Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

291  —  292.  1611  673

Zuniga  eine  Vollmacht  zugeschickt  hat,  Finale  für  Spanien  zu  erhandeln;
  der  Kaiser  hat  zwar  auf  die  Warnung  treuer  Diener  hin  die
Verhandlung  hierüber  eingestellt,  aber  die  Instruktion  könnte  dem  Kaiser
leicht  mit  anderem  zur  Unterschrift  untergeschoben  werden;  er  soll
aber  auch  deswegen  gewarnt  werden.  Die  Erinnerung  der  Kurfürsten
wäre  gut,  um  die  Räte  abzuschrecken.  Prag  den  23.  julü
a.  1611.  —  Praes.  Aschaffenburg  5.  augusti  1611.
Wmz.,  Wahl-  und  Krönungsakten,  Bd.  6;  —  Or.i

292.  Gutachten  der  württembergischen  Räte  für  den
rotenburger  Unionstag.

Ohne  7weifel  werden  sowol  der  Kaiser  als  der  König  Gesandte  zum
Unionstag  abordnen,  ihre  Differenzen  daselbst  vorbringen  und  die  Hilfe
der  Union  anrufen,  sowie  auch  um  Beförderung  eines  Reichstags  und  um
Bewilligung  einer  Kontribution  zum  Unterhalt  des  Kaisers  und  zur
Verwahrung  der  ungarischen  Grenzen  anhalten  lassen.  Die  Unierten
müssen  sich  dagegen  vorsehen  und  bedenken,  wie  nach  jetziger  Beschaffenheit
  das  Reichsregiment  anzustellen  sei,  damit  die  meisten
Stände  ruhig  bleiben,  die  Gravamina  erledigt,  das  Justizwesen  in
Gang  gebracht  und  das  alte  Vertrauen  wieder  aufgerichtet  werde.

1.  Wegen  der  Irrungen  zwischen  Kaiser  und  König  wäre
zu  wünschen,  dass  das  Einvernehmen  hergestellt  und  mit  allseitigem  Zutun
den  „Beichsobliegen“  Rat  geschafft  werden  könnte.  Dieser  Misverstand  berührt
  aber  zunächst  die  Königreiche  und  Erblande  des  Hauses  Oesterreich  ;

ı  Wegen  Hämmerle  vgl.  no.  281,  S.  650,  Anm.  2.  Aus  seiner  Beschwerdeschrift
  an  die  Kurfürsten  geht  hervor,  dass  er  im  Jahre  1608  aus  der  Hofkammer,
  wo  er  fast  siebzehn  Jahre  lang  das  Sekretariat  in  der  Reichsexpedition
  versehen  hatte,  in  den  Reichshofrat  berufen  wurde,  bis  ihm  im  April
1611  der  Landgraf  von  Leuchtenberg  durch  Dekret  den  Besuch  des  Reichshofrate
untersagte  und  ihm  die  Akten  abforderte,  angeblich  ohne  dass  der  Kaiser  von
dieser  Suspension  wusste  (Beschwerde  vom  Oktober  1611;  Wmz.,  Reichstagsakten,
  Bd.  106;  —  Or...  Nach  anderen  Berichten  hatten  der  Herzog  von
Braunschweig  und  Dr.  Wacker  Hämmerles  Entfernung  durchgesetzt.  —  Das
Bild  von  dem  Getriebe  am  kaiserlichen  Hof  wird  durch  einen  Bericht  Jdea
Agenten  Drach  vom  24.  Juli  aus  Prag  an  den  Kurfürsten  von  \ainz  ergänzt:
ich  höre  von  vertrauter  Seite,  dass  E.  kfl.  Gn.  jüiogstes  Handschreiben
an  den  Kaiser  [vielleicht  das  vom  3.  Juli;  vgl.  no.  246,  S.  582,  Anm.  2]
von  dessen  Tisch  verschwunden  und  dem  Herzog  von  Branschweig  mitgeteilt
worden  sei,  um  „das  freundliche  gemüeth  dardurch  zu  corrumpiren.*  Von
einer  vornehmen  Kammerperson  vernehme  ich,  der  Kaiser  habe  dieser  Tage  bei
sich  selbst  mit  den  Worten  geklagt:  „sie  hetten  doch  keinen  einigen  mann
bei  sich,  deme  sie  recht  vertrawen  oder  ihr  herz  uf  ihne  setzen  dürften
und  vermerkten  auss  allen  relationibus  wohl,  dass  Dr.  Wackber  und  andere
räth  dem  konig  mehr  beifielen  und  I.  M.!  vast  genötiget  würden,  wieder
iren  willen  gegen  den  könig  sich  zu  resolviren*,  und  „der  Dr.  Wackher  sei
nit  stabilis  sonder  vergliche  sich  salva  reverentia  eineın  sawschwanz“  (Wimz.,
Reichstagsakten,  Bd.  104,  no.  145;  Or.  eigh.).

Briefe  u.  Akten  des  dreissigjährigen  Krieges,  IX.  Bu.  43

Juli  23.

Juli  26.