535
Dame, k. Herrin, Frau, aus dem ital. dama, franz.
dame (dies aus mittellat. domna, domina) im späten
16. Ih. eingeführtes Lehnwort vornehmer Kreise, in verschieden
entfaltetem Sinne; 1) vornehme Frau schlechthin,
verheiratet oder unverheiratet: ein dama schön im
garten gehn thet früh an einem worgen Ansang eines
Liedes um 1600; weist du auch eine dame zu loben
und abzumahlen, wie sichs gebuhrt? Simpl. 1, 142;
die gräfin musz eine herrliche dame sein Tischbein
in Mercks Brieff. 1, 385; eine hohe, grosze, vornehme
dame; die grosze dame spielen, ihre Weise nachahmen;
hofdame, edeldame, weltdame; auch nicht eine dame
zur begleitung (der Königin)? Schiller Karl. 1,6; jetzt
für Frauen von einiger gelellschaftlicher Stellung allgemein
gewordener Titel, formelhaft mit herr verbunden:
ich sah einen herrn und eine dame voerübergehen;
herren und damen in bunter reihe; in der Anrede auch
meine dame! 2) als Gebieterin des Herzens: ist das
auch disputierens werth von damen und gallan Anfang
eines Liedes um 1600; schönste dame (Aurede des Liebhabers)
Simpl. 1, 116; der dame scines jungen herzens
Goethe Wanderj. 1, 6. 3) mit anrüchigem Nebensinn,
wie uns das Dim. dümchen stets solchen hat: ein ebenbild
der dame von Babylon Simpl. 3, 169; dame der
halbwelt; in franz. Gewande eine dame de fortun Cav.
im Irrg. 285. 4) ein Stein im Brettspiel, und das
letztere selbst: nöthigte Elbensteinen die dame mit ihr
Dame — damit.
Damm — Dämmer. 536
dadurch. Räumlich, sur Bezeichnung einer Begleitung
von Dingen: er empfleng die waren, und gieng damit
weg; einer Beziehung: damit ists aus; damit eilt es
nicht; zuschmeisze den feind, und eile damit Sir. 36, 10;
schon war es damit sebr weit gediehen Ranke Päpste
2, 8; ich thus nicht wieder, und damit abgemacht
Freytag Wald. 4; eines Werkzeuges, Mittels: da nam
Mosc das blut und sprenget das volk damit 2. Mos.
24, 8; deinen kindern gibst du damit zu verstehen
WeisW. Sal. 12, 19; relativ für womit: die gotteslesterung,
damit sie gott lestern Marc. 3, 28; mit dem
schurze, damit er umgurtet war Joh. 13, 5; zeitlich
zugleich, alsbald: er schickt nach jm, befahl damit
BWaldis Es. 2, 54; damit schlich ich durch Simpl.
3, 303; Conj., auf daß: das es stoplen samlet, damit
sic stro hetten 2. Mos. 5, 12; das er jm frist gebe, damit
er die deutung dem könig sagen möcht Dan. 2, 16;
damit du mein entgegenkommen schest, will ich es
thun; damit verbunden mit dasz: entheiliget mich in
meinem volk . damit des jr die seelen zum tod verurteilet
Hes. 13, 19; das jr uns in solche not bringet damit das
jr uns nicht woltet lassen.. frieden machen Ind. 7, 13.
Damm, m. Landerhöhung zum Schutz gegen andringendes
Wasser; altes Wort (schon goth. faürdammjan
Damm ausrichten), altniederd. dam, mhd. tam, Gen.
tammes, dunkler Herkunft; die hochd. Schreibung: tam
vor cinem wiher, agger Voc. 15. Ih., auch noch in der
zu ziehen ebd. 216; dame spielen; Figur in der Karte. Bibel: der dem wasser den tham aufreiszt Spr. Sal.
— Zusammensetzungen: Damenbrett, Dambrett, n. Brett 17,14; das die seen an temmen werden geringe und
auf welchem Dame gefpielt wird. — Damenhnt, m. Hut, treuge werden Jes. 19, 6; aber später dringt die niederd.
wie ihn Damen tragen. — Damenkleid, n. Kleid das Form des Wortes ein: damm agger Schottel; 2erreiszt
Damen tragen. — Damonschneider, m. Schneider der die dämme, wandelt land in see! Goethe nat. Tocht.
Frauenkleider versertigt. — Damenspiel, u. Brettspicl, 3, 2; oft bildlich: der damm ist weg, und der strom
s. dame 4. — Damenzimmer, v. Zimmer zur ausschließlichen
Benutzung der Damen.
Dämelei, k. dämeliches, gedankenloses Wesen; Plur.
Räu
seiner luste kann itzt freier dahin brausen Schiller
äub. 1,1; der vaterländischen breiten plattheit thur
und thor geöffnet, ja der damm durchstochen Goethe
dämeleien gedankenlose Streiche, Dummheiten in nie-Du W. 7; in täglicher Rede er ist recht auf dem damme,
driger Rede. — dämeln, in gedankenlosem Zustande,
ohne rechte Besinnung sein: er damelt herum; niederd.
dameln und dämeln. — dämoelich, dämlich, ohne rechte
Besinnung, gedankenlos, niederd. damelig und dämlig,
wie die ganze Sippe dunkeln Ursprungs und erst in die
neuere Schriftspr. eingedrungen: die dämliche unbestimmtheit
ihres schicksals Keller Sinnged. 53.
Dambirsch, m. eine Art Rotwild, Schaufelhirsch;
im Ahd. dafür einsaches dãmo, tämo, mhd. täme (Lehnwort
aus lat. dama Damhirsch, Gemse); der zweite Teil
der Zusammensetzung erklärend hinzugesetzt, schon im
16. Ih. dama damhirz, danhirz Dief.; auch damling,
so ein thier wie ein hirsch ist Hulsius 3, 22.
Dämisch, ohne klares Bewußtsein, dumpsen Kopfes,
dumm; wohl nicht in Beziehung zu dämeln und dämelich
(s. d.), sondern süddeutscher Herkunst und in der
Aussprache verderbt aus bair. täumisch. nach dortiger
Aussprache tämisch und ddmisch, taumelig, schwindlicht
(Schmeller), von mhd. toum, ahd. toum und doum
Dunst, Qualm: wie sich auch dämlich und dämisch im
Begriffe keineswegs decken. Bereits im 15. Ih. vorhanden:
tamisch, hebes, inepfs, stultus Voc.; dämischer
und zerrütter hirn traum Aventin 1, 50; machtens
balb unsinnig und dämisch 72; auch in der neueren
Spr. in derber Rede unvergessen: mutterkorn und andre
waare, die im kopfe dämisch macht Uhland Ged.
94; im Sinne von dumm, albern: der fischerjunge
starrte dämisch vor sich hin Gaudy venez. Nov. 69; in
jenen gutmuthigen schwänkcn und dämischen späszen
Treitschke 2, 23; in Verbindung mit dumm: kauz und
cule dämisch dumm schaun zum astloch raus Grillparzer
1, 88.
Damit, Zusammenrückung von abd. där miti, mhd.
där mite, dd mit, auch im ältern Nhd. noch darmit,
z. B. Simpl. 2, 122; wegen der Betonung vgl. dabei,
geschützt gegen Krankheit, im Wohlbefinden, ich bin
heute gar nicht auf dem damme; einen auf den damm
bringen, ihm forthelsen; übertragen auf erhöhte Fahrstraße,
straszen-, fahrdamm; in der Anatomie, Schamleiste,
Mittelfleisch zwischen Scham und After; bei Orgelbauern
Holz, worauf der Stock liegt in dem die Pfeisen
stecken. — Zusammensetzungen: Dammbau, m. Bau eines
Dammes, Kunst die das vermag: regeln des dammbaus.
— Dammbruch, m. Zufammenbruch, Durchbruch
eines Dammes. — Dammerde, k. die Oberfläche bedeckende
Erde, Gartenerde. — Dammsetzer, m. Steinsetzer,
Straßenpflasterer.
Dämmen, 1) mit einem Damm versehen, mhd. tammen,
temmen, aggero zudemmen Dief.; dammen, däm--men
siruere aggerem Schottel; land, ufer; durch
Damm abhalten: themmen das wasser, restagnare,
obstru#ere, aggerare Voc. 15. Ih.; der andrang der
fluten war nicht mehr zu dümmen; frei: die weiber
machen aus aim klainen ain grosz feur, das ganz
schwerlich zü demmen ist Frölich Stob. 380; hör uns
rufen, deutsches reich, und unsres feindes trutzen
dämme! Geibel 1, 225; (er) dümmt wmüchtig die woge
der schlacht 5, 107; (er) dümmt zuruck das trotzige
gedränge Heyse 3, 78. 2) ohne Umlaut, dammen, als
Damm errichten, ausschütten wie einen Damm: laszt
uns zertreten die philisterrotte und hoch der dichtkunst
siegesmale dammen (: entflammen) Strachwitz
Ged. 67. 3) anderes dämmen, schwelgen, dem mittelnicderd.
domen, dömen entsprechend, gewöhnlich mit
schlemmen zur Formel gebunden: spilen, schlemmen und
temmen Wickram Rollw. 76; schwelgen, schlemmen,
temmen Garg. 71; schläümmen und dimmen Adelung
als niedrig. „
Dämmer, m. Dämmerung, Zwielicht; ahd. demar,
altes Wort mit weitem Hintergrunde, da sanskr. tamas