Bilder aus der letzten Kaiserzeit.
kommen eines Ausgleichs mit England, für den sich ja in lehter Zeit auf
beiden Seiten des Kanals manche Stimmen erhoben haben. Unter der
Voraussetzung, daß die Marokkofrage gelöst und daher nicht mehr imstande
sein würde, die deutsch-englischen Beziehungen ungünstig zu beeinflussen,
scheint mir aber die Erzielung eines Einvernehmens mit England,
wenigstens solange die liberale Regierung am ARuder ist, kroß der
großen augenfälligen Schwierigkeiten, die einem solchen entgegenstehen,
nichl außerhalb der Grenzen des Erreichbaren zu liegen. Gerade die
englischen Besorgnisse vor der Entwichlung unserer Flokte bin ich geneigk,
so paradox das klingen mag, als einen Umstand anzusehen, der das Zustandekommen
einer Verständigung ganz wesentlich zu erleichtern geeignet
ist. Die geradezu panische Angst, mit der ganz England das Anwachsen
der deutschen Streitkräste zur See beobachtek, die schweren finanziellen
Lasten, die ihm der Grundsatz auferlegt, steks doppelt so stark gerüstet zu
sein, wie wir, die großen Verlegenheiten, die ihm bezüglich seiner Weltstellung
die Notwendigbeit bereitet, beinahe seiner gesamten Streitkräfte in
der Nordsee zu immobilisieren — alles das sind Momente, die mir zu erweisen
scheinen, ein wie wertvolles Atout wir in unserer Flottenpolitik
England gegenüber in der Hand haben. Der enthuslastische Empfang, der
der amerikanischen Flotke in den füngsten Tagen in Australlen zutell
geworden und dessen demonstrativer Charakter auch hier nicht verkannt
worden ist, dürfte es manchem denkenden englischen Politiker zum Bewußtsein
gebracht haben, wieviel nühlicher es für das englische Imperium
wäre, wenn die englischen Schlachtschiffe an Ort und Stelle den australischen
Brüdern den Wert und die Größe des vom Muttkerlande zu erwartenden
Schutzes demonstrieren könnten, anstatt, des hopokhetischen deutschen Angriffs
gewärtig, in England im Hafen zu liegen. Es entzieht sich meiner
Beurteilung, ob und in welcher Form es uns vielleicht einmal möglich sein
würde, England von seinen Besorgnissen vor der Beeinträchtigung seiner
Suprematlie zur See durch Deutschland in übereugender Weise zu befreien.
Sollke der Fall aber eintreten, so dürfte dies meines gehorsamsten
Dafürhaltens nicht geschehen ohne vollwertige Gegenlelstung von englischer
Seite. Eine Vereinbarung, wie sie zurzeit hiesigen Politikern vorschwebt,
und die sich lediglich auf die beiderseils zu beobachtende Flottenpolikik zu
erstrecken hätte, würde meines Erachtens schon aus dem Grunde nicht in
Frage kommen können, weil sie der vorteilhaften Lage, in der wir uns
England gegenüber besinden, nicht genügend Rechnung kragen würde. Es
würde vielmehr ein eventuelles Abkommen mit England auf eine möglichst
breite Basis zu stellen sein, um auf anderen Gebleten Kompensationen für
die Preisgabe der Vorzugsstellung zu erlangen, die wir gegenüber den
englischen Flottennöten haben. Das russisch-englische Abkommen über
Zenkralasten, das England von der sekularen Sorge vor einem russischen
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