204 Viertes Kapitel
erkennung, die sich durch Bravorufe und spätere persönliche Bemerkungen
von Abgeordneten, auch der Zentrumspartei, äußerte. Am nächsten
Tage erklärte der Abg. Gröber meine Ausführungen für nicht ausreichend,
er schlug vertrauliche Besprechung im kleinen Kreise vor. Wie
sich bei dieser herausstellte, handelte es sich um Einzelfragen, deren
Klärung, wenn überhaupt, allerdings nur im kleinen Kreise erfolgen
konnte.
Herr Grsber griff den abwesenden Kriegsminister wegen seines
Juli-Erlasses gegen das Treiben der Pazifisten heftig an, da er der
Friedensresolution des Reichstages widerspräche.
Der Kriegsminister war, um sich einmal zu „verschnaufen“, auf
Urlaub gegangen, nachdem er sich vorher beim Reichskanzler erkundigt
hatte, ob seine Anwesenheit im Reichstage notwendig sei. Dies war verneint
worden. Ich habe das Gefühl — vielleicht hatte es auch der
General v. Stein —, daß dem Reichskanzler die Abwesenheit des dem
Reichstag nicht gerade angenehmen Ministers, von dem er Unbequemlichkeiten
befürchtete, nicht unangenehm war.
Da der Reichskanzler eine sofortige Beantwortung wünschte,
mußte ich einspringen. Ich erklärte, daß die Verfügung sich nicht auf
die Resolution des Reichstages beziehe, sondern sich gegen Uberschreitungen
des durch sie gesteckten Rahmens wende, wie sie tatsächlich durch
das Vorgehen der Pazifisten-Vereinigung erfolgt seien.
Der Reichskanzler hielt es nicht weiter für notwendig, das Wort zu
ergreifen.
Am nächsten Tage verlas er eine Erklärung, in der er seine Absicht
zu erkennen gab, die Handhabung der JZensur und des Versammlungsrechtes
zu regeln. Unterstaatssekretär Lewald hatte mir am Abend
vorher das Konzept gezeigt und sich dahin ausgesprochen, daß die vollziehende
Gewalt in beiden Punkten auf die Jivilbehörde übergehen sollte.
Ich warnte dringend, den Reichskanzler festzulegen. In diesem Punkte
ginge es hart auf hart und nur Seine Majestät könnte entscheiden. Ich
schlug eine unverbindliche Fassung vor. Man ging darauf ein.
An einem der nächsten Tage fand die vom Abg. Gröber gewünschte
vertrauliche Besprechung statt. Was hier gefragt wurde, überstieg wirklich
alle Erwartungen. So fragte der Abgeordnete Erzberger, welche
Generalidee der Feldmarschall Hindenburg bei seiner letzten großen
Offensive gehabt habe. Ich erwiderte: Den Feind zu schlagen, wo er