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Bourgeois vom reinsten Wasser, — selbst im Aeußeren — ein
feines Gefühl und Verständniß für Bourgeois-Interessen hat.
Herr Camphausen war lange Jahre, ehe er Minister wurde,
Aufsichtsrath, Vorstandsmitglied und Direktor von verschiedenen
Eisenbahn-, Industrie= und Bank-Unternehmungen, und hat sich
in diesen Stellungen ein sehr schönes Vermögen erworben. Er
ilt als der erste Gourmand (Feinschmecker) der Residenz, und
höle so exquisite Weine, daß sie der kaiserliche Keller nicht besser
aufweist. Davon wissen liberale Abgeordnete viel zu erzählen,
die an seinem Tisch zusammenkommen, um sich mit ihm über
die Lasten der Staatsgeschäfte und die schwere Kunst des Regierens
zu unterhalten.
Kein Wunder, daß ein solcher Mann stets die Welt von
der rosigen Seite sieht und darnach spricht und seine Maßnahmen
trifft. — So geschah es auch in der Sitzung vom 20. November
1875, wo er bereits einen Ueberfluß an flüssigen Kapitalien vorhanden
sah (die nur leider für die nicht vorhanden sind, die sie
am nöthigsten brauchten) und die Herabsetzung des Bankdiskontos
befürwortete. Nach ihm sollte die wirthschaftliche Entwickelun
in naher Zukunft (wie nahe sich diese Herr Camphausen wohl
vorstellen mochtet) eine bessere Wendung nehmen. Er erklärte
allerdings gleich darauf selbst, möglicher Weise als ein „salscher
Prophet“ zu erscheinen, — was er auch, und zwar recht sehr,
geworden ist, — aber es halte ihn dies nicht ab, seine Ansicht
darzulegen.
Bei solchen Stimmungen und Ansichten in der Regierung
und der Volksvertretung ist es ganz natürlich, daß man auf dem
betretenen Wege beharrt, und erst dann zur Einsicht kommt. —
wenn es zu spät ist.
So werden dem Volke fortgesetzt die gewaltigsten Opfer
zugemuthet für Dinge, die nur zu seinem Unheil dienen, während
seine materiellen und intellektuellen Interessen die größte Nothleiden,
und kaum die dürftigsten Summen dazu vorhanden sind.
An die Ausführung eines ausgedehnten Kanal= und Bewässerungs-Systems
zu gehen, das eine totale Umgestaltung und Verbesserung
unserer Vozbndertbktnis, des Klimas und des Transports zur
Folge haben müßte, daran kann der Staat nicht denken. Eine
Boden-Melioration über das ganze Land, mit nach streng wissenschaftlichen
Grundsätzen vorgenommener Be= und Entwaldung
herbeizuführen, wo das Eine oder Andere nothwendig sein sollte,
dazu fehlen ihm nicht blos die Mittel, dazu fühlt er auch keinen
Beruf, weil dies ja ein Eingriff in die geheiligten Rechte der
Grundbesitzer, namentlich der Großgrundbesitzer, — und deren
Interessen sind maßgebend — wäre. — Statt durch eine großartige
Organisation von ländlichen und industriellen Fachschulen
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