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Eis am Morgen ein. Daher sind auch die Laubbäume jahraus, jahrein mit grünem
Laube bedeckt, und die Apfelsinen prangen stets mit duftenden Blüten und goldenen
Früchten. Schon um Weihnachten blühen Tulpen und Hyazinthen, und überall
bricht das junge Grün mächtig hervor. Die Provence ist während des Winters
vielfach von Brustkranken besucht. Von den Erzeugnissen des Landes ist besonders
das Provenceröl bekannt. Es wird aus den Früchten des Olbaums bereitet und
von den Bewohnern der Provence statt der Butter bei Zubereitung der Speisen
benutzt.
Die bedeutendste Stadt in der Provence ist Marsellle Imarßäj] (555 T.), die größte
Seehandelsstadt Frankreichs. Sie vermittelt besonders den Handel nach Alger (alschs !. Weiter
östlich liegen Tonlon (105 T.), ein Kriegshafen ersten Ranges, sowie der klimatische Kurort
Nizza (165 T.)
4. Zu Frankreich gehört auch die Insel Korsika mit der Hauptstadt Ajaccio
lajatscho) (Napoleon). — Seit 1870 ist Frankreich eine Republik. Die Bewohner
gehören der katholischen Kirche an.
Die Dyrendische Halbinlel oder Spanlen und Portugal.
(Etwas größer als Deutschland — Spanien 20 M. E., auf 1 qkm 39,
Portugal 5,4 M. E., auf 1 qkm 59.)
1. Die Landschaften der Halbinsel. Sie besteht:
a) aus der Kastilischen Hochebene. Die Kastilische Hochebene bildet den
eigentlichen Kern der Halbinsel;
b) aus drei Randgebirgen, die die Kastilische Hochebene umgeben: im N. das
Kantabrische Gebirge, im S. das Andalusische Scheidegebirge und im O.
das Iberische Gebirge;
T) aus zwei Tiefebenen, die sich an die Hochebene anlegen: im S. die Anda-
lusische, im N.-O. die Aragonische oder Ebro-Tie febene;
d) aus zwei Hochgebirgen, die diese Tiefländer begrenzen: das Küstengebirge
von Andalusien und die unwirtlichen, Länder und Völker trennenden Pyrenäen.
2. Die Kastilische Hochebene. Der größte Teil der Halbinsel wird von der
Kastilischen Hochebene ausgefüllt. Die Randgebirge nötigen die Regenwolken,
die von Norden, Süden und Westen heranziehen, ihre Wasserdämpfe als Regen
an der Seeseite der Gebirge abzusetzen. So erklärt es sich, daß auf den Hochebenen
große Dürre herrscht und kein Wald, keine Wiese das Auge erfreut. Im Innern
der Hochebene sieht man unermeßliche, baumlose Steppen, die nur mit Disteln,
harten Gräsern und allerlei Gebüsch bewachsen sind. Ehedem war's besser. Seitdem
man aber die Berge vielfach entwaldet hat, ist manches rieselnde Bächlein ver-
schwunden. An 1500 Ortschaften, die hier ehemals blühten, stehen jetzt größtenteils
öde und verlassen da. Meistens sind die Steppen herrenlos und werden als Weide-
plätze für die Merinoschafherden benutzt. Solche Herden bestehen nicht selten aus
30—40 Schafen und werden von einem Oberhirten und vielen Unterhirten
geleitet. Während der Nacht werden die einzelnen Herden mit Netzen umhürdet
und von Hunden gegen die Wölfe geschützt. — Hier in Kastilien lebt der echte Spanier,
dessen Stolz sprichwörtlich geworden ist. In seinen Adern fließt heißes Blut. Im