1851 Preußens Vorschlag einer Allianz mit Ssterreich. 93
Napoleon, der so eben dem preußischen Gesandten zur Regelung
der deutschen und sonstiger europäischer Fragen die Berufung
eines Congresses der Großmächte vorgeschlagen hatte. Man-
teuffel sandte also dem Fürsten Schwarzenberg am 10. März
ein zweites Schreiben, worin er zwar sein Ultimatum vom
27. Februar in allen Stücken aufrecht hielt, zugleich aber
auch die Bereitwilligkeit Preußens zu einer solidarischen Ver-
bürgung des österreichischen Gesammtgebietes aussprach. Je
ernster, sagte er, eine europäische Verwicklung werden mag
desto fester werden wir in der engen Verbindung mit Öster-
reich beharren. Dies Wort hatte denn auch in Wien, wo
man mit gleichem Argwohn wie in Berlin auf Louis Napoleon
blickte, seine volle Wirkung. In der Antwort des Fürsten
vom 17. März war der vorherige gereizte Ton völlig ver-
schwunden, und dafür der Ausdruck lebhaftes Dankes für
den Allianzvorschlag an die Stelle getreten. Indessen bat
der Fürst, ein näheres Eingehen darauf bis zum Schlusse
der Conferenzen zu vertagen, da er immer noch nicht an
deren völlige Ergebnißlosigkeit glauben mochte. Die Corre-
spondenz zwischen beiden Ministern setzte sich dann durch
einige Wochen fort; neue Vorschläge über Parität und Exe-
cutive wurden von der einen wie von der andern Seite ge-
macht; ihr Schicksal aber war stets dasselbe; sie wurden von
Osterreich verworfen, wenn sie das preußische Interesse be-
günstigten, und umgekehrt; sie scheiterten also an derselben
Klippe, welche die Conferenz gleich in der ersten Sitzung dem
Untergange nahe gebracht hatte, der Nebenbuhlerschaft der
beiden Mächte. So lange diese nicht auf irgend eine Weise
gelöst war, gab es für Deutschland keine andere Verfassung
als den losen Staatenbund von 1815.