Metadaten : Realienbuch Nr. 3 (3)

26  Erdkunde.  II

sich  den  Weg  zum  Fuße  des  Gebirges.  Die  schroffen  Felsenmauern  der  Roßtrappe  und
des  hexentanzplatzes  bilden  das  Tor,  durch  das  sie  in  das  Tiefland  tritt.

Die  wichtigste  Nahrungsquelle  der  Bewohner  ist  der  Wald.  Im  Oberharz  findet
sich  vorwiegend  Uadel-,  im  Unterharz  Laubwald.  Er  liefert  Bau=  und  Brennholz,  holzkohlen,
  Teer,  Dech  und  Beeren.  Der  Erzreichtum  des  harzes  wird  in  zahlreichen  Bergwerken
  ausgebeutet.  Bei  Andreasberg  und  Klausthal  im  Oberharz  gewinnt  man
besonders  Blei  und  Silber,  bei  Mansfeld  und  Eisleben  (25),  in  den  südöstlichen  Kusläufern
  des  Unterharzes,  vorwiegend  Kupfer  und  Silber.  Sum  Betriebe  der  Werke
dient  im  Oberharz  vielfach  das  Wasser  der  Flüsse,  das  zu  diesem  Swecke  in  Teichen
gestaut  wird.  Da  beim  Schmelzen  der  Erze  giftige  Gase  entstehen,  ist  in  diesen  Gegenden
ein  großer  Teil  des  Waldes  abgestorben.  Diele  Wälder  sind  aber  auch  niedergeschlagen
worden,  um  das  holz  als  Stützen  und  Träger  in  den  Bergwerken  zu  verwenden,  oder  um
für  die  zahlreiche  Bevölkerung  Ackerland  zu  gewinnen.  In  dem  kalten,  rauhen  Oberharze
  gedeiht  freilich  nur  noch  die  anspruchslose  Kartoffel;  auf  den  Hochflächen  des
Unterharzes  aber  baut  man  alle  Getreidearten  an.  —  Eine  besondere  Dorliebe  haben
die  harzbewohner  für  Stubenvögel;  ihre  Kanarienvögel  (Andreasberg)  sind  weit  und
breit  berühmt.

Da  der  harz  reich  an  Naturschönheiten  ist,  werden  alle  Orte  des  Gebirges,
sowie  die  Städte  an  seinem  Luße  (Goslar;  18.  Wernigerode;  13)  von  vielen
„Sommerfrischlern“  aufgesucht.

2.  Das  nördliche  harzvorland  ist  ein  fast  ebenes  Gebiet,  aus  dem  nur
wenige  niedrige  Rücken  hervorragen.  Der  Hruchtbarkeit  des  Bodens  verdanken  die
Städte  Quedlinburg  (25;  bedeutende  Gemüse=  und  Blumensamenzucht),  halberstadt
  (46;  Acker-  und  Gartenbau,  sowie  Industrie),  und  Braunschweig  (136;
Getreide,  Suckerrüben,  Gemüse,  besonders  Spargel)  ihre  Blüte.

5.  Politische  Verhältnisse.  Der  harz  und  sein  nördliches  Vorland  gehören
zu  drei  Staaten.  Den  größten  Ceil  besitzt  das  Königreich  Dreußen.  Don  Osten
her  greift  die  Drovinz  Sachsen  und  von  Westen  die  Drovinz  hannover  ein.  In
das  übrige  Gebiet  teilen  sich  die  Herzogtümer  Braunschweig  und  Anhalt.

5.  Das  Hessische  und  das  Weserbergland.

Swischen  Thüringen  und  dem  Rheinischen  Schiefergebirge  dehnt  sich  eine  hügelige
Landschaft  aus.  Ihr  südlicher  Teil  wird  als  hessisches,  ihr  nördlicher  als  Weserbergland
  bezeichnet.

1.  Das  hessische  Bergland  ist  eine  flachwellige  hHochfläche,  die  von  einzelnen
Berggruppen  und  bewaldeten  höhenzügen  überragt  wird.  Im  Süden  ragen  Dogelsberg
  und  Rhön  auf,  die  beide  ein  rauhes  Klima  besitzen  („Dreiviertel  Jahre  ist  es
dort  Winter,  das  andre  Dierteljahr  —  kalt“,  sagt  ein  Sprichwort).  Der  Dogelsberg
ist  ein  sanft  ansteigender  Bergkegel,  der  Rest  eines  vor  Jahrtausenden  erloschenen  feuerspeienden
  Berges  (Dulkans).  Estlich  vom  vogelsberge  liegt  die  Rhön,  eine  von
vielen  Kuppen  gekrönte  Gebirgsmasse  (3.  T.  vulkanischen  Ursprungs).  In  den  Däörfern
an  ihrem  Fuße  herrscht  rege  Gewerbtätigkeit  (Leinen=  und  Baumwollenweberei).
Auf  der  Rhön  entspringt  die  Fulda.  An  dem  Ilusse  liegt  die  gleichnamige  Stadt
Fulda  (20),  die  durch  Bonifatius  bekannt  ist.  Bei  Münden  (11)  vereinigt  sich  die
Fulda  mit  der  Werra  (Quelle?)  zur  Weser.  —  Im  allgemeinen  ist  das  Hessis  ische
Bergland  wenig  fruchtbar  und  daher  nur  dünn  bevölkert.