Full text : Entwickelung und Stand des höheren Mädchenschulwesens in Deutschland.

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wert  ist  auch  das  von  Stettensche  Töchtererziehungsinstitut
in  Augsburg.  Nach  dem  Willen  der  Stifterin,  Anna  Barbara
von  Stetten,  hatte  es  vorzüglich  den  Zweck,  einer  frühverwaisten
  Jugend  den  Verlust  der  elterlichen  Liebe  und
Pflege  zu  ersetzen.  --  In  Augsburg,  Nürnberg  und  Ansbach
wurden  durch  die  Initiative  Stephanis  höhere  Mädchenschulen
geschaffen  oder  neu  organisiert.

In  Bayern  finden  wir  vielfach  die  Einrichtung,  dafs  die
höheren  Mädchenschulen  nicht  organisch  mit  den  Elementarklassen
  verbunden  sind,  sondern  sich  auf  der  Volksschule
aufbauen.  In  München  ist  dieses  System  ganz  streng  durchgeführt.
  Die  höhere  Mädchenschule  zu  München  nimmt  ihre
Schülerinnen  nicht  vor  dem  zehnten  (und  nicht  nach  dem
zwölften)  Lebensjahre  in  ihre  unterste  Klasse  auf.  Die  ersten
drei  Jahre  werden  sämtliche  Kinder  in  der  Volksschule  unterrichtet.
  Die  Volksschule  unfalst  das  Alter  von  sechs  bis
dreizehn  Jahren  und  ist  für  alle  Kinder  ohne  Ausnahme  unentgeltlich.
  Die  ersten  vier  Schuljahre  muls  jedes  Kind
durchmachen  (in  ganz  vereinzelten  Fällen  wird  der  Volksschulunterricht
  durch  Privatunterricht  ersetzt;  dies  bedarf
aber  der  Genehmigung  der  Lokalschulkommission).  Die
Töchter  der  sogenannten  höheren  Stände  treten  nach  dem
vierten  oder  fünften  Schuljahr  in  der  Regel  in  ein  Privatinstitut
  oder  in  eine  öffentliche  höhere  Mädchenschule  ein.

Die  gleiche  Einrichtung  finden  wir  in  einer  Anzahl
anderer  Städte.  Anderswo  sind  wieder  die  höheren  Mädchenschulen
  organisch  mit  Elementarklassen  verbunden,  so  z.  B.
in  Nürnberg,  Erlangen  und  in  vielen  klösterlichen  Anstalten.

Als  Muster  eines  Lehrprogramms  für  die  höhere  weibliche
  Bildung  in  Bayern,  in  dessen  Rahmen  sich  mit  mehr
oder  weniger  Einschränkung  des  Unterrichtsstoffes  die  meisten
der  gleiche  Zwecke  verfolgenden  weiblichen  Erziehungsanstalten
  bewegen,  kann  das  der  städtischen  höheren  Töchterschule
  in  München  gelten.  Die  Schule  umfalst  sechs  Klassen
(vom  fünften  bis  zum  zehnten  Schuljahr).  Die  Aufnahme
einer  Schülerin  ist  aulser  durch  ein  bestimmtes  Alter  auch
durch  eine  Prüfung  bedingt,  bei  welcher  der  in  der  IV.  Klasse