60. Jahrgang
Nr. 158
: Ermits #p 12. Juli 1914
Rosenheimer Anzeiger
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Schluß der m——— 1 Ubr mittags · Noch dlelem Jeitpunkt kann far Aufnahme l in dle lausende — nicht mehr genen werda. 9 ervn Mnseip wird keine Berantwortung Übernommen.
die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Leues vom Tage
11. Juli.
Die Auoschußberatung des Armengesetzes ist am
Freitlag beendet worden. Das Gesetz umfaßt
102 Artitel. Die Sozialdemokraten slimmten
dagegen.
Die Kammer der Reichvräte hält ihre zchseen
Sitzungen am 16., 17. und 18. Juli
Im englischen Unterhaus wurde wieder rna
die Rüstungsfrage aufgerollt. Neues ist dabei
aber nicht hecausgekommen.
In Belfast hielt am Freitag die neue Uisterregierung
ihre erske Versammlung ab. Vierhundert
vollständig bewaffnete Freiwlllige bewachten
die Versammlungshalle.
In Albanien haben die Epiroten alle Gebiete,
welche auf Grund der Londoner Abmachungeräumt
werden mußten, wieder besebt.
Die albanischen Streitlrafte rämmten
die Püätze wegen Aussichtslosigleit der Verteidigung:
Bolit#che RNundschan.
Deutschlansé.
Preußens Wehrbeitrag.
Die Veranlagung für den einmaligen außerordentlichen
Wehrbeitrag für den gesamten Bereich
der preußischen Monarchie hat, wie bereits
berichtet, einen Betrag von 608 Milülcnen
Mark ergeben. Die „Verliner Politischen
Nachrichten“ schreiben hiezu: „Wenn das Ergebnie
den bochgespannten Erwartungen nicht
entspricht, die im vorigen Jahre und bis nach
vor kurzem vielfach gehegt wurden, so ist d
auf das Zusammenwirken #on drei Monenten
zurückuführen, deren Einfluß und Tragweitzur
Zeit der Verabschiedung des Gesetzes weder
mit Sicherheit vorausgesehen noch nach
ihrem tatsächlichen Amfange eingeschätzt werden
2onnte. Das erste Moment war die schlechte
Situation des (beldmarkles am 31. Dezember
1913, dem Stichtage für die Beitragspflicht
und die Ermittlung des Vermögenswertes.
Herrscher Geist.
Noman von W. Magnap.
ob
„Da unten stehen übrigens noch eine ganze
Menge solcher alter Kasten, die sich unter den
modernen Mietskasernen wunderlich genug ausnehmen.
Die Dinger sehen zum Teil geradezu
lebensgefährlich schief und baufällig aus, und
man sollte wirklich darangehen, mit diesen Varacken
gakizuräumen. “
chieht ja wohl auch,“ meinte Heyler
Femische interesselos. „Habe davon gelesen, daß
man am Mühlendamm und da herum ganze
Straßen eingerissen hat doch einreißen
will. Haben Sie übrigens Lust zu einer Partie
Pikett. Herr Herter?
Sie ließen sich an einem der kleinen runden
Spieltische nieder, und es wurde nur mehr über
Pferde und sporkliche Angelegenkaiten zwischen
ihnen gesprochen. Auch die meisten anderen
setzten sich, um die BZeittotzuschiag en, zum Spielen
nieder, bis Klänge eines Küants herübertönten
und Sire mit lächelnder Miene in
der Tür er
„Wir hoden einen kleinen Ball improvisiert,“
sagte sie, zu ihrem Bruder tretend. „Vielleicht
opfern sich einige Herren und kommen ein
weni cerüber;
türlich solgten die meisten dieser verlockenden
Aufforderung, und nur Herbert von
Rohnstein blieb als höflicher Wirt bei den
älteren Herren zurück, des sich von ihrer Whistpartie
nicht hatten losreißen können
Sabine selbst 2 . Arme ihres Verlobten
über das lanke Parkett dahin.
Sie war eine den Tingeltts Tängerin, und sie
Das weite Moment, das auf die Ergebnisse
der Vermögensveranlagung nachteilig wirlt, ist
die gesonderte Vermögensveranlagung der Kinder.
Endlich sind infolge der Beflimmungen
über die Vermögenegrenze erhebliche Ausfälle
entstanden. Nach § 12 des Wehrbeitragsgesetzes
haben diejenigen Beitragepflis #inen
einen Wehrbeitrag nicht zu zahlen, die bei einem
Vermögen bis zu 50000 „Mik. weniger als 2000
Mark Einkommen oder bei einem Vermögen
bis zu 30 000 Ml. weniger als 4000 Ml. besitzen.
Auf Grund dieser Vorschrift find besonders
auf dem platten Lande zahlreiche Freislellungen
erforderlich geworden und es steh: zu
erwarten, daß in Süddeutschland, wo mit einem
verbreileten Bauernstand zu rechnen ist, ähuliche
Erfahrungen wie in Preußen gemacht werden.“
Instizrorlagen für den Reichstag.
Dem im Herbsft zusammentretenden Neichsiag
dürften füc die neue Session drei Vorlagen zugeben,
hejinden.
Es i#t dies mäcst der Gesedentwurf
zul Einschränkung der: Verjügungen über
JIn dem
Micts= und Pachtziussorderungen.
Entwurf wird rorgeschlagen, die Bestimmmagen
des Bürgerlichen Gesetzbuches dahin alzuändern,
daß die Wirkung der Vorausverfügungen
üüber Miets= und Pachtzinsforderungen, die
dem Erwerber eines Grundstüdes oder den Hy-#
pothekengläubigern geqenüber eintritt, auf ca
Ferner
laufende Vierteljahr beschränkt wird.
wird die neue deutiche Wechselordnung mieinem
besonderen Einführungsgesetz dem Reichstage
zugehen, und der Gesetzentwurf über die
Hastpflicht der Eisenkahnen, die auch für Sach
schäden oeregelt wird. Der in der letzten Seision
nicht erledigte Eutwurf eines Jugendgerichtegesetzes
dürfte dem Reichstage nicht wieder
vorgelegt werden, da die parlamentariche
Behandlung der Vorlage erkennen ließ, daß mit
einem Zustandekommen derselben nicht ger#net
werden lann. ann ist bei dem zuftändsgen
Ressort soeben ein Entwurf über die Neuregelung
cer Arbeitsverhältnisse der Rechtsanwaltsangestellten
fertiggesiellt worden. Ob ein Enkwurf
über Heraussetzung des pfandsreien Einkommens
ven 1500 Mark ausgearbeitet wird
und dem Reichstage im nächsten Winter schnn
zugehen lann, steht dahin.
beteiligten Resoort= sind zurzeit nach nicht al
die sich zurzeit sämtlich beim ynkserzat
Die Veratungen dor
geschlossen. Dasselbe gilt von der Frage der
Regelung des Zwangpvergleiche außerhalb des
Konkurses, über die erst. Sachverständige vernommen
werden sollen.
Ausland.
Oesterreich und Serbien.
Die „Neue Freie Messe“ betont in einem
Leitortilel, der Mord in Serajewo weie nicht
bloß bei den Bölkern, sondern auch bei den
Regierungen das nur zu lange zum Schweigen
gebrachte und daher rermißte europäische Gew#ssen.
Es lönne wohl obne Uebertreibung gesagt
werden, daß alle Kulturmächte in dierem
Augenblik zur Monarchie ständen, und daß, auberhalb
Serbiens überall das schärffte Urteil der
Zivilisation über die Verherrlichung des Mordes
und die Beschönigung der Beweggründe ausgesprochen
werde. Die moralische Vereinsamung
oes Groß-Serbentume werde offenkundig,
das ganz deutsche Voll ilehe auf der Seile
der ösierreichisch- ungariichen Monarchie, das
(Croßserbentum werde im Deutschen Reiche als
der Schöädling des europäischen Friedens ge-Trandmarit.
Noch in jeder Krise strele sich der
Monarchie die Vruderhand entgegen und so
zeie sich wieder das Bewußtsein von de: Gegenseitiat
eit des sofortigen Zusammenschlusses.
Das Blatt hat auch eruue Gründe zu glauven,
daß Kas verbündete Italien die Gesinneng des
Deutschen Reiches teile, deshalb werde Italien
vereint mit' dem Deutschen Reiche das Aeußerste
rersucken, Serbien zu bewegen, daß es sich vom
Eroh-Seibentum losreiße und endlich dem Nachbarn,
der das Land während des Balkankrieges
inonte, Treuc halte, England werde mit Recht
seinen großen Einfluß benutzen, um Serbien
Jur Vesinnung zu bringen und eine europäüsche
Verfellmung des Groß-Serbentums zu bewirken.
Ein neuec Ausstauo der französischen
Postbediensteten?
Die Finanzkommission des französischen Senats
traf eine bedeunungerolle Enlscheidung.
Mit 18 gegen 1 Stimme lehnie sie abermals
trotz des Einspruchs des Ministers Tyomson die
für den Wohnungegeldzuschuß der unteren Poubeamten
ersorderlichen Kredite ab. Die erste
Ablehnung dieser Keedite durch die Kommiff.
sion und den Senat führte zu der Arbeilseinste
llung beim Pariser Hauptpostamt.
—0
Die Lage in Albanien.
Durazzo, 10. Juli.
Die absonderlichsten Nachrichten tamen in den
letzten Tagen aus Albanien. Die wenigsten davon
sanden indessen eine Beftärigung. Für heute
verzeichnen wir zunächst folgende Meldung aus
Valona:
Seit einigen Tagen geht das Gerücht, daß
Jemaec! RKemal und Essad Pascha vereinbart
haben, Albanien in zwei Kantone zu teilen,
und zwar einen Nordkanton swischen Arzen und
Slumbi unter der Zerrschaft Essad Poschas,
und einen Südtanton zwischen Skumbi und
Wio'sa unter der Herrschaft Jomael Kemals,
während da: Gebie: nordwestlich der Drina
mit Skulari den Montenegrinern. zwischen der
Drina und Areien den Serben, südlich der Wiossa
mit Valon#a als Flottenstation an J#alien, und
der Epirus an Griechenland fallen soll. Ge-Wisie
Anzeichen deuten tatsächlich auf das Bestehen
eine: ähnlichen Projekles unter dem
Patronat Sechiens und GEriechenlands hin.
Ganz Albanien mmmelt von serbischen Emissären,
welche die Bevölterung sostematisch gegen
Oesterreich aufreiren, wozu auch won italienischer
Seile nicht menig beigetragen wird.
Diese Meldung erhält eine gewisse Starluns
auch durch eine Depeiche des „B.
Belgrad, derzufolge die serbische Nmrgi. n
in einer der letzten Ministerrat-sitzungen beschlossen
haben soll, das von Europa aneckannte
Recht auf einen Hafen an der Adria energisch
zu wahren und ebenso die zum Schuß der Grenze
gegen ein Uebergreifen der albanischen Revolution
noticen Vorkehrungen zu meffen. Die
serbische Regierung verlangte des weiteren, bei
der Cntscheidung der Großmechte über Albanien
gehört zu werden. Das heißt wohl also,
da Serbien jetzt von seinen bisher versteckten
Eingriffen in die albanischen Witren zur offe-#nen
Tat übergehen will.
Auch in Montencoro soll man nicht müßig
geblieben sein. Die montenegrinische Regierung
soill vor einigen Wechen eiren Teil jenes
Gebieles, cas durch die Londoner Konferenz
Albanien zugesprochen worden war, nämlich das
ganze Gebie von Vermoscha militätisch besetzt
haben. Das Gebiet umfasse sehr gute Hoch-
kanzte mu einer wunderbaren,
Leichtigteit und Anmm. Herier war i, ein
ebenburtiger Pariner, und mehr als ein bewundernder
oder neidischer Blick folgte iunen,
wie sie nach dem Rhythmus der Musit aui und
nieder schmebten.
Rudolf fühire sein Blut feuriger durch die
Adern rollen, da sie ihm so nahe war, daß ihn
der seine Dust ihres Haares kosend umfing und
er den Hauch ihres leicht geöffneten Mundes
spürte. Heiße, leidenschaftliche Worte flufterte
er ihr zu; und mit einem leichten Lächeln, mit
halb geschlossenen Augen hörie sie ihn an. Einmal,
als er sie zu ihrem Sessel geleitete, drückte
sie seinen Uen selter an sich und flüsterte ihm zu:
noch ein wenig, wenn die anderen
drnbleiet lind nicht wahr? — Ich ha
dich etwas zu fra
sah ihm int ihrem zwingenden Vlick
dabel * die Augen, und er sagte nakürlich
freudig zu. Von diesem Augenblick an aber
konhucg sie fast nur noch mit anderen.
Durch ein paar bittende Worte veranlaßte
Sabine ihren Brämigam, sich einiger Manerblümchen
an zunehmen; aber während er. ohne
sonderliches Vergnügen daran finden zu können,
sich mit den zumeist gar zu ältlichen oder auch
gar zu jungen Damen abquälee, verfolgte er
ihre herrliche Gestalt doch beständig mit seinen
verzehrenden Blicten, und es flammte jedeemal
elsersüchtig durch seine Seele, wenn er sie cinem
anderen zulächeln oder mit einem anderen
freundliche Worte wechseln sah. Mehr denn je
fühlte er, wie er sie liebte, und was es für
ihn bedeuten würde, sie zu verlieren.
22. Kapitel.
Um Mitternacht erst begannen die älteren
be saubernden
Herrischuften mit dem Aufbruch, und eima um
eins haute auch der letze der Gaste das z#ral#tvolle
Palais verlassen. Nur Rudolf HDerten leeucte
dem mude und gelangweilt aussehenden Hu#oer#t#.
noch Gesellschaft. Heria halte sich natürlich sWon
vor Stunden zur Ruhe begebrn. und Sabine
gab den Dienstboten die erforderlichen Anweiliungen.
Das Gespräch schleppte sich ganz
bedenllich schwerfällig zwischen den beiden hin,
und es war eben daran, gänzlich ins Stocten
zu geraten, als Sabine lachelnd auf der Schwelle
erschien.
„Herta schläft bereits sest, wie ich mich eben
überzeugt habe,“ sagte sie auch du siehft
sehr schlummerbedurfug aus, lieber Herbert!
Ich möchte mit Rudolf das Programm für die
nächste Zeit besprechen; und du, wie ich
weiß, doch nur den stummen Zuhörer machen
würdest, wollen wir dich gern beurlauben.“
Es war zwar nicht ganz schicklich, die beiden
allein zu lassen, doch Herbert fühlte sich so
müde und abgespannt, daß er der Ausforderung
seiner Schwester mit Freuden Folge leistete.
Mit einem Gutenachtwunsch zog er sich zurück,
und die Verlobten waren miteinander allein.
Sabine blätterte in einem Notenheft, und
vergebens wartete Herler auf ihre Anrede.
Endlich sag
i wollten iiiichetivasfragencabiiiek
— Ich stehe dir selbstverständlich mit jeder Auskunft
zur Verfügung, die ich zu geben verma
deb ih ich keine Geheũnnisse vor dir habe, wange
u ja o ies.
Er hatte das eigt nilich ganz gedankenlos
Lelazt. wie man eine Redensart eben gebraucht.
ne aber wandte sich nach ihm um und
sagte langsam:
Wirklich? — Du hast keine Geheimnisse
vor nur? Ab, ich dürfte wohl die Probe ddarauf
nicht machen. — Uebrigens — hast du dich
vor vier Jahren nicht ebenfalls in Spanien
aufgehalten?“
Herter erblaßte bis in die Lippen und
haue Mühe, seine Jassung zu bewahren.
„Allerdings — dorübergebend!“ brne6
r hainia. „Aber wie kommt du dar
Wer hat das imit deinen vorhergeh enden Bo#en
zu tum
„Ob — wobhl nichts!“ erwiderte sie in
der gleichen langsam lafsgen Art. „Es war
nur ein Gedanke, der mir durch den Kopf ging.
Aber du haft mir noch Lar nichts Nöheres von
deinem Auienthalt in Spanien erzahlt. Wo
warst. du doh damal
n Madrid t sag:: e er raich. „Ich hatte
allerici Leschaftliche Dinge dort zu erledigen.
Und wenn ich zu dir davon nicht sprach, war
s nur, weil es da eben auch gar nichts zu erzählen
gie i
Ell-He jpielte mit den Rosen,
im Gurtel. trug.
gekommen?“
„Nein: Aber ich begreife, ossen gestanden,
immer weniger, was deine Fragen be zwecken.“
„Müssen sie denn überdaupt elwas bezwecken“
Sie sah ihn mit seltsamem Lächeln
an. „Ich dachte eben nur an das Eisenbahnunglück.
Es ereignete sich doch wohl bei Tordoba,
nicht wahr?: In der: Gegend da unten
befindet sich ja auch wohl. das Grab des —
des Abgcordneten Rayma
en swohl, zwischen erotn und Seoillla
ftagen
die sie
Nach Cordoba bist du nicht
Wortlegung kolgt.]