Contents : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

erweisen;  so  kamen  durch  Hanotaux  Abschwächungen  der  von  den
Ostmächten  vertretenen  Maßregeln  zustande.  Auch  die  italienische
Politik  neigte  dem  mildern  Verfahren  zu.  Erst  nach  dem  miili—
tärischen  und  moralischen  Zusammenbruch  Griechenlands  wurde  die
griechensreundliche  Stimmung  in  England,  Frankreich  und  Italien
kleinlaut.

Im  Reichstage  war  vom  Abg.  Richter  bemängelt  worden,  daß
Deutschland  überhanpt  eine  Initiative  in  der  Kretafrage  ergriffen
habe.  Als  vereinzelte  Erscheinung  örtlichen  Charakters  angesehen,
konnte  die  Kretafrage  sür  Deutschland  keinen  Grund  zur  Ein—
mischung  bieten.  Kreta  war  an  und  für  sich  nur  ein  kleines  Stück
aus  dem  orientalischen  Kuchen.  Man  hätte  aber  nur  dann  ruhig
zusehen  können,  wie  ein  Heißhungriger  es  verspeisen  wollte,  weun
dadurch  nicht  Begehrlichkeiten  anderer  gereizt  worden  und  der
ganze  Kuchen  in  Gesahr  geraten  wäre.  Die  Kretafrage  hatte  sofort
eine  schwierige  diplomatische  Lage  internationalen  Charakters  geschasfen,
  bei  der  eine  Friedensmacht  wie  Deutschland  nicht  mit  verschränkten
  Armen  im  Hintergrund  stehen  konnte.  Wie  die  Folge
zeigte,  hat  der  Vorschlag,  den  Ausbruch  des  griechisch-türkischen
Krieges  durch  eine  Blockade  griechischer  Häfen  zu  verhindern,  dem
deutschen  Ansehen  nichts  geschadet,  im  Gegenteil,  auch  englische
Blätter  erkannten  später  an,  daß  der  deutsche  Vorschlag  das  beste
Mittel  zur  Dämpfung  des  griechischen  Feuers  gewesen  wäre.  Dagegen
  machte  das  fortgesetzte  Verzögern  ernster  Maßregeln  den
Eindruck,  als  ob  ein  kleiner  Dieb  nicht  gehängt  werden  dürfe,  weil
er  einem  großen  aus  dem  Schoße  sitze.

Das  Bemerkenswerteste  an  dem  diplomatischen  Verlauf  der
Kretafrage  war  die  allmählich  deutlich  hervortretende  Annäherung
der  beiden  Festlandsmächte,  die  an  den  Balkanangelegenheiten  am
meisten  beteiligt  waren,  Österreich-Ungarn  und  Rußland.  Sie
kam  bei  dem  Besuche  des  Kaisers  und  Königs  Franz  Josef  in
Petersburg  Ende  April  1897  nicht  nur  in  dem  warmen  Tone  der
Trinksprüche  der  beiden  Monarchen,  sondern  auch  in  einer  gemeinsamen
  politischen  Handlung  der  beiderseitigen  Minister  des  Auswärtigen,
  Grasen  Goluchowskti  und  Murawiew,  zum  Ausdruck.
Von  Petersburg  aus  erließen  sie  gleichlautende  Noten  an  die  österreichisch-ungarischen
  und  die  russischen  Vertretungen  in  Bukarest,

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