54 Siebzehntes Kapitel 16. Januar
an den Gouverneur von Paris gerichtet hat, und Herr von Bis—
marck fügt hinzu, daß der preußische Oberkommandant, bis Genug—
thuung gewährt sei, jede Mitteilung durch Parlamentäre verboten
habe. Ich untersuche nicht, ob ein solcher den Kriegsgesetzen zu—
widerlaufender Beschluß nicht die unbedingte Verneinung der höhern
Rechte ist, die die Notwendigkeit und die Menschlichkeit immer zu
Gunsten der Kriegführung aufrecht erhalten haben. Ich begnüge
mich, Ew. Exzellenz zu bemerken, daß der Gouverneur von Paris
sich beeilt hat, eine Untersuchung über die vom Grafen von Bismarck
bezeichnete Angelegenheit zu befehlen, und daß er, indem er dies
ankündigte, viel zahlreichere Fälle zu seiner Kenntnis gebracht hat,
die den preußischen Schildwachen zur Last gelegt worden sind, auf
die er sich aber nie gestützt hat, um den Austausch der gewöhn—
lichen Mitteilungen zu unterbrechen. Der Herr Graf von Bismarck
scheint, wenigstens teilweise, die Richtigkeit dieser Bemerkungen zu—
gegeben zu haben, weil er heute den Gesandten der Vereinigten
Staaten beauftragt hat, mich wissen zu lassen, daß er heute unter
dem Vorbehalt gegenseitiger Untersuchungen die Verbindungen durch
Parlamentäre wieder herstelle. Es liegt also keine Notwendigkeit
vor, daß sich ein französischer Offizier in das preußische Haupt—
quartier begebe, und ich werde mich mit dem Gesandten der Ver—
einigten Staaten in Verbindung setzen, um den Passierschein zu
erhalten, den Sie für mich ausgewirkt haben. Sobald ich diesen
in den Händen haben werde, und die Lage von Paris es mir
gestattet, werde ich den Weg nach London nehmen, im voraus
sicher, nicht vergeblich im Namen meiner Regierung das Prinzip
des Rechtes und der Moral anzurufen, dem Achtung zu verschaffen
Europa ein so großes Interesse hat.“
Soweit Herr Favre. Die Lage von Paris hatte sich nicht
verändert, die an Europa gerichteten Proteste hatten der Krisis
noch kein Ziel gesetzt, dies auch noch nicht gekonnt, als Favre am
13. Januar, drei Tage also nach seinem Schreiben an Granville
und am Tage nach Erlaß seines Rundschreibens an die Vertreter
Frankreichs im Auslande folgende Depesche an den deutschen Bundeskanzler
abgehen ließ:
„Herr Graf! Lord Granville benachrichtigt mich durch seine
Depesche vom 29. Dezember v. J., die ich am 10. Januar abends