Full text : Geschichte der Hohenzollern.

der  Verträge  von  Wehlau  und  Bromberg  geneigt.  Diese  fand  wirklich  auf
feierliche  Weise  im  Mai  des  Jahres  1677  statt,  und  stellte  den  Kurfürsten  gegen
einen  Angriff  von  Polen  sicher.  Ja  man  erlangte  noch  mehr,  denn  auf  Hoverbeke's
  Bemühungen  erbot  sich  der  litthauische  Feldherr  Paz  für  20,000  Thaler
Subsidien,  dem  schwedischen  Kriegsvolk  den  Durchzug  von  Livland  nach  Preußen
  durch  sein  Gebiet  zu  versagen.

So  hatte  denn  Friedrich  Wilhelm  endlich  vollkommen  freie  Hand  zur
Eroberung  Stettins;  allein  auch  von  Schweden  aus  war  man  zum  äußersten
Kampfe  entschlossen.  Der  tapfere  Befehlshaber  General  Wulfen  hatte  auf  drei
Meilen  hin  von  der  Stadt  die  Dörfer  abbrennen  und  das  Land  verheeren  lassen.
Brandenburgischer  Seits  war  ein  äußerst  bedeutendes  Kriegsmaterial,  206  Kanonen
  und  40  Mörser  zusammengebracht,  und  einem  sehr  geschickten  Artilleristen,
dem  Obersten  Weiler,  die  Aufsicht  darüber  gegeben.  Von  Magdeburg,  Berlin
und  Küstrin,  auf  der  Spree,  dem  neuerbauten  Friedrich-Wilhelms-Graben  und
auf  der  Oder  wurde  der  Mundvorrath  so  wie  der  nöthige  Kriegsbedarf  herbeigeschafft,
  lüneburgische  und  münstersche  Truppen  stießen  zu  den  Belagerern;
bewaffnete  Schiffe  auf  dem  Haff  machten  dem  Feinde  jede  Art  von  Zufuhr
unmöglich.

Ehe  noch  die  Belagerung  wirklich  begann,  erließ  Friedrich  Wilhelm  eine
Aufforderung  an  die  Bürger  der  Stadt,  daß  sie  den  Schweden  als  erklärten
Landfriedensbrechern  und  Reichsfeinden  den  Gehorsam  aufkündigen  sollten,  doch
nur  mit  Kanonenschüssen  wurde  dieses  Aufgebot  erwiedert.  Nun  begann  der
Kampf.  Von  dem  24sten  August  an  wurde  die  Stadt  aus  160  Stücken  beschossen;
  viele  Wohnhäuser  sanken  in  Trümmer,  selbst  Kirchen  wurden  beschädigt.
Allein  die  Vertheidiger  zeigten  die  entschlossenste  Tapferkeit;  heftige  Stürme  wurden
  tapfer  abgeschlagen,  die  Gefahr  der  Minen  durch  Gegenminen  beseitigt.  Die
Stadt  glich  schon  einem  Schutthaufen,  und  dessenungeachtet  war  von  Uebergabe
noch  nicht  die  Rede.  Endlich,  da  ein  völliger  Pulvermangel  eingetreten,  kein
Entsatz  zu  hoffen,  und  Alles  zu  einem  Generalsturme  bereit  war,  entschloß  sich
der  unerschütterliche  Befehlshaber,  dem  von  3000  Mann  nur  noch  der  zehnte
Theil  geblieben  war,  zur  Kapitulation  (26.  December).  An  Bürgern  und  Einwohnern
  waren  2443  umgekommen.  In  keiner  Straße  konnte  man  ohne  Hinderniß
  gehen,  kein  Haus  war  unversehrt;  man  fand  kaum  zwanzig  bewohnbare
Zimmer.  Um  nun  den  Schutt  etwas  aufräumen  zu  können,  wurde  die  Huldigung
  bis  auf  den  10.  Januar  1678  verschoben.  Knaben  und  Jungfrauen  in
Trauerkleidern  bewillkommneten  den  Kurfürsten,  welcher  den  Ort  des  Jammers
bald  verließ  und  dafür  mit  seiner  Gemahlin  einen  desto  glänzenderen  Einzug
in  Berlin  feierte.

Große  Thaten  finden  Bewunderer,  allein  auch  Neider.  Dies  erfuhr  Friedrich
  Wilhelm  in  vollem  Maße.  Die  Eifersucht  selbst  seiner  deutschen  Nachbarn,
Sachsens  und  Hannovers,  wurde  immer  reger,  und  der  kaiserliche  Hof  versäumte
keine  Gelegenheit,  um  die  ruhmvollen  Bestrebungen  des  Kurfürsten  gehässig  zu