Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Uummer  78  1

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Rosenteimer  Anzeiger

 

Das  t  der  Siacdt  Rosenheim  de  „ESenne  Rose

ist  dazu  bestimmt,  der  Nationalstiftung,  die  für  die  Hinterbliebenen  der  Cefallenen

sorgt,  sowie  unserer  örtlichen  Fürsorge  neue  Mittel  zuzuführen.  Die  gesamten  Einam

  nüehsten  Sonntas  beteiligen.

 

 

 

 

LEIIIITTI

Mit  Befriedigung  können  wir  feststellen,  daß
sich  in  unserer  Stadt  ein  großes  Interesse  fur
die  morgige  Feier  bemerkbar  macht.  Sie  zersällt
  in  zwei  Teile:  in  den  offiziellen  Akt  am
Vormittag  und  in  den  Festabend.

Zu  der  Feier  am  Vormittage  ergingen  Einladungen
  an  das  hiesige  C  ffizierskorps,  somie
an  die  Behorden  und  die  Bürgerschaft.  Wie  mir
horen,  wird  ihnen  gerne  Folge  geleistet  werden.
Wie  immer  haben  unsere  Vereine  in  nimmermuder
  Bereitwilligkeit  die  Anregung  des  Ortssammellomitees
  aufgegriffen  und  werden  sich
nahezu  vollzählig  am  Feitakte  beteiligen.  Abordnungen
  der  Volls=  und  der  Mittelschulen
merden  ebenfalls  anwesend  sein.  Das  Komitee
legt  auf  die  Beteiligung  unserer  Jugend  desonderen
  Wert.  Ist  sie  es  doch,  welche  die
Kunde  von  dieser  aus  Vaterlandsliete  geborenen,
  den  Heldenbrüdern  dienenden  Feier  den
Nachkommen  überliefert,  wenn  sich  über  uns
schon  längst  der  Grabhügel  wölbt.

Vorträge  der  hiesigen  Militärkapelle  leiten
den  Feslakt  ein;  dann  folgt  ein  Vorspruch  in
Versen,  vorgetragen  durch  Schülerinnen  der
höheren  Mädchenschule.  Hierauf  wird  der  Vorsitzende
  des  Ortssammelkomitees  die  Festrede
bolten  und  darnach  in  seiner  Eigenschaft  als

Stadtoberhaupt  den  ersten  Nagel  in  das  Wapvenbild
  schlagen.  Dann  folgen  die  Vertreter  der
Kgl.  Regierung  und  des  Offizierskorps,  sowie
1½.  beiden  Ehrenbürger  der  Stadt.

Vorgang  der  Nagelung  ist  in  folgender
a  edacht:  Man  spendet  seine  Gabe,  über
nele  sesem  quittiert  wird,  hierauf  beftet  man
den  Nagel  ein  und  endlich  trägt  man  seinen
Namen  in  das  „Eiserne  Buch“  ein.

Von  Nachmittags  3  Uhr  ab  steht  der  Saal
im  Deutschen  Kaiser  mit  seiner  hübschen  Dekoration
  den  Besuchern  offen.  Mancher,  der  der
Feier  am  Abend  nicht  beiwohnen  kann,  wird  zu
dieser  Zeit  seiner  Danlespflicht  genügen.

Um  8  Uhr  Abends  beginnt  das  Festlonzert.
Ueber  dessen  Verlauf  geben  uns  die  allerorts
bier  angeschlagenen  Plakate  Aufschluß.  Der  Besuch
  dürfte  sehr  gut  werden;  wird  doch  Herrorragendes
  geboten.

Schon  oft  während  der  langen  Kriegszeit  25  hat
sich  das  Ortoesammelkomitee  bittend  an  die  Einwohnerschaft
  Rosenheims  gewendet.  Immer  sind
seine  Erwartungen  übertrofsen  worden.  Auch
die  Nagelung  unserer  Eisernen  Rose  wird  ein
Chrenblatt  in  der  Geschichte  Rosenheims  werden.

Rosenheim,  1.  April.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gefallen:
Hubert  Wagenstetter,  Gütlerssohn  in  Kasten,
s.  Rieden,  Reservist  im  2.  Juf.-Reg.:;  Simon
Hopfner,  Hartmüllersohn  aus  Garching,  Soldat
  im  15.  Res.-Inf.-Reg.;  Alois  Kornreder,
Hütlersfohn  von  Hufschlag,  Soldat  im  1.  Juf.=eg.



Nagelung  der  „Eisernen  Rose“.  Wir
werden  gebeken,  darauf  aufmerksam  zu  machen,
daß  die  Vereinsfahnen,  die  sich  an  der  offiziellen
Nagelungsfeier  am  Sonntag-Vormittag  beteiligen,
  um  3110  Uhr  im  Deutschen  Kaiser  einkoesen
  wollen.  In  der  Geschäftsstelle  Sedanstraße
  9/1  werden  Zuschauerkarten  (Logen)  für
die  offizielle  Feier  am  Sonntag  vormittag  abgegeben.


Zolldienst.  Der  Hauptzollamtsverwalter
Karl  Steigerwald  in  Rosenheim  wurde  auf  sein
Anusuchen  wegen  nachgewiesener  Dienstunfähigkeit
in  ln  dauernden  Ruhestand  versetzt  und  ihm
in  Aneriemung  seiner  Dienstleistung  Titel  und
Nang  eines  K.  Oberzol  linspektors  verliehen.
Der  mit  dem  Titel  und  Rang  eines  K.  Zollinspektors
  bekleidete  Rechnungskommissär  bei  der
Generaldirektion  der  Zölle  und  indirekten
Steuern  Johann  Wagner  wurde  zum  Hauptzollamtsverwalter
  beim  Hauptzollamte  Rosen
heim  in  etatsmäßiger  Weise  befördert.  Titel
und  Nang  eines  K.  Zollinspektors  wurde  dem
Hauptzollamtskontrolleur  Gustav  Mühlbaur  in

 

 

Reichenhall,  dem  Erenzoberkontrolleur  Andreas.
Schmid  in  Burghausen,  dem  Grenzoberkontolleur
  Johann  Horn  in  Bayrischzell  verliehen.
Verbot  für  Dauerfleischwaren.  Da
sich  in  letzter  Zeit  die  Fälle  mehren,  daß  unvernünftige
  Leute  aus  Besorgnis,  durch  die  Fleischlarte
  in  ihren  bieherigen  Lebensgewohnheiten
gestört  zu  werden,  große  Mengen  von  Dauerfleischwaren
  aufzustapeln  versuchen,  haben  sich
die  bayerischen  stellvertretenden  Generallomman.
dos  veranlaßt  gesehen,  bis  auf  weiteres  die
Abgabe  von  Dauerfleischraren  und  Dauerwürsten
  an  den  Verbraucher  nur  mehr  im  Aufschnitt
zu  gestatten.  Wer  sich  also  solche  Fleisch-  und
Wurstwaren  kausen  will,  kann  sie  nicht  mehr  in
ganzen  Stücken  zur  Aufbewahrung,  sondern  nur
zum  unmittelbaren  Verbrauch  beziehen,  da  sie
nur  mehr  in  dünne  Scheiben  geschnitten  an  das
Publikum  abgegeben  werden  dürfen.  Die  Abgate
  von  Wammerln  und  Ripperln,  ebenso
von  Pöckelwaren  i#l,  um  auch  hier  das  Ansammeln
  von  Vorräten  auszuschließen,  nur  mehr
in  gekochtem  Zustand  und  nur  mehr  im  Ausschnitt
  gestattet;  man  kann  diese  Fleischwaren
also  ebenfalls  nicht  mehr  in  ganzen  Stücken  beziehen,
  sondern  erhält  sie  nur  mehr  in  den  kleinen
Mengen,  die  sich  bei  den  kleinsten  Portionen
durch  die  Rippen  und  Wirbelknochen  von  selbst
ergeben.  Die  Abgabe  von  Dosenfleischkonserren
an  Verbraucher  ist  bis  auf  weiteres  überhaupt
rerboten.  Zumiderhandlungen  gegen  die  Bestimmungen
  werden  mit  Gefängnis  bis  zu  einem
Jahr,  beim  Vorliegen  mildernder  Umstände  mit
Haft  oder  mit  Geldstrase  bis  zu  1500)  Mk.  bestraft.
  Bedauert  muß  es  werden,  daß  durch  den
Erlaß  die  Versendung  von  Dauerfleisch=  und
Wurstwaren  an  Angehörige  ins  Feld  vollklommen
  unterbrochen  wird.  Hoffentlich  läßt  sich
nach  dieser  Richtung  bald  eine  gerechte  Negelung
erzielen,  soferne  es  immer  möglich  ist.

Der  Milchpreis  in  Rosenheim.  Die
Konsumentenvereinigung  schreibt  uns:  „Neuerdings
  lehnen  einzelne  hiesige  Milchhändler  die
bisher  übliche  Zustellung  der  Milch  ins  Haus
ab,  sodaß  die  Kunden  für  die  Mustellung  weigens
bezahlen  mussen  und  so  sich  die  Milch  auf  2
bis  24  Pfg.  für  den  Liter  stellt.  Ein  Soue
Verhalten  ist  beleslich°  unzulässig  und  enthält
eine  Umgehung  des  Milchhöchstpreises,  der  fur
die  ins  Haus  zugestellte  Milch  22  Pfennig  beträgt.
  Sollte  etwa  versucht  werden,  auf  diesem
Wege  eine  allgemeine  Milchpreissteigerung  herbeizuführen,
  so  hätte  dies  mit  dem  stärfften  Widerstand
  der  Konsumenten  zu  rechnen.  Die  Milch
muß  dem  Volk  unbedingt  zu  dem  bisherigen
Preis  erhalten  bleiben,  was  hiemit  auch  sonstigen
  Interessenten  gesagt  sein  soll.“

Höchstpreise  für  Blei.  Neuerdings  hat
eine  unerwartete  und  unbegrundare  Preissleigerung
  für  Blei  dazu  geführt,  daß  jetzt  auch
für  dieses  Metall  abgestufte  Hachipresse  mit
Wirkung  vom  1.  April  1916  festgesetzt  werden.
Zei  einer  Zurückhaltung  von  Vorräten  mit  der
Absicht  der  Preiotreiberei  ist  sofortige  Enteignung
  zu  gewärtigen.

Silbergeld  bei  Reisen  im  Ausland.
Im  Interesse  des  reisenden  Publikums  sei  nochmals
  darauf  hingewiesen,  daß  infolge  des  Ausund
  Durchfuhrverbotes  von  Silber  die  Milnahme
  von  Silber  in  das  Ausland  verboten
ist.  Diese  Vorschrift  gilt  auch  für  den  Reiseverkehr
  von  Tirol  nach  Bayern  und  umgekehrt.
Am  besten  ist  es,  man  nimmt  statt  Silbergeld
nur  Papiernoten  über  die  Grenze.

Ein  Wunsch  für  Kriegerfrauen.
Man  schreibt  uns:  Kriegerfrauen  und  stellenlosen
  Mädchen  vom  Lande  wurde  von  Seite  des  k.
Bezirksamtes  Rosenheim  dadurch  ein  annehm.
barer  Verdienst  verschafft,  daß  mehrere  tausend
Stück  zugeschnittene  Hemden  als  Mlnerlieerrung
  übernommen  und  zum  Fertignähen  gegen
Bezahlung  von  70  Pfg.  pro  Stück,  ausgegeben
  wurden.  Durch  dieses  nachahmenswerte
Entgegenkommen  seitens  des  Bezirksamtes  wird
in  gegenwärtiger  schwerer  Zeit  manche  Not
Lelindert  und  viele  Familien  lind  hiefur  vom
waärmsten  Danle  beseelt.  Auch  in  hiesiger  Stadt
befindet  sich  eine  große  Anzahl  riegerfrauen
und  stellenloser  Mädchen,  welche  eines  solchen
Verdienstes  sehr  bedürftig  wären,  Sie  würden

 

Preis  des  Nagels  50  Pfennig.

dem  Stadtmagistrate  eitenfall  sehr  dankbar
sein,  wenn  er  gleich  dem  k.  Bezirksamte,  die
Uebernahme  solcher  Militärlieferungen  in  die
Wege  leiten  würde.

Die  Preise  in  den  städt.  Pensionaten.
  In  einer  an  uns  gerichteten  Juschrift  heißt
es:  „In  dem  Bericht  über  die  letzte  Sitzung
des  Kollegiums  der  Gemeindebevollmächtigten
ist  zu  lesen,  daß  die  Pensionspreise  in  den  städtischen
  Schulpensionaten  erhöht  werden  sollen  und
zwar  noch  für  das  letzte  Trimester  des  lfd.  Ihrs.
Der  Antragsteller  scheint  vergessen  zu  haben,  daß
die  Rosenheimer  Mittelschulen  einen  Monat  später
  begonnen  haben  wie  sonst,  daß  also  sowieso
schon  4  Wochen  umsonst  bezahlt  werden  müssen,
wenn  nichts  rückvergütet  wird.  Der  Magis  itai
wolle  auch  prüfen,  wie  die  Pensionatspreise  mit
denen  der  Prioatkostplätze  in  Einklang  stehen“.

Die  Zählung  der  Brotkartenberechtigten
  findet  in  diesen  Tagen  statt.  Der
Zählbogen  ist  heute  mit  der  neuen  Brotkane
Binausgegeben  worden.  Er  ist  ordnungsgemäß
ausgefüllt  bis  spätestens  Mittwoch,  den  5.  April
an  die  Meblverteilungsstelle  im  großen  Rathaussaal
  abzugeben.  Im  übrigen  verweisen  wir
auf  die  Bekanntmachung  des  Stadtmagistrats
in  der  beutigen  Nummer  des  „Rosenheimer  Anzeiger".


Neue  Fremden---Anmeldungsformulare
  sind  durch  ortepolizeiliche  Vorschrift
angecordnet  worden.  Auch  neue  Fremdenbücher
mit  neuen  oberpolizeilichen  Vorschriften  sind  erforderlich.
  Formulare  und  Bücher  sind  in  der
Buchdruckerei  M.  Niedermayr  mm  Rosenheim  erhãltlich.
  Die  Gaslthof-  und  Hotelbesitzer  seien
lesonders  darauf  aufmerksam  gemacht.

Remonteankauf.  Nach  Bekanntgabe  des
K.  Kriegsministeriums  findet  der  diesjährige
Remomeankauf  mit  Stutenkontrolle  und  Fohlenprämierung
  in  Oberdayern  in  nachstehender
Weise  statt:  6.  April  1916,  vormittags  817  Uhr,
Remonteankauf  in  Stillerhof;  7.  April  1916,
vormittags  10  Uhr,  Remonteankauf.  Stutenkontrolle
  und  Fohlenprämierung  in  Fürstenfeldbruc;
  8.  April  1916,  vormittags  11  Uhr.  Remonteankauf
  in  Gammer=  und  Kanzlerhof;  10.
April  1916,  vormittags  812  Uhr.  Remonteanlauf
  in  Ritterswörth;  11.  April  1916,  vormittags
  8  Uhr,  Remonteankauf  in  Geisenfeld;
12.  April  1916,  vormittags  8  Uhr,  Stutenkontrolle
  und  Fohlenprämierung  in  Geisenfeld.  Der
Ankauf  wird  sich  auf  dreijährige  Reit=  und
Artilleriepferde  sowie  auf  dreijährige  schwere
Zugpferde  für  die  Fußartillerie  erstrecken,  soweit
sie  für  militärische  Zwecke  tauglich  defunden
werden.

Nachidienst  in  den  Apotheken.  Wir
machen  unsere  Leser  darauf  aufmerksam,  daß
im  Monat  April  die  Marienapotheke  am  Mar-Josefsplatz
  den  Nachtdienst  zu  versehen  hat.
In  diesem  Monat  ist  von  8  Uhr  abends  bis
127  Uhr  morgens  nur  die  oben  genannte  Apotheke
  zugänglich.

Kirchüche  Nachrichten.

Klosterkirche.  Nächsten  Sonntag,  2.  April,
  ist  in  der  Kapuzinerkirche  der  Ghitesdierrt
für  das  kgl.  Gymnasium  um  128  Uhr,  der  Gottesdienst
  für  die  kgl.  Realschule  um  129  Uhr.
Um  1½10  Uhr  kein  Gottesdienst.

Aus  dem  Gerichwiase.

Ein  Wüstling.

Traunstein,  29.  März.  Der  Ausbilfstoten.
gräber  Blasius  Limerer  aus  Wasserburg  hat
sich  an  Kindern  schwer  vergangen.  Er  wurde
dafür  von  der  Stafkammer  des  K.  Landgerichts
  Traunstein  zu  zwei  Jahren  Zuchthausund
  fünf  Jahren  Ehrenverlust  verurteilt.  Straf.
erschwerend  war,  daß  der  Wüstling  den  Friedhof
  mit  selnen  gemeinen  Taten  emtweihte.

 

 

 

Wetterbericht  für  Sonntag  den  2.  April  1916.
Junächst  noch  he#ster,  längerer  Bestand  jedoch
micht  gefichert.

Sonntäyg,  2.  April  1916

  

nahmen  fließen  diesen  Zwecken  zu.  Jeder  Mann,  jede  Frau  möge  sich  an  der  Nagelung

 

 

 

 

Der  Weltkrieg.

Etnste  Vore  n  Hollans.

Ein  Ultimatum  des  Vierverbandes“

1.  April.  Die  Ententemächte  haben
an  *  Milande  Regierung  die  Aufforderung
gerichtet,  die  Grenze  gegen  Deutschland  für  jeden
Warenverlehr  zu  sperren.  Diese  Aufforderund
hat  angeblich  den  Charakter  eines  Ultimatume.
Es  ist  anzunehmen,  daß  dieser  Schritt  der  En:
ente  in  Paris  in  der  gemeinsamen  Konferer:
beschlossen  wurde.  An  der  Roltterdamer  und
Amsterdamer  Börse  herrichte  geilern  panikar
tige  Stimmung.  Die  Aufregung  wurde  nocdadurch
  gesteigert,  daß  mehrfach  Besprechunge
zwischen  leitenden  holländischen  Persönlichkeite
der  Militär=  und  Marineverwaltung  stattfan
den.  GEleichzeitig  gehen  Gercht  über  militärische
Mahßnahmen  um.  Die  „Avond  Post“  meldet
Die  englische  Regierung  trifft  Matznahmen,  um
von  Holland  den  Dutamarich  durch  holländischrs

ebiet  zu  verlangen.  (.

Englische  L  n—iemee

in  Holland=Haag,

  1.  April.  Hier  umlaufende  Gerüchte.
wonach  England  wegen  eines  Durchmarschedurch
  holländisches  Gebiet  sondiert  habe,  wer
den  dem  Korrespondemten  der  „Frankf.  Zig.#
von  unterrichteter  Negierungssteile  als  unwahr
bezeichnet.  Aus  bester  Quelle  hört  der  Korre
spondent,  daß  das  holländische  Ministerium  im
Hinblick  auf  die  allgemeine  Kriegslage  und
empfangenen  beachtenswerten  Nachrichten  über
die  Möglichkeit  einer  Landung  an  der  holländ:
schen  Küste  sich  verpflichtet  gefühlt  hat,  die  Bereitschaft
  der  holländischen  Armee  auf  der.
marschfähigen  Stand  zu  bringen.  Alles  deutet
darauf  hin,  daß  die  holländische  Regierung  fest
entschlossen  iit,  jeder  Verletzung  der  holländi
schen  Neutralität  bewaffnet  mit  vollem  Nach
druck  entgegenzutreten.  Die  deutsch-holländischen
  Beziehungen  sind  durchaus  normal  und
geben  keinerlei  Anlaß  zur  Beunruhigung.  1  3

Dunkie  Andeutungen.

Amsterdam,  1.  April.  Der  „Nieuwe  Couran“
  schreibt:  Eine  unmittelbar  drohende  Ge#
fahr  des  Krieges  scheint  nicht  zu  bestehen.  Mie:
der  „Tubamtia“-Angelegenheit  hat  die  Umuhr

adsolut  nichts  zu  kun.  Sie  hat  ihre  Ursache  in
dem  allgemeinen  Kriegszustand,  der  jetzt  nach
den  Informationen,  die  uno  zugekommen  sind.
in  eine  Phase  eintreien  wird,  die  unserem  Lande
  Anlaß  zu  ganz  besonderer  Wachsamkeit  gibtl.
Ob  dasjenige,  was  die  Regierung  offendar  be.
fürchtet,  woruber  wir  aber  keinerlei  Sicherheit
erhalten  konnten.  innerhalb  einer  Woche  oder  ei
nes  Monats  eintritl,  und  ob  es  danm  nur  fur
unser  Land  in  einem  allgemeinen  kritischen  Zu
stand  bestehen  wird,  wissen  wir  nicht.  Wir  wa.
gen  nur  die  Vermutung,  daß  die  Veränderung
der  Lage.  die  man  fur  moglich  halt,  eine  Folge
der  Konferenz  der  Verbündeten  in  Paris  sein
konnte.  Muu  dieser  Aermutung  läßt  sich  auch  die
Plötzlichkeit  der  Besorgnis  erklären.  Schon  am
Donnerstag-Nachmittag  müssen  Besprechungen
im  Ministerrat  stattgefunden  haben,  die  zu  ei.
ner  Beratung  der  Regierung  mit  den  bochsten
militarischen  Stellen  führten  und  dazu,  daß  man
die  Abhaltung  einer  geheimen  Sitzung  der  Zwer
ten  Kammer  in  Erwagung  zog.  Letkerc.  finde:
vermutlich  nicht  vor  dem  3.  Auril  stan.

Amsterdam.  31.  März.  „Nieume  van  den
Dag“  schreibt  in  einem  Artikel  über  die  offi.
ziösen  Bekanntmachungen:  Unsere  Leser  werden
wisken  wollen,  was  die  Berichte  zu  bedeuten  haben,
  die  an  sich  geeignet  sind.  Unruhe  hervorzurusen.
  Wir  seldst  aber  talten  bis  jent  im
Dunklen.  O  fendar  deuten  diele  Mitteilungen
auf  eine  mogliche  Spannung  in  unseren  Beziehungen
  zum  Auolande  hin.  Diese  kann  uns  direkt
  angehen,  sowohl  Beziehungen  zu  dem  Kriege
  in  Europa  haben  als  auch  Indien  betreffen.
  Sonderbar  aber  ilt  es,  daß  gerade  in  die
sem  Augenblick  die  Lage,  was  den  U-Bootskrieg
betrifft,  so  gunstig  wie  moglich  aussieht,  jeut,
wo  die  U.-Bootsfrage  im  Deutschen  Reichstag
mit  einem  Siege  der  Regierung,  das  will  sagen.