Juni 1899. 73
Empfinden mitgesprochen hat, mit ruhiger Ueberlegung und mit kaltem
Blut behandelt werden müssen.“)
(Lebhaftes Bravo.)
I7. Karolinen-, Marianen- und Palau-Juselu.
Sitzung des Reichstages vom 21. Juni 1899.
Nachdem die spanischen Cortes den Gesetzentwurf über die Abtretung der Karolinen-,
Marianen= und Palau-Inseln Mitte Juni angenommen hatten, wurde der Ankauf
dieser Inselgruppen zur verfassungsmäßigen Genehmigung dem Reichstage vorgelegt:
im Zusammenhang damit wurde die Vereinbarung über die Handelsbeziehungen zwischen
dem Deutschen Reiche und Spanien beraten.
Die erste Beratung eröffnete Staatssekretär von Bülowig:
Ich habe die Ehre, meine Herren, der Beschlußfassung dieses hohen
Hauses das Abkommen zu unterbreiten, das wir mit Spanien über die
Abtretung der Karolinen-, Marianen= und Palan-Inseln abgeschlossen
haben. Durch diese Erwerbung wird zunächst unser Besitz in der Südsee
vervollständigt. Wie ein Blick auf die Karte zeigt, bildeten unsere Schutzgebiete
im Großen Ozean bisher einen flachen Halbkreis, eine langgestreckte
und unzusammenhängende Linie. Durch die Karolinen und
Marianen wird der Kreis geschlossen. Die Marianen im Norden, die
Palan-, die Karolinen= und die Marschall-Inseln in der Mitte, Kaiser-Wilhelms-Land
und der Bismarck-Archipel im Süden bilden nunmehr
ein zusammenhängendes Ganzes.
Wenn diese Inseln aus spanischem. Besitz in den Besitz einer anderen
Macht als Deutschland übergegangen wären, so würde dadurch unser
Schutzgebiet in der Südsee zerrissen und auseinandergesprengt, in seiner
Entwickelung gehemmt und minderwertig geworden sein. Gerade im Hinblick
auf die Nachbarschaft der Karolinen einerseits zu den Marschallinseln,
andererseits zu Neuguinea war deren Erwerbung, wie Sie wissen,
seit lange in Anssicht genommen. Vom Standpunkte unserer allgemeinen
politischen Interessen in der Südsee ist die jetzt erreichte Erweiterung
5) Diese Darlegung des Staatssekretärs hatte den unmittelbaren Erfolg, daß
ihm der nächste Redner, Dr. Lieber, im Gegensatz zu einem der Vorredner (Dr. Hahn)
im Namen der Zentrumspartei bezüglich der auswärtigen Angelegenheiten das „vollste
Vertrauen“ aussprach.
1) Sten. Ber. d. R.-T., 10. Leg.-Per., I. Session, 98. Sitzung, S. 2695 ff.