fähigt war, in jener Zeit Deutschland durch die Kriegsgefahren hindurch-
zuführen. Er ıst auch der einzige gewesen, der die Politik Großbritanniens
und deren Wesen immer richtig beurteilt hat.
Ob Wilhelm II. den Sinn und Zweck des Flottenbaues jemals vollkommen
erfaßt hat, muß man nach seinem Verhalten bezweifeln; man kann ihm
außerdem den Vorwurf nicht ersparen, daß er wohl alles, was möglich war,
getan hat, um die bauliche Durchführung des Flottenplanes der ganzen Welt
gegenüber zu plakatieren: als das Mittel des Deutschen Kaisers,
um einst die Meere und damit die Welt zu beherrschen. Die
Reden des Kaisers, sofern es sich um Weltpolitik und Seemacht usw. han-
delte, wurden, wie selbstverständlich war, vom gesamten Auslande mit allen
Mitteln der Propaganda ausgenutzt, um diesen friedfertigsten aller Herr-
scher als künftigen Dschingiskan den Völkern vorzuführen.
Um vieles verständlich zu machen, was für die jüngeren Generationen
sonst kaum verständlich wäre, ist nötig, an einigen Aussprüchen und Reden
des Kaisers den Leser in die Atmosphäre jener Periode in Deutschland
hineinzuführen,
Es begann mit dem Schlagwort des Kaisers: ‚Weltpolitik!‘
Freilich war es nicht Wilhelm II., der dieses Wort geprägt hatte. Zuerst
hat Bismarck es gebraucht, und zwar zur Bezeichnung der verschiedenen
Phasen seiner Politik: zuerst habe er preußische Politik treiben müssen (um
Preußen zur Vorherrschaft in Deutschland zu bringen); dann deutsche Poli-
tik (um sämtliche deutschen Staaten unter Preußens Vorherrschaft zum
Deutschen Reiche zusammenzuschließen). Seitdem habe er Weltpolitik zu
treiben, nämlich die einer Großmacht, die — weil sie eben Großmacht ist —
überall in der Welt ihre Gefahren und ihre Interessen hat und diesen dauernd
Rechnung tragen muß.
Das war eine einfache tatsächliche und ganz klare politische Feststellung.
Weder Engländer noch Franzosen, noch Russen haben sich darüber auf-
geregt oder versucht, eine antideutsche Propaganda daraus zu machen.
Wilhelm II. dagegen gab dem Worte Weltpolitik einen neuen Sinn: Er er-
klärte, bisher habe Deutschland in den Kinderschuhen gesteckt, jetzt trete
esin das Jünglingsalter ein und sei ein Weltreich geworden. Die Aufgabe sei
dementsprechend eine andere geworden: ‚Überall in fernen Teilen der Erde
wohnen Tausende unserer Landsleute. Deutsche Güter, deutsches Wissen,
deutsche Betriebsamkeit gehen über den Ozean. Nach Tausenden von Mil-
lionen beziffern sich die Werte, die Deutschland auf der See fahren hat. An
Sie, meine Herren, tritt die ernste Pflicht heran, mir zu helfen, dieses größere
Deutsche Reich auch fest an unser heimisches zu gliedern.‘ — Dazu müsse
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