108 Zweites Buch. II: Heinrich und König Konrad.
Bischof Emmehard unbelästigt"); aber Vizelin, der sich zu dem Eingriffe des
Exzbischofs in die gräflichen und herzoglichen Rechte hatte mißbrauchen lassen,
mußte Adolfs und noch mehr Heinrichs Grimm schwer fühlen. Sofort belegte
Adolf — jedenfalls in Ubereinstimmung mit dem Herzoge — alle Vizelin
zukommenden Abgaben in Wagrien und Polabien mit Beschlag. Dies empfand
der alte Mann schwer und eilte zum Herzoge, um von diesem Verzeihung
und Abhilfe zu erbitten. Zwar empfing ihn Heinrich ehrenvoll, hielt ihm aber
in ernsten Worten sein Unrecht vor; nur er, der Herzog, habe in dem ihm
von seinen Vätern vererbten Lande das Recht, Bischöfe einzusetzen, doch wolle
er dem Vizelin verzeihen, wenn dieser die Investitur von ihm nähme'). Der
Bischof drückte einem Freunde, der zugleich Lehnsmann des Herzogs war,
Heinrich von Witha, sein Erstaunen über dieses Verlangen des Herzogs aus,
da das Recht, Bischöfe zu belehnen, nur dem Könige zukomme. Aber Heinrich
von Witha antwortete ihm, gewiß ganz der Ansicht und dem Willen seines
Herzoges gemäß: der Bischof möge sich nur an Heinrich den Löwen halten
und sich von diesem, was er ja ohne Schwierigkeiten könne, den Stab erteilen
lassen. Sonst würde ihm weder Erzbischof noch König das Geringste nützen,
denn im ganzen Slawenlande sei der Herzog König"““). Der Bischof bat sich
noch Bedenkzeit aus und begab sich nach Bremen, um dort sich mit dem Erzbischofe
zu beraten.
Es ist unzweifelhaft, daß Heinrich der Löwe als Herzog von Sachsen nicht
das Recht hatte, Bischöfe einzusetzen oder auch bloß mit der Investitur zu versehen.
Das letztere Recht gehörte den Königen, und auch das erstere, das
ihnen das Wormser Konkordat 1122 genommen, hatten sie sich nach und nach
wieder angeeignetf). Auch hat Heinrich einen solchen Hoheitsakt nie im eigentlichen
Sachsen oder später in Bayern ausgeübt. Zwar übte er oft auf die
sächsischen Kapitel mächtigen Einfluß, indes ein Versuch, direkt bei der Bestimmung
der Bischöfe zu konkurrieren, hat er nie gemacht und konnte er
auch nie machen. Jedoch es läßt sich nicht verkennen, daß die Dinge in den
neu gewonnenen Slawenländern wesentlich anders lagen. Ob Holstein selbst
ein Reichslehen war oder nicht vielmehr ein herzogliches, von Lothar eingerichtetes
ff)Lehen außerhalb des Reichsverbandes, ist nicht ganz gewiß,
aber letzteres sehr wahrscheinlichKf ). Ohne allen Zweifel hingegen gehörten
*) Es geht das aus dem gänzlichen Stillschweigen des sonst diesen Streit so genau
erzählenden Helmold hervor.
½%% Heim. I, 69: Et eit dux ad eum: Dignum r& fuit, o Gpiscope, ut vos neo
salutarem nec reciperem, eo ducd nomen istud me inconsulto susceperitis. Ego
enim huius rei moderator esse debueram, maxime in terra, quam patres mei, favente
Deo, in clypeo et gladio obtinuerunt et mihi possidendam reliquerunt. Sed dquia
sanctitas vestra dudum mibi comperta est etc.
## Helm. I. 69: Alioquin frustabitur labor vester, eo ducd nec Caesar neo archiePiscopus
possit invare causam vestram, domino meo obnitente. Deus enim dedit
ei umiversam terram hanc.
o) Bgl. Arnoldus Lubicensis III, 6; und viele Beispiele weiter unten.
) Siehe Helm. I. 36.
) Krit. Erört. II y6