Volltext : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

ds  Vorgeschichte  der  Akademie.

Durclil.  über  Tafel  sieh  Plaisir  machten.  von  allerhand  natürlichen  Dingen.  sonderlich
  die  Ober-Welt  betreffeud.  Gespräche  zu  führen,  ward  einsmals  erwähnt,  wie
es  wohl  zu  verwindern.  dass  da  diese  Residenz-Stadt  sonst  mit  allerhand  Künsten
und  Wissenschaften  reichlich  verschen  wäre,  nur  kein  Liebhaber  der  Astrouoniie,
anch  kein  Observatorium  darin  befindlich,  dass  auch  Berlin  nicht  einen  eigenen
Kalender  hätte.  sondern  mit  fremden  sich  behelfen  müsse.  Solches  apprehendirten
  Ihro  Churf.  Durchl.  und  sagten.  Sie  wollten  selbst  gnädigst
sorgeu  helfen.  dass  eine  Speeula  angeleget  werde,  befahlen  auch  mir
solehes  weiter  zu  erinnern.  S.  Churf.  Durehl.  kamen  allererst  im  Herbst  aus
Preussen  allhier  au,  da  inzwischen  der  Hı..  Ilofrath  RAzExer  ein  wolllgefasstes  Projeet
  verfertiget  hatte.  wie  ein  Observatorium  mit  weniger  Mühe  und  Unkosten  zu
stiften  und  zu  erhalten  wäre.  Solches  trug  der  Herı  Oberhof  M.  Dosrzexskı  Ihro
Churf.  Durchl.  unterthänigst  vor,  erlielt  aber  die  Erklärung.  dass  I.  Ch.  D.  zwar
der  Sache  guten  Erfolg  wünscheten,  bei  itziger  Zeit  aber  für  Dero  hohe  Person
eut  finden.  derselben  sieh  nieht  anzunehmen.  Drauf  machte  ich  die  Sache  bei  dem
Reielishofrath  Ilın.  v.  DanckeLsann  als  damaligen:  Direetore  der  neuangelegten  Academie,
  und  durch  selbten  bei  dessen  Hrn.  Vater.  dem  IIrn.  Oberpräsidenten
anhängig.  da  selbige  guten  Ingress  funden  und  vermuthlich  zum  erwünschten
  Zweck  hätte  kommen  mögen,  wenn  nicht  die  unverhoffte
Revolution  hiesiges  Hofes  dazwischen  kommen  wäre,  welche  alle
snte  IIoffnung  desfalls  völlig  niederschlug,  in  Betrachtung  die  nenen
Direetores  der  Finanzen  fürnelmnlich  auf  die  Menage,  und  wie  die  churf.  Einkünfte
etwa.  zu  vermehren  und  zu  besparen,  schienen  bedacht  zu  sein!.«

Aus  dieser  Erzählung  des  hervorragend  an  der  Sache  betheiligten

  Hofpredigers  —  ist  er  nicht  selbst  die  ungenannte  Persönlichkeit,
  die  die  Angelegenheit  aufgebracht  hat?  —  folgt,  dass  die

Kurfürstin  Sorsie  CuARLoOTTE  den  Plan,  ein  Observatorium  in  Berlin
zu  errichten,  im  Frühjahr  1697  zu  dem  ihrigen  gemacht  hat,  und
dass  sie  dadurch  die  Urheberin  der  Preussischen  Akademie  geworden
  ist.  Ihr  Vertrauensmann  in  der  Sache  war  JAaBLoNsKkI,  und  er
hat  bereits  im  Sommer  1697  seinen  Freund,  den  vielseitig  gebildeten
  Justizrath  RABENER,  zur  Abfassung  eines  ausführlichen  Projectes
  vermocht?.  Bedeutungsvoll  ist  es  auch,  dass  der  umsichtige
und  erleuchtete  Oberpräsident  von  DaxckEeimann  von  dem  Plane

Kenntniss  genommen  und  ihn  —  wenige  Wochen  vor  seinem  Sturz
—  noch  gebilligt  hat.  Endlich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  Leisxiz’
Mitwirkung  ursprünglich  nicht  in’s  Auge  gefasst  war  —  wenigstens

lässt  sich  das  Gegentleil  nicht  erweisen  —,  dass  er  es  aber  gewesen,
  der,  sobald  er  (im  October  desselben  Jahres)  Kunde  erhalten,
sowohl  die  Ausdehnung  desselben  auf  andere  Wissenschaften  ange-!

  Die  Fortsetzung  dieses  wichtigen  Schreibens  s.  unten.

°  Dasselbe  findet  sich  leider  in  den  Acten  nicht  ınehr.  Aus  dem  oben  angeführten
  Schreiben  Cuvxeau's  geht  hervor.  dass  der  Vorschlag  Rıgexer's  darin  bestanden
  hat,  den  Bau  des  Observatoriuns  init  dem  Neubaı  des  Marstalls  zu  verbinden.