Wege starrt das Königskind lautlos an. „Warum weinst du so
sehr? Tut dir etwas weh?“ hört sie fragen. Sie spricht kein
Wort. „Willst du es mir nicht fagen?“ ertönt es jetzt von neuem
an ihren Ohren. Da ist es, als wenn die Tränen noch einmal
fließen wollten; schluchzend ruft die Kleine: „Ich mag nicht nach
Hause gehen; ich habe die 50 Pfennig, die meine Mutter mir
mitgegeben hat, verloren, und Vater, ach, der ist jetzt immer so
traurig, weil unsere Liese totgefallen ist.“ — „Eure Liese,“ fragte
die kleine Prinzessin erstaunt, „ist das deine Schwester?“ — „Nein,
Liese war unsere Kuh. Nun schimpft Vater alle Tage und sagt,
Mutter hätte alles schlecht gemacht, daher sei das Tier gestorben."
— „Weißt du,“ sagte die Prinzessin eifrig, „ich kann dir ja nicht
helfen, aber ich will es meiner Mutter sagen, die macht alles wieder
gut; aber halt, vielleicht könnte ich dich wenigstens etwas trösten.
Willst du diese kleine Börse haben? Es sind fünf Mark darin, die
darf ich geben. Hier — nimm!“
Die Gräfin, die soeben näher getreten war, fügte noch einige
Silbermünzen hinzu und sprach ebenfalls freundlich mit der Kleinen.
Alsdann fragte sie nach der Wohnung der Eltern und bestieg mit
der Prinzessin den Wagen.
Einige Tage darauf sitzt in demselben Dörschen ein Arbeiter
mit seiner Frau auf der weißen Holzbank vor seinem Häuschen.
Sie reden von der gefallenen Kuh und von der guten Prinzessin,
die ihrem Riekchen neulich das schöne Geld geschenkt hat. Plötzlich
horchen sie auf. Ein Wagen rollt ins Dorf und hält vor dem
Schulzenamt an. Im Augenblicke kommt der alte Schulze herausgestürmt
und stellt sich mit dem Hut in der Hand neben den Wagen.
„Wie lange er den Hut in der Hand behält!“ meint der Arbeiter
zu seiner Frau.
Jetzt steigt eine vornehm gekleidete Dame mit einem kleinen
Mädchen aus dem Wagen.
· Ja, was ist das — sie gehen weiter — kommen näher —
immer näher — sie schreiten auf das Häuschen zu. — „Aber,
Mutter,“ ruft der Mann erregt, „das ist ja unsere gnädige Kaise—
rin und klein Prinzeßchen. Mutter, was fangen wir doch nun
an? Mach man ja einen hübschen Knicks!“ Ehe die Frau ihrem
erschrockenen Mann antworten konnte, stand die Kaiserin mit der
Prinzessin vor ihnen.
Der Mann drehte die Mütze ganz verlegen in der Hand,
während seine Frau einen Knicks nach dem andern machte und leise
vor sich hinmurmelte: „Na, so was! So was doch!“