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dem unglückseligen Ministerium Camphausen und seinen unmittelbaren
Nachfolgern sah man ein, daß es damit 1) nicht ging, und siellte die
Dienstzeit erst auf 21, dann auf 3 Jahre wieder her. Heute will man
nur dabei stehen bleiben und das Reserveverhältniß verlängern, um die
Landwehr zu schonen, die Kavallerie aber allerdings 4 Jahre bei der
Standarte lassen.“ — Bei dieser Stelle ist nur zu bedauern, daß man nicht
erfährt, was denn eigentlich „nach dem unglückseligen Ministerium Camphausen“
2c. nicht mehr ging. — Endlich erfahren wir S. 9 den allgemeinen
Schwerpunkt, in welchem die Tüchtigkeit eines Heeres liegt, wie
folgt: „Daß der Soldat unter allen Umständen seine Schuldigkeit thut, also
möglicherweise auch unter einem unglückseligen Ministerium, daß er also
nicht als Söldner — obgleich er allerdings doch einigen Sold zum nothwendigen
Lebensunterhalt beansprucht — für sein Vaterland sicht, sondern
für dasselbe auch ohne Sold zu sterben bereit ist, selbst wenn es sich für
irgend ein Ministerium nicht lohnen sollte zu sterben.“ „Denn“, fährt der
Verfasser fort, „wenn Jemand anführen wollte, daß der Soldat nicht als
Söldner, sondern nur für ein Vaterland sicht, für das es sich lohn t zu
fechten und zu sterben, so würde er eine jener unaussprechlich hohlen und
platten Phrasen von sich gegeben baben, die nicht werth sind, sich dem so
umendlich schönen und erhebenden Worte Vaterland anzuhängen“. —
Diese Stelle ist gewiß schön und auch für die Theorie richtig; leider
lehrt aber Geschichte und Praxis, daß es denn doch einen großen Unterschied
ausmacht, ob der Soldat seine Pflicht mit Liebe und Begeisterung
thut oder nicht; und in dieser Beziehung ist die Phrase weder hohl noch
platt. Hier nur ein Beispiel.
Als der Adel in Frankreich 1789—1792 seine Vorrechte immer mehr
zusammenschmelzen sah, erkannte der größte Theil desselben sein Vaterland
doch nicht mehr für eines an, für welches es sich lohnte zu fechten
und zu sterben; er zog es vor, feinen bedrängten König und das Heer
im Stich zu lassen, nach Koblenz zu gehen, sich mit dem Feinde seines
Vaterlandes, so schön und erhebend das Wort ist, zu verbinden, und gegen
dasselbe zu fechten; alles dies nur, um die verlorenen Vorrechte und Privilegien
auf diesem ehrenvollen Wege wieder zu gewinnen. In verschiedenen
Staaten und zu verschiedenen Zeiten hat man Aehnliches vom
Adel des Landes gesehen, und selbst noch 1848 gab es Länder, in wel-1)
Nämlich mit der früher eintretenden Beurlaubung zur Reserve, mit den
sogenannten Landwehr-Rekruten u. s. w. Diese letztern bestanden. übrigens schon
längst nicht mehr in der Armee.