thumbs : Kriegführung und Politik.

Verhalten  der  Politik.  219

nicht  stellenweise  erschüttert  gewesen  wären.  Die  Angriffserfolge
hatten  an  einigen,  und  zwar  entscheidenden  Stellen  dadurch  ge—
litten.  Hierüber  zu  schreiben  möchte  ich  anderen  überlassen.  Der
Abriß  würde  unvollständig  sein,  wenn  ich  nicht  auf  diese  überaus
ernste  Folge  des  Nachlassens  der  Mannszucht  für  unser  Geschick
hingewiesen  haben  würde.

Um  aus  den  erhofften  Erfolgen  des  Angriffs  im  Westen  politische
  Erfolge  zu  erzielen,  hatte  sich  die  O.  H.  L.  an  den  Reichskanzler
  schon  frühzeitig  mit  ganz  bestimmten  und  ausführlichen
Vorschlägen  zur  Einleitung  einer  „Friedensoffensive“  gewandt,
ohne  aber  irgend  eine  Unterstützung  zu  finden.  Es  fehlte  also  in
den  entscheidenden  Augenblicken  jedes  auf  Sieg  gerichtete  Zusammenarbeiten
  zwischen  Kriegführung  und  Politik.  Die  Friedensregungen
  bei  den  Völkern  der  Entente,  die  infolge  unserer  Siege
sich  fühlbar  machten,  wurden  nicht  verstärkt.

Beim  Feinde  sehen  wir  ein  durchgreifendes  Handeln  der  Staatsmänner,
  um  die  Einheitlichkeit  des  militärischen  Oberbefehls  an  der
Westfront  und  ein  schnelles  Eintreffen  der  Truppen  der  Vereinigten
Staaten  zu  sichern  und  den  Volksgeist  trotz  der  Schwere  der  Niederlage
  aufrechtzuerhalten.  Daß  ihnen  der  Hinweis  auf  die  Hilfe  der
Amerikaner,  die  in  gedrängter  Folge  eintrafen,  die  Aufgabe  erleichterte,
  ist  gewiß.  Wir  nehmen  aber  auch  wahr,  wie  gleichzeitig
  die  feindliche  Propaganda  gegen  unsere  Front  sich  verstärkte.


Der  Volksgeist  und  die  Stimmung  der  Heimat  hatten  sich  nicht
gehoben.  Sie  hatten  sich  im  Gegenteil  verschlechtert  unter  der  Einwirkung
  der  immer  kräftigeren  Propaganda  der  Unabhängigen
Sozialdemökratie  und  des  pazifistischen,  defaitistischen  Denkens,
das,  von  der  Demokratie  und  Sozialdemokratie  verbreitet,  immer
weiter  um  sich  griff.  Die  Heimat  lehnte  sich  immer  mehr  gegen  den
Kriegsgedanken  auf.

Der  Angriff  am  15.  Juli  wird  —  da  er  erfolglos  war  —  überwiegend
  verurteilt,  und  damit  kurzerhand  die  gesamte  Kriegführung
  der  Dritten  O.  H.  L.,  auch  die  als  Oberbefehlshaber  im
Osten,  bis  zurück  auf  Tannenberg.