Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

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Rosenheimer  Tagblakt

Dienstag,  26.  Jannar  1913

RKosenheimer  Anzeiger

 

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—  Die  einfpaltige  30  m
Nellamte

 

 

Amltkliches  Publikakions-Hegan

 

 

#####  von  Inseraten.  Rellamen

 

———3—  Nosenbe#tm,  Minchen,  Nünbern,  Berilm,  Bern,  Che#ntg.  Dresden,

Vr#ft##t  a.  X.  Domdu#  Da  ——

2  .  ##rnr.
—————-—-—————————-——  Mufnahme  in  die  lanfrabe  Tagennunmer  nicht  mehr  garanttert  werden  H###chlechtgchriede##Manustript  wird  keins  Berantwerte  #lus#

Ein  großes  Seegefecht  in  der  Nordsee.

.

4——

Ein  engiischer  Schlachtkreuzer  vernichtet,  ein  deutscher  Kreuzer  gelunken.  —  die  Schlacht  bel  Solllons.  —  bünklrchen  im  fliegerbombardement.

Der  2eppelinschrechen  in  Parts.

—  der  englische  Secehandel  in  Atngsten.  —  RAmerikanischer  Nredit  für  Rußlaud.  —  dbie  Kuflen  unter
schwercn  Verlunen  zurückgeschlagen.  —  der  Rückeug  der  Kullen  aus  der  bukomina.  —  eucs  aus  der  feftung  Przemosfl.

—  ein

bulgarisches  Unlmatum  an  Serbien:  —  Renderungen  in  der  rumänischen  dipiomattde.

usere  Verlufle.

Unsere  Gegner  nehmen  es  mit  der  Wahrheit
niemals  recht  genau.  Am  schlimmsten  wird  es,
wenn  sie  mit  Zahlen  arbeiten.  Sie  beguügen
sich  dann  meist  damit,  irgendeine  ihnen  vorteilhafte
  Angabe  als  wahr  in  die  Welt  zu  setzen,
ohne  auch  nur  den  geringsten  Versuch  zu  machen,
  die  Belege  dafür  beizubringen.  Solche
Angaben  sind  offenbar  nur  dazu  da,  die  sin.
lende  Zuversicht  neu  zu  beleben.

Anders  ist  es  wenigstens  laum  zu  erklären,
wenn  kürzlich  in  der  Presse  des  feindlichen
Auslandes  allen  Ernsies  behauptet  wurde,
Deutschland  habe  an  Toten,  Verwundeten  und
Gefangenen  1200000  Mann  verloren,  und
wenn  ein  „besonders  gut  unterrichteter"  Gewährsmann
  sogar  von  zwei  Millionen  wissen
wollte.  Wir  mochten  unseren  Gegnern  enpt
fehlen,  unsere  sehr  gewissenhaft  aufgestellien  Ver
lus#listen  zu  studieren,  sie  werden  sich  dann  zu
ihrem  Sckmerz  von  der  völligen  Unhaltbarkeit
dieser  Ziffern  überzeugen.

Es  ist  nicht  nötig,  hier  alle  feindlichen  Uebertreibungen
  zu  entkräften.  Nur  eine  ganz  besonders
  dreiste  Entstellung  sei  herausgegriffen.
Durch  die  Presse  ging  die  Meldung,  Rußland
habe  bisher  1140  Offiziere  und  134  700  Mann
von  uns  zu  Gefangenen  gemacht.  Demgegenüber
  konnte  unsere  Heeresleitung  fesestellen,  daß
die  Zahl  unserer  Vermißten  auf  dem  östlichen
Kriegsschauxlatz  im  höchsten  Falle  15  Prozent,
also  nicht  einmal  ein  Sechstel  dieser  Summe
beträgt.

Wenn  wir,  wie  es  nicht  anders  zu  erwarten
war,  in  diesem  gewaltigen  Kriege  erhebliche
Verluste  hatten,  so  kann  das  bei  der  todesmutigen
  Belätigung  des  Angriffsgeistes  unserer
Truppen  nicht  überraschen.  Es  steht  aber,  wie
dem  „B.  I.“  von  zuverlässiger  Seite  geschriclen
  wird,  fest,  daß  unsere  gesamten  Verluste  an
Toten,  Verwundeten,  Kranken  und  Vermißten
kaum  die  Ziffer  der  in  Deutschland  kriegsgefangenen
  Franzosen,  Russen,  Belgier  und  Engländer
  übersteigen

Auch  darf  man  nicht  vergessen,  daß  uniere
Listen  viele  Tausende  von  Leichtverwundeten
enthalten,  die  jetzt  längst  zur  Front  zurückgelehrt
  sind.  Viele  wurden  inzwischen  sogar
schon  zum  zweitenmal  verwundet.  Da  sie  somit
doppelt  in  den  Listen  erschienen  sind,  bleibt  die
wirlliche  Zahl  unserer  Verluste  also  erheblich
hinter  der  zurück,  die  sich  durch  die  einfache
Addition  ergeben  würde.  Der  Prozentsatz  der
seldokenstfähig  wiederhergestellten  Verwundeten
ist  überdies  dank  unserer  vorzüglichen  Sanitätseinrichtungen
  außerordentlich  hoch.

 

Die  Hoffnung  unserer  Feinde,  daß  Deulschlands
  Widerstandekraft  durch  seine  Abgänge
mehr  geschwächt  sei,  als  die  seiner  Gegner,  ist
also  trügerisch.  Schon  der  Umstand,  daß  unsere
  Feinde  allein  an  Gefangenen  fast  ebensoviel
einbüßten,  wie  unser  Gesamtverlust  beträgt,  läßt
klar  erlennen,  auf  welcher  Seite  man  in  Wirtlichkeit
  Grund  hat,  mit  ernster  Sorge  in  die  Zulunft
  zu  blicken.

Algemelnes  vom  Keieg

Zum  letzten  Bericht  aus  dem  Haupt-=quartier.


Berlin,  24.  Jau.  Von  den  im  gestwmigen
Bericht  des  Großen  Hauptquartiers  genannten
Orten  liegen  Fontaineile  Mitte  3  Kilometer
nordöstlich  von  Gent  und  Vienne  le  Chateau
am  Wesrrande  des  Argonnenwaldes,  Wisemrach
im  Lebertal  westlich  Marlirch  und  etwa  12  Kilo
meter  östlich  St.  Die.  Blinno  und  Goiok  zwi
schen  Lipno  und  Sierpe  nordöstlich  Wloclawel.
Söpital=  Gorny  liegt  nördlich  Wloclawek,  Chen-(iny
  südwestlich  Kielce,  östlich  Genstochau.

PornpGn  Lügen.

Berlin,  Jan.  Wie  aus  dem  Großen
Hanrrl  innccht  wird,  wird  aus  Paris
durch  die  „Agence  Havras“  eine  amtliche  Dar
stellung  der  Kriegsereignisse  vom  15.  Novem
ber  bis  15.  Januar  verbreilet.  Die  deuliche
oberste  Heeresleitung  beabsichigt  nicht,  in  Er
örterungen  über  eine  foiche  Darstellung  der
Kriegsereignisse  ein:  urreren,  wollle  sie  aber  als
Stimmungsbild  aus  den  Kreisen  der  franddif
schen  Regierung  der  alle  gemeinen  Kenntnis  nitht
vorenthalten  und  verweist  im  übrigen  auf  ihre
#uttlitzen  Belanntmackungen  in  der“  Zeit  vom
15.  November  bis  15.  Januar.  Die  frauzo
sische  Mitteilung  schließt:  „Jur  Erzu  ijt
hinzuzufügen,  daß  ersten  die  deunsche  Offensive
  in  Polen  seit  einem  Monal  angehalten  hat
und  weitens  die  russische  Offensive  in  Galizien
und  in  den  Karpathen  andauert,  drittens  die
türlische  Kaulasusarmee  Kröß  tenteils  vernichtet
ist,  pierlens  Deuishands  Hilfsquellen  an  Osfi
ziersbeständen  erschöpft  sind  (durchschnittlich  12
Offi#iere  pro  Regiment?  und  es  künftig  HOiliomittel
  in  den  Essektiubeständen  nur  auf  Kosten
der  bestehenden  Cinheiten  wird  entwideln  lön
nen,  fünftens  die  Armeen  der  Verbündeten  da
gegen  die  Möglichleit  sich  zu  verstärten,  noch
in  beachtenswertem  Maße  besitzen.  Man  tann
deshalb  behaupten,  daß  es  Franlreich  und  seinen
Bundesgenoessen  genügt,  warten  zu  lönnen,  um
den  vollen  Ersolg  zu  erzielen.  Man  muß  diese
Ersolge  mit  unermüdlidjer  Geduld  vorbereiten.
Die  deutsche  Offensive  ist  durchbrochen,  die
deutsche  Defensive  wird  es  ebensalls  werden.“

Eine  größere  Lügenbeutelei  ist  wohl  nod
nicht  dagewesen.  Was  am  besten  für  die  Verbundeten
  zutrifft,  wird  auf  Deutschland  umgedichtet.
  Cr  sind  in  der  französischen  Darstellung
  so  unsinnige  Thesen  ausgestellt,  daß
man  nicht  versteht,  wie  die  französische  Hecresleitung
  sich  zu  solchen  Unwahrheiten  verstehen
mag,  um  das  ichwer  leidende,  mehr  und  mehr

1

 

auf  die  Erschöpfung  seiner  Kräfte  zusteuernde
fransösische  Volk  aufzurichten.  Auch  die  Lüge
über  die  Kautasusarmee  ist  schon  längst  widerlegt.
  Den  Franzosen  zu  sagen,  Deutschland
könne  ohne  Nackteile  der  bestehenden  Einheiten
seine  Bestände  nicht  vermehren,  ist  schon  Wahnwitz.


Die  Konfiskationen  in  Frankreich.

WITB.  Parie,  24.  Jan.  Nach  dem  „Temps“
überminelte  der  Justizminister  der  Kammer
eine  Liste  der  bis  zum  5.  Januar  1915  in
Frankreich  volliogenen  Beschlagnahmungen.
Hiernach  wurden  4001  kaufmännische,  landwirtschaftliche
  und  indusmielle  Unternehmungen  sowie
  Güter  von  2187  deutschen  und  österreichischungarischen
  Staatsangehörigen  ohne  laufmännischen,
  landwirtschaftlichen  und  industriellen
Beruf,  die  abter  in  Frankreich  ansässig  sind,
beschlagnahmt.  Im  Seinedepartement  erfolgten
  hiervon  1142  bezw.  449  Beschlagnahmungen.


Französiscke  Gelder  in  der  Schweiz.

Zürich,  2J.  Jan.  21,  Milliarden  in  Banknoten
  und  Werrtschriften  Kingen  in  der  letzten
Nackht  in  Speʒi  ialwagen  von  Genf  nach  Paris
ab.  Diese  Summe  war  von  einem  der  größten
Banihauser  von  Paris  einem  Genfer  Finanzinstitut
  zur  Ausbewahrung  ubersandt  worden,
weil  man  befürchtete.  daß  die  Deutschen  Ende

August  in  Paris  einziehen  würden.  (JZ.)
In  Brüssel.
WIITB.  Brüssel,  24.  Jan.  In  der  gestrigen

  Nacht  ist  das  zum  Andenken  an  den
spanischen  Anarchisten  Ferrer  in  Brüssel  errichtete

  Denlmal  in  häßlicher  Weise  besudelt
worden.  Bei  der  Bevollerung  rief  dieses  Vorkommnis

  eine  Erregung  hervor,  die  sich  in
Menschenansamm#lungen  lundgab.  Schon  als  vor
einigen  Jahren  das  Denlmal  errichtet  wurde,
traten  bekanntlich  Parteigegensäte  in  schärfster
Weise  hervor.  Es  stand,  zu  befürchten,  daß  der
Anschlag  zu  Unruhen  führen  lönnte.  Der  Generalgouverneur
  wies  daher  die  Stadtverwaltung
  an,  das  Denkmal  zu  entfernen.
Ein  französischer  Flieger  in
Holland.

VWIB.  Amsterdam.  23.  Jan.  Die  Blätter
berichten  von  einem  in  der  Provinz  Zeeland
niedergegangenen  französischen  Flugzeug.  Es
sei  auf  ungepflugtes  Land  gefallen  und  habe
keine  Bomben  enthalten.  Es  wurde  nach  Blisfingen
  geschafft.  Es  gelang  noch  nicht,  des  Fliegers
  habhaoft  zu  werden.

Derenglische  Seehandel  in  Aengsten.

Haag.  24.  Jan.  In  den  englischen  Handelskreisen
  Rotterdams  herrscht  große  Beängstigung,
  da  man  befürchtet,  daß  die  neuen  deutchen
  Unterseeboote  nunmehr  ständig  an  der
Mündung  des  Nieuwen  Waterwegs  und  an
anderen  neutralen  Häfen  kreuzen  werden,  um

—

 

die  englischen  Schiffe  abzufangen.  Dadurch
würde  der  englischen  Handelsschiffahrt  ein  auherordentlicher
  Schlag  zugefügt  werden.  (3.)
Amerika  und  Englano.
Rotterdam,  24.  Jan.  Die  Pariser  Ausgabe
  des  „New-York  Herald“  bringt  die  schon
neulich  ausgetauchte  Meldung  nochmals,  daß
die  Beziehungen  zwischen  Amerika  und  England
geipannter  werden.  Die  neue  Note  der  Vereinigten
  Staaten  soll  im  Laufe  dieser  Woche  in
London  überreicht  werden.  (3Z.)
Amerikanischer  Kredit  für  Rußland.
WIB.  Perersburg.  24.  Jan.  Die  „Nußkoje
  Wiedemofsti“  meldet,  daß  eine  Gruppe  Neuvorker
  Finanziers  der  russischen  Regierung  den
Vorschlag  unterbreitet  hat,  den  russischen  Kaufleuten
  einen  Kredit  von  12  Millionen  Dollar
zu  eröffnen  und  zwar  in  Form  43  prozentigen
Tratten  und  30,  60  und  90  Tagen.
Einepäpstliche  Spende  für
die  Polen.
Wiß  Krakau.  21.  Jan.  Das  Blatt,,Czas“
meldet,  daß  der  Papft  durch  Vermurkurg  des
Wiener  Nuntius'  dem  Fürstbischof  von  Krakau
  10  000  Lire  für  die  polnische,  durch  die
Kriegsereignisse  betroffene  Bevölkerung  übersandte.
  Das  Kardinalkollegium  spendete  für
denselben  Zweck  3000  Lire.
III

Die  Kriegslage.

WITB.  Großes  Hauptquartier,  den
24.  Januar,  vormittags.  Amtlich.

Westlicher  Kriegsschauplatz.

Der  23.  Januar  verlief  im  allgemeinen  ohne

 

besondere  Ereignisse.

Im  Argonnenwald  wurden  ei  französische
Angriffe  mühelos  abgewiesen.

In  den  Vogcsen,  am  Hartmannsweiler  Kopf
und  nordöstlich  Steinbach  machten  wir  Vortschritte
  und  nahmen  50  französische  ger  g
fangen.

Oestlicher  Kriegsschauplatz.

In  Ostpreußen  und  im  nördlichen  Polen  keine

Veränderung.  Unser  Angriff  gegen  den  Sucha-Ubschnitt

  bei  Botzymow  war  erfolgreich.  feindliche
  Gegenangrifse  wurden  unter  schweren  Verlusten

  für  die  Russen  abgeschlagen.

Russische  Angriffe  in  der  Gegend  nordwestlich

 

 

 

DOberste  Heeresleitung.