Uummer 78 1
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Rosenteimer Anzeiger
Das t der Siacdt Rosenheim de „ESenne Rose
ist dazu bestimmt, der Nationalstiftung, die für die Hinterbliebenen der Cefallenen
sorgt, sowie unserer örtlichen Fürsorge neue Mittel zuzuführen. Die gesamten Einam
nüehsten Sonntas beteiligen.
LEIIIITTI
Mit Befriedigung können wir feststellen, daß
sich in unserer Stadt ein großes Interesse fur
die morgige Feier bemerkbar macht. Sie zersällt
in zwei Teile: in den offiziellen Akt am
Vormittag und in den Festabend.
Zu der Feier am Vormittage ergingen Einladungen
an das hiesige C ffizierskorps, somie
an die Behorden und die Bürgerschaft. Wie mir
horen, wird ihnen gerne Folge geleistet werden.
Wie immer haben unsere Vereine in nimmermuder
Bereitwilligkeit die Anregung des Ortssammellomitees
aufgegriffen und werden sich
nahezu vollzählig am Feitakte beteiligen. Abordnungen
der Volls= und der Mittelschulen
merden ebenfalls anwesend sein. Das Komitee
legt auf die Beteiligung unserer Jugend desonderen
Wert. Ist sie es doch, welche die
Kunde von dieser aus Vaterlandsliete geborenen,
den Heldenbrüdern dienenden Feier den
Nachkommen überliefert, wenn sich über uns
schon längst der Grabhügel wölbt.
Vorträge der hiesigen Militärkapelle leiten
den Feslakt ein; dann folgt ein Vorspruch in
Versen, vorgetragen durch Schülerinnen der
höheren Mädchenschule. Hierauf wird der Vorsitzende
des Ortssammelkomitees die Festrede
bolten und darnach in seiner Eigenschaft als
Stadtoberhaupt den ersten Nagel in das Wapvenbild
schlagen. Dann folgen die Vertreter der
Kgl. Regierung und des Offizierskorps, sowie
1½. beiden Ehrenbürger der Stadt.
Vorgang der Nagelung ist in folgender
a edacht: Man spendet seine Gabe, über
nele sesem quittiert wird, hierauf beftet man
den Nagel ein und endlich trägt man seinen
Namen in das „Eiserne Buch“ ein.
Von Nachmittags 3 Uhr ab steht der Saal
im Deutschen Kaiser mit seiner hübschen Dekoration
den Besuchern offen. Mancher, der der
Feier am Abend nicht beiwohnen kann, wird zu
dieser Zeit seiner Danlespflicht genügen.
Um 8 Uhr Abends beginnt das Festlonzert.
Ueber dessen Verlauf geben uns die allerorts
bier angeschlagenen Plakate Aufschluß. Der Besuch
dürfte sehr gut werden; wird doch Herrorragendes
geboten.
Schon oft während der langen Kriegszeit 25 hat
sich das Ortoesammelkomitee bittend an die Einwohnerschaft
Rosenheims gewendet. Immer sind
seine Erwartungen übertrofsen worden. Auch
die Nagelung unserer Eisernen Rose wird ein
Chrenblatt in der Geschichte Rosenheims werden.
Rosenheim, 1. April.
Auf dem Felde der Ehre gefallen:
Hubert Wagenstetter, Gütlerssohn in Kasten,
s. Rieden, Reservist im 2. Juf.-Reg.:; Simon
Hopfner, Hartmüllersohn aus Garching, Soldat
im 15. Res.-Inf.-Reg.; Alois Kornreder,
Hütlersfohn von Hufschlag, Soldat im 1. Juf.=eg.
Nagelung der „Eisernen Rose“. Wir
werden gebeken, darauf aufmerksam zu machen,
daß die Vereinsfahnen, die sich an der offiziellen
Nagelungsfeier am Sonntag-Vormittag beteiligen,
um 3110 Uhr im Deutschen Kaiser einkoesen
wollen. In der Geschäftsstelle Sedanstraße
9/1 werden Zuschauerkarten (Logen) für
die offizielle Feier am Sonntag vormittag abgegeben.
Zolldienst. Der Hauptzollamtsverwalter
Karl Steigerwald in Rosenheim wurde auf sein
Anusuchen wegen nachgewiesener Dienstunfähigkeit
in ln dauernden Ruhestand versetzt und ihm
in Aneriemung seiner Dienstleistung Titel und
Nang eines K. Oberzol linspektors verliehen.
Der mit dem Titel und Rang eines K. Zollinspektors
bekleidete Rechnungskommissär bei der
Generaldirektion der Zölle und indirekten
Steuern Johann Wagner wurde zum Hauptzollamtsverwalter
beim Hauptzollamte Rosen
heim in etatsmäßiger Weise befördert. Titel
und Nang eines K. Zollinspektors wurde dem
Hauptzollamtskontrolleur Gustav Mühlbaur in
Reichenhall, dem Erenzoberkontrolleur Andreas.
Schmid in Burghausen, dem Grenzoberkontolleur
Johann Horn in Bayrischzell verliehen.
Verbot für Dauerfleischwaren. Da
sich in letzter Zeit die Fälle mehren, daß unvernünftige
Leute aus Besorgnis, durch die Fleischlarte
in ihren bieherigen Lebensgewohnheiten
gestört zu werden, große Mengen von Dauerfleischwaren
aufzustapeln versuchen, haben sich
die bayerischen stellvertretenden Generallomman.
dos veranlaßt gesehen, bis auf weiteres die
Abgabe von Dauerfleischraren und Dauerwürsten
an den Verbraucher nur mehr im Aufschnitt
zu gestatten. Wer sich also solche Fleisch- und
Wurstwaren kausen will, kann sie nicht mehr in
ganzen Stücken zur Aufbewahrung, sondern nur
zum unmittelbaren Verbrauch beziehen, da sie
nur mehr in dünne Scheiben geschnitten an das
Publikum abgegeben werden dürfen. Die Abgate
von Wammerln und Ripperln, ebenso
von Pöckelwaren i#l, um auch hier das Ansammeln
von Vorräten auszuschließen, nur mehr
in gekochtem Zustand und nur mehr im Ausschnitt
gestattet; man kann diese Fleischwaren
also ebenfalls nicht mehr in ganzen Stücken beziehen,
sondern erhält sie nur mehr in den kleinen
Mengen, die sich bei den kleinsten Portionen
durch die Rippen und Wirbelknochen von selbst
ergeben. Die Abgabe von Dosenfleischkonserren
an Verbraucher ist bis auf weiteres überhaupt
rerboten. Zumiderhandlungen gegen die Bestimmungen
werden mit Gefängnis bis zu einem
Jahr, beim Vorliegen mildernder Umstände mit
Haft oder mit Geldstrase bis zu 1500) Mk. bestraft.
Bedauert muß es werden, daß durch den
Erlaß die Versendung von Dauerfleisch= und
Wurstwaren an Angehörige ins Feld vollklommen
unterbrochen wird. Hoffentlich läßt sich
nach dieser Richtung bald eine gerechte Negelung
erzielen, soferne es immer möglich ist.
Der Milchpreis in Rosenheim. Die
Konsumentenvereinigung schreibt uns: „Neuerdings
lehnen einzelne hiesige Milchhändler die
bisher übliche Zustellung der Milch ins Haus
ab, sodaß die Kunden für die Mustellung weigens
bezahlen mussen und so sich die Milch auf 2
bis 24 Pfg. für den Liter stellt. Ein Soue
Verhalten ist beleslich° unzulässig und enthält
eine Umgehung des Milchhöchstpreises, der fur
die ins Haus zugestellte Milch 22 Pfennig beträgt.
Sollte etwa versucht werden, auf diesem
Wege eine allgemeine Milchpreissteigerung herbeizuführen,
so hätte dies mit dem stärfften Widerstand
der Konsumenten zu rechnen. Die Milch
muß dem Volk unbedingt zu dem bisherigen
Preis erhalten bleiben, was hiemit auch sonstigen
Interessenten gesagt sein soll.“
Höchstpreise für Blei. Neuerdings hat
eine unerwartete und unbegrundare Preissleigerung
für Blei dazu geführt, daß jetzt auch
für dieses Metall abgestufte Hachipresse mit
Wirkung vom 1. April 1916 festgesetzt werden.
Zei einer Zurückhaltung von Vorräten mit der
Absicht der Preiotreiberei ist sofortige Enteignung
zu gewärtigen.
Silbergeld bei Reisen im Ausland.
Im Interesse des reisenden Publikums sei nochmals
darauf hingewiesen, daß infolge des Ausund
Durchfuhrverbotes von Silber die Milnahme
von Silber in das Ausland verboten
ist. Diese Vorschrift gilt auch für den Reiseverkehr
von Tirol nach Bayern und umgekehrt.
Am besten ist es, man nimmt statt Silbergeld
nur Papiernoten über die Grenze.
Ein Wunsch für Kriegerfrauen.
Man schreibt uns: Kriegerfrauen und stellenlosen
Mädchen vom Lande wurde von Seite des k.
Bezirksamtes Rosenheim dadurch ein annehm.
barer Verdienst verschafft, daß mehrere tausend
Stück zugeschnittene Hemden als Mlnerlieerrung
übernommen und zum Fertignähen gegen
Bezahlung von 70 Pfg. pro Stück, ausgegeben
wurden. Durch dieses nachahmenswerte
Entgegenkommen seitens des Bezirksamtes wird
in gegenwärtiger schwerer Zeit manche Not
Lelindert und viele Familien lind hiefur vom
waärmsten Danle beseelt. Auch in hiesiger Stadt
befindet sich eine große Anzahl riegerfrauen
und stellenloser Mädchen, welche eines solchen
Verdienstes sehr bedürftig wären, Sie würden
Preis des Nagels 50 Pfennig.
dem Stadtmagistrate eitenfall sehr dankbar
sein, wenn er gleich dem k. Bezirksamte, die
Uebernahme solcher Militärlieferungen in die
Wege leiten würde.
Die Preise in den städt. Pensionaten.
In einer an uns gerichteten Juschrift heißt
es: „In dem Bericht über die letzte Sitzung
des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten
ist zu lesen, daß die Pensionspreise in den städtischen
Schulpensionaten erhöht werden sollen und
zwar noch für das letzte Trimester des lfd. Ihrs.
Der Antragsteller scheint vergessen zu haben, daß
die Rosenheimer Mittelschulen einen Monat später
begonnen haben wie sonst, daß also sowieso
schon 4 Wochen umsonst bezahlt werden müssen,
wenn nichts rückvergütet wird. Der Magis itai
wolle auch prüfen, wie die Pensionatspreise mit
denen der Prioatkostplätze in Einklang stehen“.
Die Zählung der Brotkartenberechtigten
findet in diesen Tagen statt. Der
Zählbogen ist heute mit der neuen Brotkane
Binausgegeben worden. Er ist ordnungsgemäß
ausgefüllt bis spätestens Mittwoch, den 5. April
an die Meblverteilungsstelle im großen Rathaussaal
abzugeben. Im übrigen verweisen wir
auf die Bekanntmachung des Stadtmagistrats
in der beutigen Nummer des „Rosenheimer Anzeiger".
Neue Fremden---Anmeldungsformulare
sind durch ortepolizeiliche Vorschrift
angecordnet worden. Auch neue Fremdenbücher
mit neuen oberpolizeilichen Vorschriften sind erforderlich.
Formulare und Bücher sind in der
Buchdruckerei M. Niedermayr mm Rosenheim erhãltlich.
Die Gaslthof- und Hotelbesitzer seien
lesonders darauf aufmerksam gemacht.
Remonteankauf. Nach Bekanntgabe des
K. Kriegsministeriums findet der diesjährige
Remomeankauf mit Stutenkontrolle und Fohlenprämierung
in Oberdayern in nachstehender
Weise statt: 6. April 1916, vormittags 817 Uhr,
Remonteankauf in Stillerhof; 7. April 1916,
vormittags 10 Uhr, Remonteankauf. Stutenkontrolle
und Fohlenprämierung in Fürstenfeldbruc;
8. April 1916, vormittags 11 Uhr. Remonteankauf
in Gammer= und Kanzlerhof; 10.
April 1916, vormittags 812 Uhr. Remonteanlauf
in Ritterswörth; 11. April 1916, vormittags
8 Uhr, Remonteankauf in Geisenfeld;
12. April 1916, vormittags 8 Uhr, Stutenkontrolle
und Fohlenprämierung in Geisenfeld. Der
Ankauf wird sich auf dreijährige Reit= und
Artilleriepferde sowie auf dreijährige schwere
Zugpferde für die Fußartillerie erstrecken, soweit
sie für militärische Zwecke tauglich defunden
werden.
Nachidienst in den Apotheken. Wir
machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß
im Monat April die Marienapotheke am Mar-Josefsplatz
den Nachtdienst zu versehen hat.
In diesem Monat ist von 8 Uhr abends bis
127 Uhr morgens nur die oben genannte Apotheke
zugänglich.
Kirchüche Nachrichten.
Klosterkirche. Nächsten Sonntag, 2. April,
ist in der Kapuzinerkirche der Ghitesdierrt
für das kgl. Gymnasium um 128 Uhr, der Gottesdienst
für die kgl. Realschule um 129 Uhr.
Um 1½10 Uhr kein Gottesdienst.
Aus dem Gerichwiase.
Ein Wüstling.
Traunstein, 29. März. Der Ausbilfstoten.
gräber Blasius Limerer aus Wasserburg hat
sich an Kindern schwer vergangen. Er wurde
dafür von der Stafkammer des K. Landgerichts
Traunstein zu zwei Jahren Zuchthausund
fünf Jahren Ehrenverlust verurteilt. Straf.
erschwerend war, daß der Wüstling den Friedhof
mit selnen gemeinen Taten emtweihte.
Wetterbericht für Sonntag den 2. April 1916.
Junächst noch he#ster, längerer Bestand jedoch
micht gefichert.
Sonntäyg, 2. April 1916
nahmen fließen diesen Zwecken zu. Jeder Mann, jede Frau möge sich an der Nagelung
Der Weltkrieg.
Etnste Vore n Hollans.
Ein Ultimatum des Vierverbandes“
1. April. Die Ententemächte haben
an * Milande Regierung die Aufforderung
gerichtet, die Grenze gegen Deutschland für jeden
Warenverlehr zu sperren. Diese Aufforderund
hat angeblich den Charakter eines Ultimatume.
Es ist anzunehmen, daß dieser Schritt der En:
ente in Paris in der gemeinsamen Konferer:
beschlossen wurde. An der Roltterdamer und
Amsterdamer Börse herrichte geilern panikar
tige Stimmung. Die Aufregung wurde nocdadurch
gesteigert, daß mehrfach Besprechunge
zwischen leitenden holländischen Persönlichkeite
der Militär= und Marineverwaltung stattfan
den. GEleichzeitig gehen Gercht über militärische
Mahßnahmen um. Die „Avond Post“ meldet
Die englische Regierung trifft Matznahmen, um
von Holland den Dutamarich durch holländischrs
ebiet zu verlangen. (.
Englische L n—iemee
in Holland=Haag,
1. April. Hier umlaufende Gerüchte.
wonach England wegen eines Durchmarschedurch
holländisches Gebiet sondiert habe, wer
den dem Korrespondemten der „Frankf. Zig.#
von unterrichteter Negierungssteile als unwahr
bezeichnet. Aus bester Quelle hört der Korre
spondent, daß das holländische Ministerium im
Hinblick auf die allgemeine Kriegslage und
empfangenen beachtenswerten Nachrichten über
die Möglichkeit einer Landung an der holländ:
schen Küste sich verpflichtet gefühlt hat, die Bereitschaft
der holländischen Armee auf der.
marschfähigen Stand zu bringen. Alles deutet
darauf hin, daß die holländische Regierung fest
entschlossen iit, jeder Verletzung der holländi
schen Neutralität bewaffnet mit vollem Nach
druck entgegenzutreten. Die deutsch-holländischen
Beziehungen sind durchaus normal und
geben keinerlei Anlaß zur Beunruhigung. 1 3
Dunkie Andeutungen.
Amsterdam, 1. April. Der „Nieuwe Couran“
schreibt: Eine unmittelbar drohende Ge#
fahr des Krieges scheint nicht zu bestehen. Mie:
der „Tubamtia“-Angelegenheit hat die Umuhr
adsolut nichts zu kun. Sie hat ihre Ursache in
dem allgemeinen Kriegszustand, der jetzt nach
den Informationen, die uno zugekommen sind.
in eine Phase eintreien wird, die unserem Lande
Anlaß zu ganz besonderer Wachsamkeit gibtl.
Ob dasjenige, was die Regierung offendar be.
fürchtet, woruber wir aber keinerlei Sicherheit
erhalten konnten. innerhalb einer Woche oder ei
nes Monats eintritl, und ob es danm nur fur
unser Land in einem allgemeinen kritischen Zu
stand bestehen wird, wissen wir nicht. Wir wa.
gen nur die Vermutung, daß die Veränderung
der Lage. die man fur moglich halt, eine Folge
der Konferenz der Verbündeten in Paris sein
konnte. Muu dieser Aermutung läßt sich auch die
Plötzlichkeit der Besorgnis erklären. Schon am
Donnerstag-Nachmittag müssen Besprechungen
im Ministerrat stattgefunden haben, die zu ei.
ner Beratung der Regierung mit den bochsten
militarischen Stellen führten und dazu, daß man
die Abhaltung einer geheimen Sitzung der Zwer
ten Kammer in Erwagung zog. Letkerc. finde:
vermutlich nicht vor dem 3. Auril stan.
Amsterdam. 31. März. „Nieume van den
Dag“ schreibt in einem Artikel über die offi.
ziösen Bekanntmachungen: Unsere Leser werden
wisken wollen, was die Berichte zu bedeuten haben,
die an sich geeignet sind. Unruhe hervorzurusen.
Wir seldst aber talten bis jent im
Dunklen. O fendar deuten diele Mitteilungen
auf eine mogliche Spannung in unseren Beziehungen
zum Auolande hin. Diese kann uns direkt
angehen, sowohl Beziehungen zu dem Kriege
in Europa haben als auch Indien betreffen.
Sonderbar aber ilt es, daß gerade in die
sem Augenblick die Lage, was den U-Bootskrieg
betrifft, so gunstig wie moglich aussieht, jeut,
wo die U.-Bootsfrage im Deutschen Reichstag
mit einem Siege der Regierung, das will sagen.