Volltext : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

III.  Die  Entstehung  der  Verfassung.  239

war  nicht  ein  ehrlich  gemeinter  und  als  endgültig  angesehener
Friede,  sondern  ein  Wassenstillstand,  den  im  rechten  Augenblick
zu  kündigen  er  sich  vorbehielt.  In  diesem  Punkte  war  er  mit
der  Camarilla  einig.

Dennoch  war  gerade  in  jenem  Zeitpunkt  selbst  ein  solcher
Waffenstillstand  ein  Glück  für  Preußen.  Der  Fortgang  der
mit  dem  Dreikönigsbündnis  (S.  281)  eingeleiteten  Unionspolitik
  hatte  zu  Verwickelungen  geführt,  die  eine  kriegerische
Auseinandersetzung  mit  Oesterreich  zu  gebieten  schienen.  Nur
war  der  Gedanke  daran  dem  König  gerade  so  unfaßbar  wie  der
eines  wirklich  verfassungsmäßig  beschränkten  Regiments.  Aber
auch  hier  drängte  ihn  die  Wucht  der  Thatsachen  zunächst  auf
einen  Weg,  den  zu  verfolgen  durchaus  gegen  seine  Ueberzeugung
war  und  von  dem  er  schon,  als  er  ihn  betrat,  möglichst  bald
wieder  loszukommen  begehrte.  Der  Kampf  der  in  seiner  Umgebung
  ringenden  Parteien  entbrannte  daher  auf  diesem  Gebiete
  besonders  heftig  und  warf  den  von  fremdem  Einfluß  abhängigen
  König  zwischen  so  unversöhnbaren  Widersprüchen  hin
und  her,  daß  mit  seiner  Würde  zugleich  das  Ansehen  Preußens
schwer  geschädigt  wurde  und  ihm  endlich  die  Unterwerfung
unter  einen  fremden  Willen  als  Rettung  aus  selbstverschuldeten
Gefahren  erschien,  obgleich  er  die  Verantwortung  auch  dafür
anderen  zuschob.

Bayern  und  Württemberg  waren  dem  Dreikönigsbunde
fern  geblieben.  Entsprechend  dem  von  ihnen  gemachten  Vorbehalt
  (S.  282),  dessen  Bedeutung  in  Berlin  völlig  verkannt
war,  hatten  sich  infolgedessen  auch  Hannover  und  Sachsen  davon
zurückgezogen  und  (21.  Oktober  1849)  ihre  Bevollmächtigten
aus  dem  Erfurter  Verwaltungsrate  abberufen.  Klarer  und
konsequenter  war  diese  Politik  freilich  als  die  Preußens,  das
inzwischen,  verblendet  sich  selbst  entgegenarbeitend,  zur  Restauration
  des  Bundestages  und  damit  des  ungebesserten  Deutschen
Bundes  den  ersten  Schritt  thun  half.  Die  zarten,  aber  klug
geleiteten  Hände  sehr  zielbewußter  fürstlicher  Frauen  schürzten,
so  scheint  es,  die  Maschen  des  Netzes,  in  denen  es  sich  fangen
sollte.  Einem  Familientage,  den  Friedrich  Wilhelm  und  seine
Gemahlin  mit  deren  Schwestern  und  Schwägern,  dem  könig-Prunz,

  Preußische  Geschichte  IV.  19