Full text : Die Freiheit.

Weltanschauung  —  in  der  Schrift  über  die  Freiheit  wie  in
seinem  späteren  Werke  Utilitarianism  -  und  hilft  sich  endlich,
indem  er  den  rein  materialistischen  Gedanken  Benthams
einen  idealen  Sinn  unterschiebt,  der  sie  dem  deutschen  Wesen
nahe  bringt.  An  der  Hand  des  Apostels  deutscher  Humanität
gelangt  er  dazu,  das  nordamerikanische  Staatsleben  zu  preisen,
  welches  von  der  schönen  Menschlichkeit  des  deutschhellenischen
  Klassizismus  wenig  oder  gar  nichts  aufzuweisen
hat.  Laboulaye  dagegen  zählt  zu  jener  kleinen  Schule  einsichtiger
  Liberaler,  welche  in  der  Zentralisation  Frankreichs  die
Schwäche  ihres  Vaterlandes  erkennt  und  die  Keime  germanischer
  Gesittung,  die  dort  unter  dem  keltisch-romanischen
Wesen  schlummern,  wieder  zu  erwecken  trachtet.  Mehr  kühn
als  gründlich  springt  der  geistreiche  Mann  mit  den  historischen
Tatsachen  um;  er  meint  kurzweg,  erst  das  Christentum  habe
den  Wert  und  die  Würde  der  Person  erkannt.  Nun  muß
unser  herrlicher  Heide  Humboldtdurchauseinchristlicher  Philosoph
  sein,  nun  muß  im  neunzehnten  Jahrhundert  das  Zeitalter
  nahen,  da  die  Ideen  des  Ehristentums  sich  vollständig
verwirklichen  und  das  Individuum  herrschen  wird,  nicht  der
Staat.  Der  Franzose  wird  unter  zahlreichen  Lesern  nur  eine
kleine  Gemeinde  von  Gläubigen  sinden.  Mills  Buch  dagegen
ist  von  seinen  Landsleuten  mit  dem  höchsten  Beifall  aufgenommen
  worden.  Man  hat  es  das  Evangelium  des  neunzehnten
  Jahrhunderts  genannt.  In  der  Tat  schlagen  beide
Schriften  Töne  an,  welche  in  der  Brust  jedes  modernen
Menschen  mächtigen  Widerhall  finden;  darum  ist  lehrreich,
zu  prüfen,  ob  sie  wirklich  die  Grundsätze  echter  Freiheit  predigen.


Haben  wir  auch  gelernt,  die  Worte  des  griechischen  Philosophen
tieser  zu  begründen  und  ihnen  einen  reicheren  Inhalt  zu  geben,

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