  Wiederimpfungen  kamen  1286  =  97,%  erfolgreiche,  auf  6  241  Schnitte
5541  —  88,%  Pusteln.

Bemerkungen  über  Störungen  im  Verlaufe  dieser  Impfungen  brachten  die  Berichte
der  Impfärzte  nicht.

Weiter  enthält  der  erstgenannte  Bericht  Mittheilungen  über  die  im  Berichtsjahre  von
den  Impfärzten  mit  zentrifugirter  Lymphe  erzielten  Erfolge.  Bei  1295  Erstimpflingen
betrugen  die  personellen  Erfolge  99,,  die  Schnitterfolge  97  0/,  bei  1  385  Wiederimpflingen
98%  bezw.  89,  %.  Einmal  wurde  dabei  berichtet,  daß  bei  Erstimpflingen  Impfstiche  von
Erfolg  begleitet  waren.  Im  Allgemeinen  war  die  Wirkung  dieser  Lymphe,  abgesehen  von
den  auf  S.  40  angegebenen  Folgezuständen,  eine  recht  milde.

1)  Dr.  Vanselow  und  Dr.  M.  Freyer.  „Zur  Prüfung  der  Impsstoff.Frage“.  2.  Bericht.  Verlag
von  August  Hirschwald.  Berlin  1899.