154 Bürgschaft. Benefleium cedend. actionum.
Abtretung des Vorzuges des Anspruches des
Staatsärares hätte getroffen werden müssen. Allein
diese Gründe würden hier nicht entscheidend sein,
was noch schließlich zu erörtern ist. Könnte man
nämlich auch bei der Wortfassung der Bürgschaftsurkunde
einen Verzicht auf das fragliche beneficium
annehmen, wofür es aber nach bekannten Auslegungsregeln
und bei der hier klar zu Tage tretenden
beschränkten Tendenz des erklärten Verzichtes
an jedem Anhaltspunkte fehlt, und könnte auch der
Anspruch aus dem benelieium als eine Einrede
des Bürgen gegen den Zahlungsanspruch des Gläubigers
nach der heutigen obenbezeichneten gemeinrechtlichen
Doktrin überhaupt noch aufgefaßt werden,
so würde es doch an einem Interesse des
Gläubigers, hier des k. Staatsärares, fehlen, sich auf
jenen Verzicht zu berufen, nachdem das k. Staatsärar
seine Befriedigung einmal erhalten hat. Es
könnte daher, auch wenn in der oftbezeichneten Urkunde
ein von dem k. Staatsärare acceptirter daher
vertragsmäßiger Verzicht des Klägers auf
das fragliche benelicium gefunden werden wollte,
demselben keine rechtliche Wirkung zukommen, weil
das Interesse auf Seite des Berechtigten mangelt,
dieses aber in allen obligatorischen Verhältnissen
einen wesentlichen Moment bildet. Vgl. Gir tanner
a. a. O. S. 537 Abs. 3.
Daß es aber einer Uebereinkunft zwischen dem
Gläubiger und dem zahlenden Bürgen nicht bedürfe,
um dem Letzteren das benel. zu sichern, ist schon
oben bemerkt worden, da der Anspruch des Bürgen
aus dem benef. auch nach geleisteter Zahlung und
ohne daß es auch nur eines Vorbehaltes bedürfte,
in dem Gesetze begründet ist.“
OAGE. v. 10. Dez. 1867 Reg.-Nr. 12745%.
Nachschrift des Herausgebers. Beden-