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und freilich dabei auch einen Hauptpunct traf, dem Luther
nicht kaltbluͤtig widersprechen konnte. Der Streit dieser zwei
großen Maͤnner haͤtte aber nach dem Tode des ersten ganz
ruhen koͤnnen, wenn nicht gewoͤhnlich die Schuͤler uͤber den
Ideen des Lehrers noch hartnäckiger hielten als der Lehrer
selbst, und wenn nicht die altkatholische Parkie, vielleicht aus
wahrer Abneigung, vielleicht Unelnigkeit zu unterhalten, den
Schweizerischgesinnten allen Genuß der Relligionsfreiheit
streitig gemacht hätte. Unterdeß so lange diese nicht wieder
einen gleich eifrigen und thätigen Mann, als Zwingli war,
an ihre Spitze bekamen, so lange nicht ihre charakteristischen
Lehren gleichsam das Eigenthum einer besondern berühmten
Universität wurden, so war die Fortdauer ihrer Eristenz immer
nur halb gesichert. Es kam wie in allen Perioden der
Geschichte so auch damals nicht darauf an, wer am meisten
Wahrheic hatte, sondern wer seine Wahrheit recht in den
Strom des Zeitalters hineinzubringen wußte.
Fünf Jahre aber nach dem ungläcklichen Ende des pa- 1536
triotischen Zwingli stieg ein Mann allmälig empor, der alles
in sich vereinigte, was ihn zum glücklichen Stifter einer neuen
Kirchenpartie machen konnte. Johann Calvin war eben
so eifriger, durch Correspondenz und Vielschreiben eben so
wirksamer Mann als die Wittenbergischen Reformatoren,
und vielleicht ihnen allen an schöner, durch classische Litteratur
geübter, Feinheit des Geistes weit überlegen. Einen bedquemern
Mittelpunct seiner Wirksamkeit hätte er auch nicht
treffen können, als Genf; hier konnte der Sammelplatz aller
Italiänischen und Französischen Flüchtlinge seyn. Viel leichter
liehen sich in einer solchen kleinen Republik seine neuen
hierarchischen Jdeen in Gang bringen, als wenn er wie Luther
unter dem Schutz eincs großen Fürsten gelebt haͤtte,