Full text : Deutschland und der Weltkrieg.

 

134  HermannSchumacher

 

Stand  England  1890  noch  so  weit  voran,  daß  es  gewissermaßen  außer
Wettbewerb  sich  befand,  so  hat  sich  ihm  in  zwischen  Deutschland  genähert,
und  Frankreich  ist  hinter  beiden  weit  zurückgeblieben.  Infolgedessen  hat
auch  Deutschland  —  äahnlich  wie  die  Vereinigten  Staaten  —  seinen
Anteil  am  Welthandel  1890  bis  1912  von  11  %  auf  12,9  0°  gesteigert,
während  er  gleichzeitig  in  England  von  20,2  %  auf  16,6  %  und  in  Frankreich
  von  11  %  auf  9  0°  herabgesunken  ist.  Trotzdem  haben  die  beiden
Länder  des  frühen  Aufschwungs  ihre  alte  Aberlegenheit  noch  immer  insofern
  behauptet,  als  der  Anßenhandel  auf  den  Kopf  der  Bevölkerung
1913  in  England  596  Mark,  in  Frankreich  (1912)  immerhin  noch
370  Mark,  in  Deutschland  erst  322  Mark  ausmachte.  Aber  als  Hauptwettbewerber
  stehen  sich  heute  nur  noch  Dentschland  und  Eugland  gegenüber.
  Von  ihnen  muß  daher  vor  allem  im  folgenden  die  Rede  sein.

Wichtiger  als  die  großen  Gesamtzahlen  sind  Unterschiede  im  einzelnen.
  In  der  Einfuhr,  in  der  England  bhente  noch  den  größten  Vorsprung
  vor  Dentschland  hat,  stehen  in  beiden  Ländern  Rohstoffe  und
Nahrungsmittel  voran.  Sie  machten  1913  in  der  deutschen  Einfuhr
72,1  %  aus;  zu  ihnen  gesellten  sich  11,7  %  halbfertige  Waren,  die,  wie  die
Nohstoffe,  der  Weiterverarbeitung  dienen,  und  nur  13,7  %  entfielen
auf  fertige  Waren.  Oie  20  ersten  Stellen  der  Einfuhrliste  nehmen  Rohstoffe
  ein,  unter  ihnen  weit  voran  Baumwolle  (607  Millionen  Mark),
Weizen  (417  Millionen  Mark),  Schafwolle  (412  Millionen  Markh,
Gerste  (390  Millionen  Mark),  Kupfer  (335  Millionen  Mark),  Hänte
(321  Millionen  Mark);  erst  an  21.  und  22.  Stelle  folgen  landwirtschaftliche
  Erzeugnisse  wie  Butter  und  Hlkuchen  im  Gesamtwert  von
237  Millionen  Mark  und  an  24.  und  25.  Stelle  mit  Banmwoll=  und
Wollgarn  zwei  Halbfabrikate  im  Gesamtwert  von  224  Millionen  Mark,
und  ihnen  schließt  sich  von  neuem  eine  Reihe  von  sieben  Nohstoffen  an,
bis  endlich  an  33.  Stelle  mit  Maschinen  im  Werte  von  80  Millionen
Mark  das  erste  industrielle  Fertigfabrikat  erreicht  wird.  Wegen  dieses
Zurücktretens  der  JFabrikate  sind  die  beiden  Länder  des  gemäßigten
Klimas,  welche  die  größte  Bodenfläche  haben,  in  der  dentschen  Einfuhr
  voran.  Die  Vereinigten  Staaten  und  Rußland  ringen  um  den
ersten  Platz.  In  der  dritten  Stelle  hat  sich  England  gegenüber  SÖsterreich-Ungarn
  behauptet.  Kein  unabhängiges  Land  nimmt  England  so
viele  Waren  ab  wie  Deutschland  und  auch  keine  englische  Kolonie  mit
Ausnahme  von  Ostindien.  Aber  auch  in  der  Ausfuhr  Englands  nach
Deutschland  spielen  Rohstoffe  und  Halbfabrikate  eine  beträchtliche
Rolle;  die  fünf  ersten  Stellen  werden  von  Kohlen,  Feringen  und  drei
verschiedenen  Garnarten  eingenommen;  von  einem  gesamten  Einfuhr-