Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

100.  1611  231

der  Union  ist,  sich  vor  unbilliger  Gewalt  zu  schützen;  die  Unierten
sind  verhasst;  man  wird  eine  Gelegenheit,  sie  zu  überfallen,  nicht
versäumen;  die  Ereignisse  mit  dem  passauer  Volk  zeigen,  dass  man
sich  auf  Briefe  und  Zusagen  nicht  verlassen  darf;  die  Intention  mit
diesem  Volk  kennt  niemand;  es  ist  darum  zu  bedenken,  ob  man  das
Landvolk  bewaffnen  oder  wie  man  sonst  die  Defension  anstellen
sl?  Württemberg  hofft,  der  Kaiser,  der  so  viel  zu  schaffen
habe,  werde  sich  nicht  gegen  die  Unierten  wenden;  das  elsässer
Volk  ist  abgedankt,  das  passauer  könnte  aber  über  den  Böhmerwald
streifen;  eine  eilende  Hilfe  genügt  nicht;  man  möge  die  markgräflichen
  Reiter  und  dieObentrauts  noch  auf  gemeine  Kosten  unterhalten.
Baden:  auch  das  elsässische  Volk  kann  sich  leicht  wieder  sammeln;
es  sollen  ihm  Musterplätze  im  Elsässischen  und  Fuldaischen  bestimmt
sein,  auch  soll  das  savoysche  Volk  herauskommen;!  die  Jesuiten
spinnen  Pläne  wegen  ihrer  vermeinten  spanischen  Weltmonarchie.
Man  muss  mit  andern  Potentaten  korrespondieren  und,  so  schwer  es
auch  bei  der  Erschöpfung  der  Union  fällt,  *den  Soldatem  Wartegeld
  geben  oder  gar  werben.  Hessen  betont  die  Gefahr,  die
gleich  von  drei  Orten  her  droht.  Savoyen  ist  von  Sachsen  um
Beistand  wegen  der  jülicher,Lande  ersucht  worden,  der  wird  nun  wol
unterbleiben  ;  gefährlicher  ist  das  passauer  Volk,  das  auf  der  Fiucht
ist  und  kein  Haupt  hat;  aber  es  wird  sich  vor  einem  Einfall
hüten.  Der  Landgraf  möchte  Unkosten  vermeiden:  man  behalte  das
Volk,  das  man  hat  und  ersuche  die  Strassburger,  ihr  geworbenes  Volk
nach  der  Oberpfalz  zu  schicken;  ausserdem  halte  jeder  Stand  seinen
Ausschuss  zur  eilenden  Hilfeleistung  bereit.  Zum  Schrecken  möge
man  aussprengen,  man  habe  die  Werbung  von  vielen  tausend  Maon
beschlossen.  Oettingen  verweist  auf  die  Reichs-  und  Kreishilfen,
die  man  auch  nachsuchen  möge.  Die  Strassburger  betonen  die
vollständige  Erschöpfung  der  Mittel  und  können  unmöglich  weiter
etwas  tun.  Man  möge  den  Gegnern  nicht  Ursache  zur  Gegenwerbung
  geben,  dadurch  würde  die  Union  verhasst;  die  Papisten
sind  auch  müde  und  ist  von  ihnen  nichts  zu  besorgen.  Strassburg

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!  Der  Markgraf  von  Baden  schreibt  am  4./14.  März  an  den  Pfalzgrafen
von  Neuburg  und  am  5./15.  an  den  Administrator  der  Kurpfalz,  dass  Oberst
Beuschenberg  wieder  fünfzehn  Fähnlein  neuen  Volkes  annehme,  auch  die
salmschen  Reiter  sich  sammeln  und  Salm  mit  tausend  Pferden  zu  Reuschenberg
  stossen  wolle;  der  AMusterplatz  soll  im  obern  Elsass  oder,  wenn  dies
nicht  angeht,  im  Stift  Fulda  sein.  Oberst  La  Fontaine  soll  dem  Herzog  von
Savoyen  zuziehen;  Jas  italienische  Volk  soll  sein  „Rendez-vous“  in  Burgund
haben  (Me.,  Neuburger  Archiv;  Jülich-Berg,  Fasz.  24,  64;  Or.  und  Mb.,  119/4,
f.  29;  Or.).  —  Der  Grosshofmeister  der  Kurpfalz,  Johann  Albrecht  Graf
Solms,  gibt  in  einem  Schreiben  an  Fürst  Christian  von  Anhalt  vom  5./15.  März
Nachricht  von  dem  angeblichen  Vorhaben  des  Herzogs  von  Savoyen,  nach
dem  mislungenen  Anschlag  auf  Genf  mit  seiner  Armee  von  20000  Mann
ins  Reich  einzurücken  und  daselbst  für  die  Wahl  eines  römischen  Königs
im  Sinne  Spaniens  zu  wirken;  Frankreich  und  Bern  begännen  bereite  mit
Vorkebrangen  gegen  den  Savoyer  (Bbg.,  A  9a,  no.  82,  f.  40;  Or.  eigh.).

März  13.
bis  23.