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den Kaiser, wie Greuter glaubt, sehr gegen seinen Willen und seine
Ueberzeugung, zur Nachgiebigkeit gegen sein liberales Ministerium
gezwungen. Wenn es aber auch je wieder zu voller Geltung
kommen könnte, so würde die kaiserliche Regierung doch nicht den
Nutzen davon ziehen, den einst Schwarzenberg gehofft hatte, denn
seitdem der Nationalitätenkampf in allen Kronländern entbrannt
ist, weicht das religiöse Interesse dem nationalen. Der ungarische
Katholik ist eher Ungar als Katholik. In Böhmen verbindet sich
sogar der Ultramontane mit dem Husiten, wenn es gilt, czechisches
Nationalinteresse gegen die deutsche Regierung in Wien zu
verfechten.
Indem wir diesen Wirren in Oesterreich nachdenken, werden
unsere Blicke unwillkürlich nach Rom hingelenkt. Auch in Rom
ist alles ungewiß und gerade je höher dort die Infallibilität ihr
Banner hebt und je stolzer es entfaltet, um so wahrscheinlicher
wird der Wind es ergreifen und umwerfen. Denn es ist kein
Baum, der einwurzeln könnte. Das Concil ist überhaupt nicht
zusammengekommen in einer rein kirchlichen Angelegenheit, die
irgend pressirt hätte oder an der Zeit gewesen wäre. Es hat
nur, wie alle frühern Concile zu allen Zeiten, politische Motive
gehabt. Die Kirche war nicht der Zweck, sondern nur das Mittel.
Die vulgäre Meinung des protestantischen und liberalen Publikums,
von der die Tagespresse überfließt, geht dahin, daß die
Berufung des Concils ein Werk der Jesuiten, eine exorbitante
Anmaßung des Ultromontanismus sey, wie denn von jeher die
zeitunglesenden Philister die Abhängigkeit des Papstthums von
der Politik der weltlichen Großmächte mißkannt, sich immer eingebildet
haben und heute noch einbilden, man habe in Rom
immer nur eine allmächtige Hierarchie im Sinne gehabt und sey
von Herrschgier trunken gewesen, während die armen Päpste sich
immer haben nach der Decke strecken müssen, die ihnen von der
weltlichen Politik übergeworfen wurde. Daß die Gregore und