Volltext : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

 

 

 

 

 

 

  

    
       
  

 

 

 

 

 

Uummer  13  —□—.—  Donnex-tag,  20.  Januar  1818
hohe  Greisenalter  hinauf  notwendig  sein  wird.
Die  montenegrinischen  Frauen  haben  sowohl  —  *
als  Tombattanten  wie  i  gangen  Etanendienst  OiokxtunqL  ondon  u%
am  Krieg  teilgenommen.  Allerdings  hat  König  -  .»»»  r  Colcherfe
Nikita  on  *  längerer  Zeit  die  Auszahlung  #egerien  .„  T  en  —  r  #
der  Löhne  eingestellt,  worauf  viele  Frauen  nach  *.  errtrant  —.  o
der  Heimat  zurückkehrten,  wohin  ihnen  auf  zeit-  «  »»,,-·,-,«,  ,.«.»W
weisen  Urlaub  die  Familienwäter  folgten,  um  Albenden
  Unterhalt  ihrer  Familien  wenigstens  für  rt  „„;  Ctelssford  4%
einige  Zeit  sicherzustellen.  27  "  orr  %%  —  ————  —
ausnahmslos  in  den  einzelnen  Ortschaften  s  .  „  -  ..
lassen.  Zur  bedingungslosen  Wassenstredung  ge-  LONUONR  -=  *
hört  auch  die  Uebergabe  sämtlicher  Städte  und  enänt  .  —es  —  7
Ortschaften  und  die  Uebergabe  aller  Verkehrs-  4b.  -  4  #——  *
mittel,  namentlich  der  Eisenbahnen.  u—  !*  Q  5  8  lec  —  -.-Cetinie.
  *  se  *  8.  7
X  A  ond  9  2  *f  E
Berlin,  18.  Jan.  Der  Sonderberichterstat-  e  4  —————  Wi.  ,  s
ter  des  „Berliner  Lokal-Anzeigers“  meldet  aus  en  m—..  ingslon  rz  **  Itho  —.
Cetinje  vom  16.  Jannar:  Von  Elend  ist  in  —5  *.  s*9
Cetinje  nicht  viel  zu  merken.  Der  Brotmangel  #n  éGCor##o,  E—m]FmJZ*  —  -
wird  in  den  nächsten  Tagen  durch  die  Militär-  —ies  ––“-  .-  -MMM«  —
verwaltung  gänzlich  behoden  sein.  Die  Bevölle-  ur  t  -usleferé  v-n  —  e
rung  benimmt  sich  überaus  friedlich,  diensteifrig,  »  FZM  »Hei-p-»  ums-m,  -  «  «-freundlich
  und  zuvorlommend.  Die  Waffenvor=  umse  %  *  4
äte  liefert  sie  unaufgefordert  aus.  Die  Leute  S
überbieten  einander  an  Gastfreundlichkeit  —  —-undmachensichindensttaßcnccbötig.unsere

Offiziere  ins  Quartier  zu  nehmen.  So  hat

man  kaum  das  Gefühl,  in  Feindesland  zu  lein.
Immer  deutlicher  spürt  man  hier  wie  in  Serdien,
  daß  der  eigentliche  Feind  wo  anders  steht.
Im  Arsenal  wurde  reichliche  Beute  gefunden.
Hinter  dem  Arsenal  stehen  viele  Geschütze,  schneebedeckt,
  sodaß  man  die  Marke  nicht  Keich  erkennen
  kann,  mehrere  von  moderner  Konstruk-=tion
  italienischer  und  französischer  Herkunft.  (3.)
Der  zweistöcige  Konak  stelit  sich  ziemlich  bescheiden
  und  anspruchslos  dar.  Alles  ist  intakt
und  komplett  gelassen  worden.  In  aller  Hast
erfolgte  der  Abgang  der  Inhaber.  So  lag  noch
im  Schlafzimmer  ein  Handtuch  auf  dem  Tisch
und  ein  Bett  war  noch  in  Unordnung.  Im  Arbeitszimmer
  des  Königs  befindet  sich  ein  großer
Schreibtisch,  auf  dem  rechts  in  der  Ecke  das
Patent  für  den  König  als  Oberstinhaber  eines
österreichisch-ungarischen  ##egiments  lag.  Seitwärts
  auf  einem  anderen  Tisch  lag  eine  Plakette
  Kaiser  Franz  Josephs.  Eine  Wand  ist  mit
ffeen  geschmückt.  Der  Thronsaal  hat  an  den
Weänden  eine  kleine  Bildergalerie,  darunter  Porträts
  des  österreichischen  Kaisers  und  der  Kaiserin
  aus  ihren  Jugendjahren,  Napoleons,  Ale-1anders
  III.  und  der  Kaiserin  Dagmar  und
mehrere  Bilder  des  italienischen  Königspaares.
Der  Rat  der  Königin  von  Italien.
München,  18.  Jan.  Ueber  die  Schweiz
erhält  die  „M.  P.“  von  ausgezeichnet  unterrichteter
  Seite  folgende  Nachricht:  Nachdem  sich  in
den  großen  Beratungen,  die  am  11.  und  12.
Januar  in  der  königlichen  Villa  Adea  zu  Rom
zwischen  dem  König  und  den  leitenden  politischen
und  militärischen  Männern  Italiens  in  Gegenwart
  der  Königin  stattfanden,  die  absolute  Unmöglichkeit
  herausstellte,  Montenegro  irgendwelche
  Hilfe  in  seiner  Not  leisten  zu  können,
machte  die  Königin  Elena  sowohl  ihrem  in
Rom  anwesenden  Bruder,  dem  Kronprinzen  Danilo,
  wie  ihrem  Vater,  dem  König,  den  Vorschlag,
  sich  entweder  über  Albanien  nach  Italien
  zu  retten  und  sein  Land  im  Stich  zu  lassen,
  —  oder  aber  den  Frieden  bei  Oesterreich
nachzusuchen.  Die  Königin,  die  sowohl  um  die
Dynastie  Njegus  mie  um  das  Schidsal  ihres
Heimatlandes  aufs  tieffte  besorgt  war,  soll  aber
die  zweite  Lösung,  die  auch  den  Gesinnungen
Nikitas  entsprach,  bei  weitem  mehr  als  die  erste
kefürwortet  haben.

 

Wemeines  vem  Inser.

Eine  Friedensstimme  aus  England.

Haag,  18.  Jon.  Der  Schriftsteller  Wells
gibt  im  „Daily  Chronicele“  zu,  daß  alle  seine
Prophezeiungen  von  der  schließlichen  Niederwerfung
  Deutschlands  Unsinn  waren.  Kein  anderes
Ende  des  Krieges  sei  möglich  als  durch  Unterhandeln
  zwischen  den  faktisch  immobilisierten
Gegnern.  Es  ist  bemerkenswert,  daß  das  genannte
  Blatt  diese  so  ketzerische  Ansicht  an  leitender
  Stelle  und  ohne  Widerspruch  abdrudt.

(3.)

Eine  englische  Kaserne
niedergebrannt.

London,  18.  Jan.  Am  Samstag  brach
in  der  Kaserne  der  Noyal  Engineers  in  Chatam.
ein  großes  Schadenfeuer  aus.  Eine  Anzahl
von  Gebäuden  wurden  zerstört.

Der  erste  Balkanzug
kn  Konstantinopel.

Pera,  18.  Jan.  Unter  allgemeiner  Begeisterung
  ist  der  erste  Balkanzug  hier  eingetroffen.
Bis  Butschuck  Tschenmedich  fuhr  eine  Abordnung
entgegen,  bestehend  aus  Vertretern  des  Komitees
  für  Einheit  und  Fortschritt,  des  Roten
Halbmonds,  der  Nationalverteibigung,  sowie
türkischer  Journalisten,  dem  Dragoman  Schmidt
und  den  Pressedezernenten  der  deutschen  Botschaft.
  Durch  eine  Vertretung  der  Stadtpräfeklur
  wurde  eine  ernente  Ausschmüdung  des  Zuges
  mit  frischen  Guirlanden  vorgenommen.  Die
Ankunft  in  Stambul  erfolgte  abends  7  Uhr
14  Minuten.  Während  die  Gäste  dem  Zug  eutstiegen,
  spielte  die  Musik  die  türkische  und  deutsche
  Nationalhymne.  Die  Menge  brach  in
Händellatschen  und  freudige  Zuruse  aus.  Der
Empfang  auf  dem  festlich  geschmückten  Bahnhof
  war  äußerst  hernich.  Türkischerseits  waren
amresend:  der  Minister  des  Innern,  des  Hondels,
  des  Agerbaues,  ferner  der  Kammerpräsident,
  der  Stadtpräfekt,  der  Polizeipräfelt  und
viele  Osfiziere,  deutscherseits  waren  anwesend:
Botschaftsrat  Freiherr  Neurath,  Generalkonful
Mertens,  Direktor  Kaufmann  von  der  Deutschen
Vam  und  hohe  Offiziere  des  Heeres  und  der
Marine.  Die  österreichische  Kolonie  vertrat
Votschaftsrat  Graf  Trautmannsdorff.  ##  Ferner

war  der  bulgarische  Gesandte  Kolouchef  anwesend.
  Nach  Vorstellung  der  Angekommenen  bei
den  Vertretern  der  türlischen  Behörden  begaben
sich  die  Herrschaften  in  das  Empfangszimmer
zum  Wartesaal,  der  mit  Blumen  und  Teppichen
in  eine  Festhalle  verwandelt  worden  war.  Die
Militärkapelle  konzertierte.  Die  festliche  Stimmung,
  in  der  sich  die  Osmanen  durch  die  Feier
des  Meolud,  des  Geburtsfestes  des  Stifters  der

islamitischen  Religion  befanden,  wurde  durch

die  wenige  Stunden  vor  der  Ankunft  des  Ballanzuges
  eingetroffene  Nachricht  von  der  bedin-Aungslosen
  Uebergabe  des  montenegrinischen
Heeres  noch  erhöht.  Die  Abfahrt  der  Gäste
erfolgte  in  bereitstehenden  Automobilen,  die
den  Weg  durch  die  bewegte  Menge  in  den  beflaggten
  Straßen  zurücklegten.  Das  nebelbedeckte,
  vom  Mondschein  übergossene  Stadtbild,

überragt  von  den  vielen  festlich  beleuchteten

Spitzen  der  schlanken  Minarette,  machte  einen
märchenhaften  Eindruck  auf  die  fremden  Gäste.

4  n  1
Ver  schärfung  der  Blockade
gegen  Deutsch  land?

Nemwyork,  17.  Jan.  Der  Waslhingtoner
Korresnondent  der  „Evening  Post“  teilt  mit,
daß  Präsident  Wilson  aus  London  von  Botcha
  Page  und  Oberst  House  die  Nachricht
erhielt,  die  Durchführung  der  Blockade  gegen
Deutschland  werde  binnen  kurzem  verschärft  werden.
  Als  Antwort  auf  die  amerikanische  Note
vom  rergangenen  Oktober  werde  bald  eine  lange
Note  abgeschickt.

Verhastungen  in  Rußland.

BVerlin,  18.  Jan.  Nach  einem  Telegramm
aus  Stockholm  nimmt  die  revolutionäre  Bewegung
  in  Rußland  zu.  In  verschiedenen  Petersburger
  Vierteln  fanden  am  11.  Januar  massenhafte
  Haussuchungen  statt,  besonders  unter  den
Arbeitern  und  bei  Mitgliedern  der  ersten  Duma.

Nach  Verhören  wurden  alle  verhaftet.  In  Moskau
  wurden  viele  Tolstoianer  wegen  Militärdienstrerweigerung
  rerhaftet  und  vor  das
Kriegsgericht  gestellt.  (3.)  **

Unterschlagungsskandale
in  Petersburg.
Kopenhagen,  18.  Jan.  In  Petersburg
wurden  neue  Unterschlagungsskandale  aufgedeckt.
Der  frühere  Stadthauptmann  Dratschewski
wurde  verhaftet,  weil  er  durch  Erpressung  den
Redakteur  der  Petersburger  Polizeinachrichten
Kriwoschlyk  zwang,  falsche  Quitlungen  auszustellen.
  Außerdem  wurde  vom  Senat  eine  Klage
gegen  Dratschemsly  eingereicht,  weil  er  auf
Staatskosten  große  Bestellungen  für  sein  eigenes
  Gut  machte.  Gegen  das  Direktorium  de
Reichsbank  wurde  eine  Klage  gerichtet,  daß  sie
wissentlich  Lebensmittelspekulanten  Kredite  einräumte,
  wodurch  die  Zurückhaltung  von  Warenbeständen
  ermöglicht  wurde.  In  Moskau
wurde  eine  Fälscherbande  abgefaßk,  die  eine
große  Menge  neuer  Wechselmarken  fälschte.

Der  Zug  des  Herzens!

Lugano,  18.  Jan.  Die  italienischen  Blätter
  besprechen  den  ungünstigen  Umstand,  daß
die  wohlhabenden  Serben  nur  durchreisen,  aber
sich  nicht  in  Italien  niederlassen,  während  die
mittellosen  Serben  von  Jtalien  generös  aufgenommen
  und  verpflegt  werden.  Die  „Tribuna“
macht  sich  zum  Sprachrohr  dieser  Empfindungen,
  indem  sie  fragt:  „Warum?“  und  die
Antwort  gibt:  Es  ist  eine  Herzensfrage,  unbeeinflußt
  von  politischen  Rücksichten.  Wir  wollen
  nicht  analysieren,  aber  verstehen.  (3.)

an  man  ater  auch  so  schmählich  im  Stich  gelassen
  worden  ist!  ·

Untergang  der  „Citta  di  Palermo“.

Lugano,  18.  Jan.  Die  Erklärung  des
österreichisch  ungarischen  Kriegspressequartiers,
daß  das  von  dem  französischen  Unterseeboot
„Faucoult"  im  Adriatischen  Meer  versenkte
Schiff  kein  öslerreichisches  sei,  und  es  sich  möglicherweise
  um  ein  italienisches  gehandelt  habe.
dürfte  ihre  Bestätigung  in  dem  Untergange
des  italienischen  Hilfskreuzers  „Citta  di  Palermo“
  finden,  der  nach  den  amtlichen  italienischen
  Berichten  in  der  Nähe  von  San  Giovamni

 

Der  Schag  der  Saheer.

6#  ——
(Nachbdrun  vredste#.

So  focht  es  sie  zum  Veisriel  sehr  wenig
an,  daß  es  auf  ihrem  Nege  von  Slangen,
Skorpionen  und  ühntichem  Ungezieser  wimmelte,
das  hier  miten  in  Sonnenbrand  und  Dürre
ein  herrliches  Dasein  zu  führen  schien.  Denn
sie  schliefen  im  sicheren  Schun  geräumiger  Zel#te
in  Hängematten,  die  für  alles  kriechende  Getier
unerreichbor  maren  und  dsenthare  Häünde
pflegten  sorg:altig  seden  Siein  zu  entfernen.
bevor  die  dicken  Filzteppiche  aucegebreitet
wurden,  auf  denen  jie  ihre  Mahlzeiten  einnahmen.


Und  dennoch,  wie  Erika  es  vorhin  vollkommen
  zutressend  ausgesprochen  hatte,  litt
das  ganze  llug  ausgedachte  und  glänzend
durchgeführte  Unternehmen  an  einem  entscheidenden
  Grundfehler,  der  ihm  früher  oder  später
notwendig  verhangnisvoll  werden  mußte.  Entweder
  waren  Beauregards  Berechnungen  falich
oder  der  Vanyrus  war  nichts  als  eine  ungebeure
  Mystifikation.

Die  Karawane  war  schon  um  mindeslens
zwei  Tagerelsen  über  den  Punkt  hinaus,  auf
den  die  Angaten  des  grtechischen  Zeitgenossen
der  Sabäer  ungefähr  zugetroffen  wären.  Aber
der  unglückliche  Franzose  war  bisher  ebenowenig
  imstande  gewesen,  die  bedeulsamen
Unf  Hügel  aufzulnden,  wie  etwa  jemand  in
einem  ihm  unbelannten  Walde  eine  bestimmte

1  nicht  nüher  bezeichneten
Bäumen  hätte  settnellen  können.  Und  es  war

—  .

 

 

für  jeden  Einsichtigen  unzweiselhaft,  daß  nur
ein  offenbares  Wunder  ihm  dazu  verhelfen
konnte,  seine  mit  so  viel  Zuversicht  in  Angriff
genommene  Aufgabe  zu  lösen.

Als  die  Karawanc  den  Lagerplaß  erreicht
hatte,  entwickeltle  sich  sogleich  ein  sehr  reges
und  gerauschvolles  Leben.  Die  Kamele  grunzten
und  schrien  vor  Begierde,  von  ihren  schweren
Lasten  befreit  zu  werden;  die  Pferde  wieherten
und  kämpiten  um  jeden  Büschel  zähen  Grases;
die  Menschen  aber  stießen  sich  und  stricten  miteinander,
  als  wenn  jeder  eine  besondere  Meinung
  über  die  Einrichtung  des  Lagers  zu  verteidigen
  und  zur  Geltung  zu  bringen  hätte
—  kurz,  es  war  ein  Wirrwarr,  der  für  die
Europäer  etwas  geradezu  Beängstigendes  gehabt
  haben  würde,  wenn  sie  ihn  nicht  schon
seit  Wochen  sich  Tag  für  Tag  hätten  wiederholen
  sehen.

Würdevoll  schritt  durch  all  den  Tumult  der
Scheik  Abdur  Kader,  ein  lhagerer  Araber,  der
alle  seine  Untergebenen  höchst  unparteiisch  mit
Schimpfworten  regalierte,  über  die  er  in
unerschöpflicher  Fülle  verfügte,  daß  er  sie  je
nach  der  Abstammung  und  Rasse  des  eben
Bedachten  bis  ins  Unendliche  zu  variieren  vermochte.


„Beeile  dich,  du  unehrlich  Geborener,"
schrie  er  eben  einen  Neger  an,  der  mit  dem
Lösen  eines  verknoteten  Strickes  nicht  schnell
genug  zustande  kommen  konnte.  „Soll  die

onne  untergehen,  bevor  die  Zelte  aufgeschlagen
  sind?"
demselben  Augenblick  verkündete  ihn
ein  Krachen  Binter  selnem  Rücken,  daß  ein  llbereifriger
  Araber  eine  Kiste  zu  Boden  geschleudert
batte.  Und  wütend  wandte  der  Scheik  sich!

 

gegen  ihn:
„O  du  des  Angenlichtes  beraubte  [Eule!
Welchen  unersetzlichen  Schaden  hat  deine

Dummheit  angerichtet!“

Dabei  schienen  seine  funkelnden  Augen  den
Unglücklichen  schier  durchbohren  zu  wollen,  so
daß  der  Aermste  kaum  noch  den  Mut  sand,  sich
zu  verteidigen:

„Eo  war,  bei  Allah,  nicht  mein  Vergehen,
Berehrungswürdigster!  Sieh,  diesen  Riemen
habe  ich  aufgeschnallt,  und  dabei  fiel  das  verwünschte
  Ding  ohne  mein  Zutun  zu  Boden.“

„Es  fiel?  Ha,  es  siel!  Nun  wohl,  so  wird
ohne  mein  Zulun  meine  Peilsche  auf  deinen
Rücken  niederfallen,  wenn  Aehnliches  dir  noch
einmal  widersahrt.."  ..

Dann  eilte  er  zu  einer  Gruppe  von  Somalis,
  die  sich  ohne  besondere  Eilferligkeit  bel
den  Pferden  zu  schaffen  machten.

„He,  ihr  Schweine  und  Söhne  von
Schweinen!“  herrschte  er  sie  an.  „Wozu  bezahll
  euch  der  Essendi?  Habt  ihr  nichts  Besseres
zu  verrichten,  ihr  schwarzen  Hunde?  Die  Gräber
eurer  Bäter  sollen  von  raudigen  Hunden  geschändet
  werden,  so  ihr  nicht  tut,  was  eure
Pflicht  ist.“.

Kapitän  Stumpf,  dessen  rundes,  schon  vor
ber  nicht  gerade  bleicheo  Amtlitz  durch  die
Wüstenluft  vollends  zu  einem  krästigen  Ziegelrot
ebranm  war,  interelsierte  sich  höchlich  für

bdur  Kader  und  die  Wortfluten,  die  sich  unablässig
  aus  seinem  bärtigen  Munde  ergossen.
Er  verstand  zwar  kein  Arabisch,  aber  das
ausdrucksvolle  Mlenensoiel  des  Mannes  ließ
ihm  leinen  Zweisel  über  die  Natur  seiner  Beredsamteit.
  und  er  konnte  ihm  seine  Vewunderung
  nicht  versagen.

„Der  Kerl  hätte  einen  arokartigen  Boots- 



di  MWedua  -auf  eine  Treibmine  gestoßen  sein
—..

mann  abgegeben,“  sagie  er  oft,  um  mit  aufrichtigen
  Bedauern  hinzuzusügen:  „Es  ist  zu
schode,  daß  ich  ihn  nicht  verstehen  kann,  denn
ich  glaube,  von  dem  würde  ich  noch  was  lernen.“

Allmählich  löste  sich  der  Wirrwarr,  und
nun  sah  man,  daß  bei  all  dem  scheinbaren
Durcheinander  in  Wahrheit  das  Lager  innerbalb
  einer  erstaunlich  kurzen  Zeit  ausgeschlagen
worden  war.  Mit  Hilse  von  verdorrtem  Buschwerk
  wurden  Feuer  angezündet;  von  sachlundigen
  Händen  wurde  eine  vortreffliche
Mahlzeit  zubereitct,  und  dann  suchte  sich  jedes
ein  möglichst  schattiges  Plätzchen,  um  bis  zum
Untergang  der  Sonne  in  behaglichem  Nichtstun
zu  verharren.

Wenn  abends  nicht  weitermarschiert  wurde,
stimmten  die  Neger  gewöhnlich  ihre  mehr  eigenartigen
  als  melodischen  Gesänge  an,  und  die

raber  gaben  höchst  gefährlich  aussehende
Kampfspiele  zum  besten,  bei  denen  die  Matrosen
  von  der  „Aphrodite“  die  höchlich  inter.
ellierten  Zuschauer  abgaben,  sofern  sie  nicht
selbst  durch  den  Gelsang  heimoatlicher  Volkslieder
  zur  allgemeinen  Ergöhlichkein  beistouerten.

Auf  solche  Art  zuernute  man  sich  sorglos
  auch  heute.  Und  nur  Abdur  Kader  wiitett
vielleicht  noch  ein  weniges  mehr  als  sonst,  weil
er  entdeckt  hatte,  daß  der  Brunnen  infolge
mangelnder  Benutzung  zusommengestürgt  war,
und  daß  es  wahrscheinlich  mehrftündige  harte
Arbelt  kosten  würde,  um  einen  kleinen  Vorrat
trüben  Wassers  zu  erlangen.  Er  hielt  es  indessen
  nicht  für  angezeigt,  dem  Essendi  etwas
davon  mitzuteilen:  denn  en#  münschte  zuvor
eine  andere,  für  ihn  erheblich  wichtlgere  Angelegenheit
  ins  reine  zu  brüngen,  für  die  er  einen
günsiigen  Augenblick  abzupassen  gedachte.  Auch

 

 

—

„damit  war  es  ihm  übrigens  nicht  gar  zu  eilig,

—