Full text : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

78  I.  Don  der  Restauration  zur  Revolution.

dem  Wege,  den  der  Bericht  Ihres  Kusschusses  Ihnen  anrät.
Ich  habe  aus  meiner  Knsicht  nie  ein  hehl  gemacht;  und
wenn  mir  vor  einigen  Tagen  zugerufen  wurde,  ich  hätte
für  das  preußische  Erbkaisertum  intrigiert,  so  weise  ich
diese  Derleumdung  zurüch.  Ich  habe  niemals  intrigiert,  ich
habe  mich  gemeiner  und  unwürdiger  Mittel  zur  Erreichung
meiner  Rbsichten  nicht  bedient.  Ich  kann  aber  auch  versichern,
  daß  ich  in  das  Ministerium  getreten  bin,  nachdem
ich  seiner  Kaiserl.  hoheit  dem  Reichsverweser  3  meine  Ansicht
auch  über  die  Oberhauptsfrage  und  die  Richtung,  die  ich
einzuhalten  beabsichtige,  wenn  ich  das  Kmt  übernähme,
vorgetragen  habe

Indem  ich  von  der  Oberhauptsfrage  spreche,  wollte  ich
die  Interessen  unter  drei  Rücksichten  erörtern:  die  auf
Osterreich,  die  auf  die  mittleren  und  anderen  Staaten  Deutschlands,
  und  dann  die  auf  Preußen.

Erlauben  Sie  mir,  daß  ich  zuerst  einige  Betrachtungen
über  diese  Oberhauptsfrage  im  allgemeinen  vorausschiche.
Es  war  mir  überraschend,  in  den  letzten  Tagen  häufig  die
Behauptung  zu  hören:  ein  erbliches  Oberhaupt  über  so
viele  Monarchen  sei  etwas  Unerhörtes,  noch  nie  Dagewesenes.
Ich  habe  mich  gefragt:  wie  ist  es  möglich,  daß  eine  solche,
unsere  ganze  Geschichte  leugnende  Behauptung  aufgestellt
werden  kann?  Seit  einem  Jahrtausend  bis  zum  Jahre
1806  hat  in  Deutschland  wesentlich  kein  anderer  Zustand
bestanden.  (Widerspruch  auf  der  Linken.)  Meine  herren!
Ich  weiß  sehr  gut,  daß  die  herren  auf  dieser  Seite  (auf
die  Linke  deutend)  in  der  Eeschichte  viel  bewanderter  sind
als  ich,  und  Sie  rufen  mir  zu,  das  Kaisertum  sei  kein  erbliches
  gewesen,  sondern  Deutschland  ein  Wahlreich.  Meine
herren!  Wir  haben  in  Deutschland  die  Dynastien  der
Merowinger,  der  Karolinger,  der  Sachsen,  Franken,  Hohenstaufen
  und  Habsburger,  die  letzteren  in  wenig  unterbrochener
  Holge  vier  Jahrhunderte  hindurch  gehabt,  und
das  soll  ein  Wahlreich  sein?  Meine  herren!  Es  ist  also