Full text : Handbuch der Gesetzgebung in Preußen und dem Deutschen Reiche. Band I Das Deutsche Reich. (1)

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Dame,  k.  Herrin,  Frau,  aus  dem  ital.  dama,  franz.
dame  (dies  aus  mittellat.  domna,  domina)  im  späten
16.  Ih.  eingeführtes  Lehnwort  vornehmer  Kreise,  in  verschieden
  entfaltetem  Sinne;  1)  vornehme  Frau  schlechthin,
verheiratet  oder  unverheiratet:  ein  dama  schön  im
garten  gehn  thet  früh  an  einem  worgen  Ansang  eines
Liedes  um  1600;  weist  du  auch  eine  dame  zu  loben
und  abzumahlen,  wie  sichs  gebuhrt?  Simpl.  1,  142;
die  gräfin  musz  eine  herrliche  dame  sein  Tischbein
in  Mercks  Brieff.  1,  385;  eine  hohe,  grosze,  vornehme
dame;  die  grosze  dame  spielen,  ihre  Weise  nachahmen;
hofdame,  edeldame,  weltdame;  auch  nicht  eine  dame
zur  begleitung  (der  Königin)?  Schiller  Karl.  1,6;  jetzt
für  Frauen  von  einiger  gelellschaftlicher  Stellung  allgemein
  gewordener  Titel,  formelhaft  mit  herr  verbunden:
ich  sah  einen  herrn  und  eine  dame  voerübergehen;
herren  und  damen  in  bunter  reihe;  in  der  Anrede  auch
meine  dame!  2)  als  Gebieterin  des  Herzens:  ist  das
auch  disputierens  werth  von  damen  und  gallan  Anfang
eines  Liedes  um  1600;  schönste  dame  (Aurede  des  Liebhabers)
  Simpl.  1,  116;  der  dame  scines  jungen  herzens
Goethe  Wanderj.  1,  6.  3)  mit  anrüchigem  Nebensinn,
wie  uns  das  Dim.  dümchen  stets  solchen  hat:  ein  ebenbild
  der  dame  von  Babylon  Simpl.  3,  169;  dame  der
halbwelt;  in  franz.  Gewande  eine  dame  de  fortun  Cav.
im  Irrg.  285.  4)  ein  Stein  im  Brettspiel,  und  das
letztere  selbst:  nöthigte  Elbensteinen  die  dame  mit  ihr

Dame  —  damit.

Damm  —  Dämmer.  536

dadurch.  Räumlich,  sur  Bezeichnung  einer  Begleitung
von  Dingen:  er  empfleng  die  waren,  und  gieng  damit
weg;  einer  Beziehung:  damit  ists  aus;  damit  eilt  es
nicht;  zuschmeisze  den  feind,  und  eile  damit  Sir.  36,  10;
schon  war  es  damit  sebr  weit  gediehen  Ranke  Päpste
2,  8;  ich  thus  nicht  wieder,  und  damit  abgemacht
Freytag  Wald.  4;  eines  Werkzeuges,  Mittels:  da  nam
Mosc  das  blut  und  sprenget  das  volk  damit  2.  Mos.
24,  8;  deinen  kindern  gibst  du  damit  zu  verstehen
WeisW.  Sal.  12,  19;  relativ  für  womit:  die  gotteslesterung,
  damit  sie  gott  lestern  Marc.  3,  28;  mit  dem
schurze,  damit  er  umgurtet  war  Joh.  13,  5;  zeitlich
zugleich,  alsbald:  er  schickt  nach  jm,  befahl  damit
BWaldis  Es.  2,  54;  damit  schlich  ich  durch  Simpl.
3,  303;  Conj.,  auf  daß:  das  es  stoplen  samlet,  damit
sic  stro  hetten  2.  Mos.  5,  12;  das  er  jm  frist  gebe,  damit
  er  die  deutung  dem  könig  sagen  möcht  Dan.  2,  16;
damit  du  mein  entgegenkommen  schest,  will  ich  es
thun;  damit  verbunden  mit  dasz:  entheiliget  mich  in
meinem  volk  .  damit  des  jr  die  seelen  zum  tod  verurteilet
Hes.  13,  19;  das  jr  uns  in  solche  not  bringet  damit  das
jr  uns  nicht  woltet  lassen..  frieden  machen  Ind.  7,  13.

Damm,  m.  Landerhöhung  zum  Schutz  gegen  andringendes
  Wasser;  altes  Wort  (schon  goth.  faürdammjan
Damm  ausrichten),  altniederd.  dam,  mhd.  tam,  Gen.
tammes,  dunkler  Herkunft;  die  hochd.  Schreibung:  tam
vor  cinem  wiher,  agger  Voc.  15.  Ih.,  auch  noch  in  der

zu  ziehen  ebd.  216;  dame  spielen;  Figur  in  der  Karte.  Bibel:  der  dem  wasser  den  tham  aufreiszt  Spr.  Sal.
—  Zusammensetzungen:  Damenbrett,  Dambrett,  n.  Brett  17,14;  das  die  seen  an  temmen  werden  geringe  und
auf  welchem  Dame  gefpielt  wird.  —  Damenhnt,  m.  Hut,  treuge  werden  Jes.  19,  6;  aber  später  dringt  die  niederd.
wie  ihn  Damen  tragen.  —  Damenkleid,  n.  Kleid  das  Form  des  Wortes  ein:  damm  agger  Schottel;  2erreiszt
Damen  tragen.  —  Damonschneider,  m.  Schneider  der  die  dämme,  wandelt  land  in  see!  Goethe  nat.  Tocht.
Frauenkleider  versertigt.  —  Damenspiel,  u.  Brettspicl,  3,  2;  oft  bildlich:  der  damm  ist  weg,  und  der  strom

s.  dame  4.  —  Damenzimmer,  v.  Zimmer  zur  ausschließlichen
  Benutzung  der  Damen.
Dämelei,  k.  dämeliches,  gedankenloses  Wesen;  Plur.

Räu

seiner  luste  kann  itzt  freier  dahin  brausen  Schiller
äub.  1,1;  der  vaterländischen  breiten  plattheit  thur
und  thor  geöffnet,  ja  der  damm  durchstochen  Goethe

dämeleien  gedankenlose  Streiche,  Dummheiten  in  nie-Du  W.  7;  in  täglicher  Rede  er  ist  recht  auf  dem  damme,
driger  Rede.  —  dämeln,  in  gedankenlosem  Zustande,

ohne  rechte  Besinnung  sein:  er  damelt  herum;  niederd.
dameln  und  dämeln.  —  dämoelich,  dämlich,  ohne  rechte
Besinnung,  gedankenlos,  niederd.  damelig  und  dämlig,
wie  die  ganze  Sippe  dunkeln  Ursprungs  und  erst  in  die
neuere  Schriftspr.  eingedrungen:  die  dämliche  unbestimmtheit
  ihres  schicksals  Keller  Sinnged.  53.

Dambirsch,  m.  eine  Art  Rotwild,  Schaufelhirsch;
im  Ahd.  dafür  einsaches  dãmo,  tämo,  mhd.  täme  (Lehnwort
  aus  lat.  dama  Damhirsch,  Gemse);  der  zweite  Teil
der  Zusammensetzung  erklärend  hinzugesetzt,  schon  im
16.  Ih.  dama  damhirz,  danhirz  Dief.;  auch  damling,
so  ein  thier  wie  ein  hirsch  ist  Hulsius  3,  22.

Dämisch,  ohne  klares  Bewußtsein,  dumpsen  Kopfes,
dumm;  wohl  nicht  in  Beziehung  zu  dämeln  und  dämelich
  (s.  d.),  sondern  süddeutscher  Herkunst  und  in  der
Aussprache  verderbt  aus  bair.  täumisch.  nach  dortiger
Aussprache  tämisch  und  ddmisch,  taumelig,  schwindlicht
(Schmeller),  von  mhd.  toum,  ahd.  toum  und  doum
Dunst,  Qualm:  wie  sich  auch  dämlich  und  dämisch  im
Begriffe  keineswegs  decken.  Bereits  im  15.  Ih.  vorhanden:
  tamisch,  hebes,  inepfs,  stultus  Voc.;  dämischer
und  zerrütter  hirn  traum  Aventin  1,  50;  machtens
balb  unsinnig  und  dämisch  72;  auch  in  der  neueren
Spr.  in  derber  Rede  unvergessen:  mutterkorn  und  andre
waare,  die  im  kopfe  dämisch  macht  Uhland  Ged.
94;  im  Sinne  von  dumm,  albern:  der  fischerjunge
starrte  dämisch  vor  sich  hin  Gaudy  venez.  Nov.  69;  in
jenen  gutmuthigen  schwänkcn  und  dämischen  späszen
Treitschke  2,  23;  in  Verbindung  mit  dumm:  kauz  und
cule  dämisch  dumm  schaun  zum  astloch  raus  Grillparzer
  1,  88.

Damit,  Zusammenrückung  von  abd.  där  miti,  mhd.
där  mite,  dd  mit,  auch  im  ältern  Nhd.  noch  darmit,
z.  B.  Simpl.  2,  122;  wegen  der  Betonung  vgl.  dabei,

geschützt  gegen  Krankheit,  im  Wohlbefinden,  ich  bin
heute  gar  nicht  auf  dem  damme;  einen  auf  den  damm
bringen,  ihm  forthelsen;  übertragen  auf  erhöhte  Fahrstraße,
  straszen-,  fahrdamm;  in  der  Anatomie,  Schamleiste,
  Mittelfleisch  zwischen  Scham  und  After;  bei  Orgelbauern
  Holz,  worauf  der  Stock  liegt  in  dem  die  Pfeisen
stecken.  —  Zusammensetzungen:  Dammbau,  m.  Bau  eines
Dammes,  Kunst  die  das  vermag:  regeln  des  dammbaus.
  —  Dammbruch,  m.  Zufammenbruch,  Durchbruch
eines  Dammes.  —  Dammerde,  k.  die  Oberfläche  bedeckende
  Erde,  Gartenerde.  —  Dammsetzer,  m.  Steinsetzer,
  Straßenpflasterer.

Dämmen,  1)  mit  einem  Damm  versehen,  mhd.  tammen,
  temmen,  aggero  zudemmen  Dief.;  dammen,  däm--men
  siruere  aggerem  Schottel;  land,  ufer;  durch
Damm  abhalten:  themmen  das  wasser,  restagnare,
obstru#ere,  aggerare  Voc.  15.  Ih.;  der  andrang  der
fluten  war  nicht  mehr  zu  dümmen;  frei:  die  weiber
machen  aus  aim  klainen  ain  grosz  feur,  das  ganz
schwerlich  zü  demmen  ist  Frölich  Stob.  380;  hör  uns
rufen,  deutsches  reich,  und  unsres  feindes  trutzen
dämme!  Geibel  1,  225;  (er)  dümmt  wmüchtig  die  woge
der  schlacht  5,  107;  (er)  dümmt  zuruck  das  trotzige
gedränge  Heyse  3,  78.  2)  ohne  Umlaut,  dammen,  als
Damm  errichten,  ausschütten  wie  einen  Damm:  laszt
uns  zertreten  die  philisterrotte  und  hoch  der  dichtkunst
  siegesmale  dammen  (:  entflammen)  Strachwitz
Ged.  67.  3)  anderes  dämmen,  schwelgen,  dem  mittelnicderd.
  domen,  dömen  entsprechend,  gewöhnlich  mit
schlemmen  zur  Formel  gebunden:  spilen,  schlemmen  und
temmen  Wickram  Rollw.  76;  schwelgen,  schlemmen,
temmen  Garg.  71;  schläümmen  und  dimmen  Adelung
als  niedrig.  „

Dämmer,  m.  Dämmerung,  Zwielicht;  ahd.  demar,
altes  Wort  mit  weitem  Hintergrunde,  da  sanskr.  tamas