Heinrich des Löwen Bedrängnis. 521
hervortaten. Nur Erzbischof Wichmann fehlte. Schwere Krankheit fesselte
ihn an das Lager, von dem der Greis sich nicht wieder erheben sollte").
Wichmann starb im selben Sommer; sein Nachfolger wurde der Dechant
Ludolf, ein Bauernsohn aus Kroppenstedt bei Oschersleben, bereits im siebzigsten
Lebensjahre'“). Von dem hatten die Feinde des Löwen zunächst
keine Förderung zu erwarten. Dagegen war in ihrem Heere Bischof Dietrich
von Halberstadt erschienen, ein alter Gegner Heinrichs, dann Bischof Berno
von Hildesheim, der Nachfolger jenes Adelhog, der Abt Widukind von Korvei,
und noch viele andere geistliche und weltliche Herren, unter ihnen manche,
die dem Herzoge zu Kriegsdienst verpflichtet gewesen wären?““*). Während
diese Fürsten noch rüsteten, den Herzog von Südwesten her bedrohten und
sein Hauptheer gegen sich in Anspruch nahmen, begann schon auf der entgegengesetzten
Seite von Heinrichs Gebiet, im Nordosten, Herzog Bernhard
von Sachsen seinen Angriff. Da Graf Adolf so glückliche Fortschritte gemacht
und alles vor sich niedergeworfen hatte, hoffte auch Herzog Bernhard leicht
zu großer Macht und Ehre gelangen zu können. Er forderte also und erhielt
die Unterstützung Adolfs III. und Bernhards II. von Ratzeburg und zog mit Ende
ihnen gegen Lauenburg, das er sofort zu belagern begann. Sosicher hielt er, Febr.1)
bei der Größe seines Heeres, seinen Sieg, daß er sogar seine Gemahlin und
zahlreiche Schmucksachen und andere Gerätschaften mit sich führte. Wirklich
gelang es ihm mit der steten Beihilfe der beiden Grafen, das Kastell so eng
ein= und von der ganzen übrigen Welt abzuschließen, daß die Belagerten begannen,
an den notwendigsten Lebensmitteln Mangel zu leiden. Immer
mehr wuchs die Zuversicht der Verbündeten; obwohl Adolf III. sich nach
Hause entfernen mußte, trennte sich auch Graf Bernhard von dem Heere des
Herzogs und begann die Belagerung des nahen Kastells Barsich. Aber gerade
diese Siegesgewißheit sollte die Pläne der Verbündeten scheitern machen
Noch besaß Heinrich der Löwe in Transalbingien treue und geschickte Freunde.
Graf Helmold von Schwerin, der bei dem allgemeinen Abfalle seinen bedrängten
Oberherrn nicht verließ, und der wackere Bernhard von Wölpe
hatten ein Heer gesammelt, um den belagerten Lauenburgern entweder Entsatz
zu bringen, oder wenigstens Lebensmittel zuzuführen. Sie kamen unbemerkt
über die Elbe; und nachdem sie erst diesen Strom hinter sich hatten,
waren sie dem Herzoge Bernhard, der nur noch wenige Krieger um sich zählte,
entschieden überlegen. Außerdem setzten sie sich mit der tapferen Besatzung
der Feste in Verbindung, so daß diese gerüstet war, an dem Kampfe teilzunehmen.
Dennoch wollte der Herzog die Beute, die er schon so sicher in Händen
zuhabengeglaubthatte, nichtohne Gegenwehraufgeben, erwagtealso#eine
—-)Magdeb.
Schöppenchr. In dem MCXCI. (muß heißen MCXCII.]) iahre ward de
heerefarth uor Brunschwiek. Bischop Wichmann ward krank, de kam dar nicht.
iiipü) Friedr. Kahlmann, ESb. Ludolf v. Magdeburg (Dissert. Halle 1885).
An. Stederb., p. 225.
1) Krit. Erötr. III d.