Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1874. (8)

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rüste  und  an  der  italienischen  Grenze  erscheine,  um  eine  Teilung
der  französisch-schweizerischen  Heeresmacht  zu  erzwingen.  Für
die  deutschen  Dinge  hatte  Karl  so  wenig  Zeit  übrig,  dafs  er  einen
erzherzoglichen  Gesandten,  welcher  mit  wichtigen  Aufträgen  im
Dezember  am  kaiserlichen  Hoflager  erschien,  nicht  einmal  vollständig
  anhören  konnte!).

Unter  diesen  Umständen  blieb  das  Gesuch  des  Regiments
zunächst  unberücksichtigt.  Jedenfalls  würde  jetzt  auch  die  Ansetzung
  eines  Reichstages  zu  spät  gekommen  sein,  um  die  bis  zum
Siedepunkt  erhitzten  Gemüter  in  Deutschland  abzukühlen:  mit
elementarer  Gewalt  erhob  sich  der  Aufstand  der  unteren  Klassen,
in  kurzem  stand  halb  Deutschland  in  Flammen.  Die  oberste  Reichsbehörde
  that,  was  in  ıhren  Kräften  stand,  um  den  verheerenden
Brand  zu  löschen:  sie  berief  im  März  laut  der  Wormser  Ordnung
von  1521  die  achtzehn  Fürsten  zu  sich  nach  Efslingen.?2)  Freilich
erwartete  das  Regiment  selbst  keinen  grofsen  Erfolg  von  diesem
Schritt,  der  doch  alles  war,  was  in  seiner  Macht  stand  aus  eigener
Initiative  zu  thun.?)  Gleichzeitig  aber  drang  es  bei  dem  Kaiser
abermals  auf  die  schleunige  Berufung  eines  Reichstages,  um  der
Unordnung  zu  steuern,  für  welche  es  mit  gutem  Grunde  Karl  selbst
verantwortlich  machte.)  Da  man  weder  einen  Reichstag  noch
ein  Konzil  in  Kürze  zu  erwarten  gehabt,  führt  es  aus,  so  hätten
seither  etliche  Stände  selbst  zur  Abwendung  ihrer  Beschwerden

ı)  Kaiserliches  Schreiben  an  Ferdinand  aus  Madrid  vom  16.  Dez.  1524
in  Brüssel,  Arch.  du  royaume,  Lettres  de  Ch.  V  &  F.  1523—29.  Es  war  der
Herr  von  Bredam,  dessen  Instruktion  oben  angeführt  wurde.

?)  Ausschreiben  vom  24.  März  1525,  u.  a.  in  den  Archiven  zu  Dresden,
München,  Köln,  Magdeburg,  Düsseldorf;  auch  schon  im  Schreiben  des
Regiments  an  den  Kaiser  vom  9.  März  (s..u.)  erwähnt.

3)  In  dem  S.23  erwähnten  Gutachten  an  den  Erzherzog  erklärt  sich  das
Regiment  selbst  wider  den  Achtzehnfürstentag;  man  wisse  nicht,  ob  auch  nur
der  gröfsere  Teil  der  Geladenen  erscheinen  werde;  überdies  sei  es  kaum  viel
umständlicher,  die  gesamten  Reichsglieder  zusammenzurufen  als  die  18  Fürsten.
Dem  Kaiser  schreibt  das  Regiment  dann  am  9.  März:  es  habe  sich  zum
Achtzehnfürstentag  entschlossen,  wobei  es  freilich  eingedenk  sei,  dafs  die
18  Fürsten  auf  des  vorigen  Regiments  Erfordern  nie  zusammengekommen
seien.

*)  Ausführliches  Schreiben  des  Regiments  an  den  Kaiser  vom  9.  März
1525.  Abschrift  in  Wien,  Reichssachen.  Nebst  Begleitschreiben  an  den  Erzherzog
  vom  10.  März,  s.  u.