Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

rath,  doch  nahmen  außerordentlicher  Weise  nicht  selten  die  ältesten  Generale  und
auch  wohl  andere  Militärpersonen,  wenn  sie  besonders  dazu  berufen  wurden,
namentlich  vor  Ausbruch  eines  Krieges,  an  den  Berathungen  Theil.

Die  auswärtigen  Angelegenheiten  machte  Friedrich  Wilhelm  in  seinem  Kabinette
  ab,  wo  er  persönlich  mit  den  Gesandten  verhandelte,  oder  im  Fall  es  ihm
gelegener  war,  seinen  vertrauten  Diener,  Otto  von  Schwerin,  mit  ihnen  unterhandeln
  ließ.  Auf  diplomatischem  Gebiet  war  er  nicht  minder  geschickt  als  im
Felde,  und  wußte,  wie  hier  seine  Märsche  und  Anordnungen,  dort  seine  Gedanken
und  Pläne  mit  Schlauheit  zu  verdecken,  was  er  als  die  hauptsächlichste  Kunst
bei  diplomatischen  Unterhandlungen  ansah.  Er  selbst  äußerte  einmal,  als  der
kaiserliche  Gesandte  ihn  verließ:  „Der  Herr  ist  so  klug  von  mir  gegangen,  als
er  zu  mir  gekommen  ist.“

Die  Unterhandlungen  mit  fremden  Mächten  wurden  dem  damaligen  Gebrauch
  gemäß  in  lateinischer,  mitunter  auch  in  deutscher  Sprache  geführt;  sogar
in  dem  Verkehre  mit  Ludwig  XIV.  schrieb  man  nicht  immer  französisch,  mitunter
  lateinisch,  worüber  sich  der  König  von  Frankreich  sowohl  als  Karl  UI.,
weil  beide  die  Sprache  nicht  verstanden,  oft  ungehalten  äußerten.  Die  kurfürstlichen
  Gesandten  berichteten  nicht  ihrem  Herrn  allein,  sondern  auch  an  den  Oberpräsidenten
  von  Schwerin,  und  dem  Letzteren  nicht  selten  ausführlicher,  an  den
Kurfürsten  meistens  deutsch,  an  Letzteren  lateinisch  oder  französisch.

Meistentheils  waren  Friedrich  Wilhelms  Gesandten  an  den  europäischen
Höfen  Geheimräthe;  Personen  höheren  Ranges  wurden  der  Ersparung  wegen  nur
bei  ganz  außerordentlichen  Gelegenheiten  abgeordnet.  Der  Gehalt  der  kurfürstlichen
  Residenten  war  stets  nach  den  Verhältnissen  des  Orts  ihrer  Sendungen
genau  abgemessen,  und  nach  Maßgabe  unserer  Vorstellungen  äußerst  gering.  So
erhielten  drei  brandenburgische  Gesandten  in  Frankfurt  zusammen  eine  Zeit  lang
monatlich  nur  120  Thaler;  der  erste  von  ihnen,  Jena,  funfzig,  derselbe  in  Wien
hundert;  ebensoviel  Hoverbeck  in  Warschau,  dagegen  Brand  in  Paris  jährlich  nur
tausend.  London  scheint  schon  damals  der  theuerste  Aufenthalt  von  allen  europäischen
  Residenzen  gewesen  zu  sein,  denn  dem  Grafen  Otto  von  Schwerin  waren
anfänglich  für  den  Monat  150,  später,  weil  er  damit  nicht  auskam,  300,  zuletzt
sogar  500  Thaler  angewiesen.  Selbst  diese  verhältnißmäßig  geringen  Ausgaben
waren  bisweilen  nur  mit  Mühe  zu  beschaffen.

In  Bezug  auf  die  Leitung  der  inneren  Angelegenheiten  verfiel  der  große
Kurfürst  anfangs  in  den  Fehler  aller  jungen  Regenten  von  Kraft  und  Geist,
nämlich  alle  Dinge  persönlich  zu  prüfen,  und  selbstständig  entscheiden  zu  wollen.
Durch  die  Praxis  belehrt,  daß  dies  bei  den  größten  Gaben  und  der  angestrengtesten
  Thätigkeit  nicht  möglich  sei,  ernannte  er  1658  den  Geheimrath  Otto  von
Schwerin  unter  dem  Titel  eines  Oberpräsidenten  zu  seinem  Stellvertreter.
In  seiner  Bestallung  heißt  es  unter  Anderem:  „Da  wir  von  langer  Zeit  her
nicht  mit  wenigem  unserm  Schaden  wahrgenommen,  daß  in  Mangelung
eines  gewissen  Direktors  und  den  davon  abhängenden  guten  Ordnungen  sowohl