112 25. Die Anfänge der Ludwig-Maximilians-Universität in Ingolstadt.
daß die in dieses Stift aufgenommenen Studenten zuerst ein paar Jahre
Philosophie, hernach Theologie studieren sollten; doch gingen sie keine bindende
Verpflichtung ein wirklich Theologen zu werden. Die Stiftung war anfangs
für einen Magister als Regens und 11 Studenten berechnet und 11 bayerische
Städte hatten das Recht je einen Studenten für einen solchen Freiplatz
in Vorschlag zu bringen. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte vermehrten
sich die Mittel dieser Stiftung durch freiwillige Geschenke sehr ansehnlich und
sie wurde schließlich zu einem heute noch bestehenden Priesterseminar, dessen
schöne, geräumige Baulichkeiten zu München dem gegenwärtigen Universitätsgebäude
gegenüber in der Ludwigsstraße stehen.
Nachdem die erste Generation der Ingolstädter Professoren im Grabe
Ruhe von ihrer Lehrtätigkeit gefunden, zeichnete sich unter den Nachfolgern
besonders Johann v. Eck aus, welcher 1510 von Freiburg nach Ingolstadt
übersiedelte, um durch eine Reihe von Jahren als geistige Macht zu dominieren;
als anregender Theologe wirkte er hier bis zu seinem Tode (1543); auch der
später als Historiker berühmt gewordene Wigulejus Hund lehrte an der Juristenfakultät
drei Jahre (1537—1540). Als Mathematiker wirkte einer der hervorragendsten
Gelehrten seiner Zeit, Petrus Apianus, von 1527—1552, fruchtbar
als Lehrer wie als Forscher. Erbitterte Streitigkeiten innerhalb des Schoßes
der Artistenfakultät störten am Anfange des Jahrhunderts den Frieden unter
den Ingolstädter Gelehrten. In welchem Tone dazumal Gelehrte gegeneinander
schrieben, mag aus einer Streitschrift des nach Freiburg abgegangenen Ingolstädter
Professors Jakob Locher, genannt Philomusus, wider seinen vormaligen
Kollegen Zingl hervorgehen. In dieser Streitschrift nannte Locher den Zingl
„Versipellem acheronticum atque delirium senem, colubrem venenatissimum,
viperam stridentem, cornutam et vitatam bestiam, Ccrimen saeculi“.
Übrigens ward Locher, ein geistreicher und anregender Philologe und lateinischer
Dichter, nachträglich wieder nach Ingolstadt zurückberufen, wo er als beliebter
Lehrer und hochgeachteter philologischer Schriftsteller bis 1528 wirkte.
Auch der Geschichtschreiber Johannes Turmair, genannt Aventinus,
Erzieher der herzoglichen Prinzen Ludwig und Ernst, der jüngeren
Brüder Herzog Wilhelms IV., hielt eine zeitlang (1507) Vorlesungen zu
Ingolstadt und gründete daselbst unter Mitwirkung seines fürstlichen Zöglings,
des Prinzen Ernst, auch eine gelehrte Gesellschaft, die „societas literaria
Angilostadensis“, deren Protektorat zuerst Herzog Ernst und später der
berühmte bayerische Kanzler Leonhard von Eck übernahm. Einen unvergänglicheren
Namen freilich verschaffte sich Aventin durch seine historischen Werke,
die Annalen („Annales Boiorum“ 1521) und die deutsche Bearbeitung derselben,
die „Bayerische Chronik“ (1533), beide im Auftrag seiner Gönner, der
Herzoge Wilhelm und Ludwig, entstanden. Obgleich er nicht förmlich als
Professor angestellt war, erscheint seine Einwirkung auf die Ingolstädter
Universität als eine sehr glückliche.