III. Die Friedensexekution und der BVersuch einer
deutschen Holitih. 1648—1655.
Sich selbst zu überwinden, hatte Siegmund von Götzen
in einem wichtigen Augenblick (Juni 1616) seinen jungen
Herrn gemahnt. Und er hatte sich überwunden und wohlerworbene
Ansprüche dem enropäischen Frieden zum Opfer gebracht.
Das war zunächst ein moralischer Erfolg. Aber er
befreite ihn auch von dem Banne einer Vergangenheit, die an
dem Mißverhältnis von Wollen und Vermögen gekrankt hatte.
Die Scheinerfolge früherer Zeit gab er daran und seellte sich
auf den Boden der gegebenen Verhältnisse, um nüchterne Realpolitik
zu treiben. So sehr that er das hinfort, daß er dem
Wechsel der Lage nachgebend die Richtung jählings wechselte
und einen Zickzackgang verfolgte, der ihn nicht bloß der politischen
Ideale, sondern auch bestimmter politischer Ziele bar
erscheinen lassen konmte. Und doch war andero zu handeln für
ihn kaum möglich, wollte er durch alle Klippen und Strudel
glücklich hindurchstenern. Auch gab ihm das Opfer, das er der
allgemeinen Wohlfahrt gebracht hatte, ein Recht auf Dank und
Vertrauen, und zwar nicht bei seinen Glaubensgenossen allein,
zumal die Festigkeit, mit der er für sie eingetreten war, mit
seinem moralischen Ansehen auch seine volitische Geltung steigerte
und ihn als das berufene Haupt all derer erscheinen ließ, denen
es Ernst war um den religiösen Frieden und die deutsche Freiheit.
Konnte er doch seine Lage überhaupt nur zu bessern
hoffen in kräftiger Vertretung eben dieser Prinzipien. Zu ihnen
hat er sich dauernd bekannt, trotz der Zrrgänge, in die seine
Politik sich verlor, und selbst in den Zeiten, wo er sie aufgegeben
zu haben schien. Und darin bethätigte sich immer von
neuem der Segen, der ihm, seinem Hause, seinen Landen und