946 Schwaben u. Neunburg.
nicht bloß als Berichterstatter, sondern auch als Freund des neuen Religionswesens
zurückgekehrt war. Der Unterricht umfaßte die Humaniora und wurde,
wie es scheint, in drei Classen gelehrt. Schon nach drei Jahren folgte aber
Geldenhauer einem Rufe als Professor der Geschichte nach Marburg. Die
Stadt bestellte nun zunächst ein Scholarchat (zuerst aus W. Rehlingen und
Hoser bestehend, dann durch Prediger Wohlfahrt, Rechtsgelehrten Held
und Arzt Seyler verstärkt); als Rector wurde aber ein geborner Augsburger
berufen, der Weberssohn Kystus Birk (Betulejus), ein Schüler der Domschule,
der seine Studien, zum Theil als Langenmantel'scher Stipendiat, in
Erfurt, Tübingen und Basel fortgesetzt hatte und zuletzt daselbst als Rector
des Alumnats wirkte. Unter Birk und seinen Collegen nahm die Anstalt,
für welche durch öffentliche Redeacte auch das allgemeine Interesse angeregt
wurde, einen raschen Aufschwung. Das Gymnasium zählte (i. J. 1552) 135
Schüler, und die der obern Classe (29) konnten die schwersten römischen und
griechischen Schriftsteller erklären. Allein fortwährende Kränklichkeit Birks
brachte manche Störungen und auf dessen Antrag berief man 1553 einen
neuen Primarius in der Person des lateinischen Präceptors Matth. Schenk
zu Constanz mit einem Gehalt von 150 fl. und dem dritten Theil der Quatembergelder.
Schenk fand, daß man über dem Erklären schwieriger Classiker
allzusehr die Grammatik vernachlässigt habe und verlangte deßhalb eine strengere
Prüfung bei Aufnahme der Schüler, welche von der 1545 gegründeten städtischen
Vorbereitungsschule von St. Martin herübergenommen wurden. Auch
über häufigen Wechsel der Präceptoren wurde geklagt, denn dieß veranlasse
die Eltern, ihre Söhne in Privat= oder Winkelschulen zu schicken. Endlich
sei zu bedauern, daß wegen des religiösen Zwiespalts keinem Prediger mehr
die Mitaufsicht übertragen werde, was die Folge habe, daß diese die Schule
nicht von der Kanzel empfehlen. Das Scholarchat fand die (in einer Denkschrift
von 1555 entwickelten) Klagen nicht ungegründet und berief 1557 den
Fugger'schen Bibliothekar Hieronymus Wolf, )der sich bereits als ausgezeichneter
Kenner der griechischen Sprache einen Ruf erworben hatte, mit
dem Auftrag, die Schule neu zu organisiren. Wolf vermehrte die bisherigen
vier Classen um eine, und errichtete überdieß ein „Auditorium-, worin er
akademische Vorträge hielt. Statt der Melanchthonschen Lehrbücher wurde die
Grammatik des Rivius eingeführt. Mit der griechischen Sprache sollte erft
in der 3. Classe begonnen, im Uebrigen mehr Gewicht auf das Lateinische
gelegt werden. Diese Einrichtung trat 1558 ins Leben; im nächsten Jahre
kamen als neue Lehrgegenstände noch Musik und Schönschreibekunst hinzu.
Schenk unterstützte die Reformen Wolfs aufs thätigste, während die übrigen
Lehrer mehrfach ihnen widerstrebten. Um sie besser zu stimmen, drang er
auf höhere Besoldung derselben, wogegen sie sich zu wenigstens sechsjähriger
) Vgl. Dr. G. Casp. Mezger, Memoria Hieronymi Wolfii, Aug. V. 18672.