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Staat gab jeder Stadt einen Bürgermeister und stellte auch die übrigen Beamten
der Stadt an. Ohne höhere Genehmigung durfte der Magistrat auch nicht die geringste
Verfügung erlassen. So kam es, daß städtischer Gemeinsinn fehlte. Die
von Freiherrn vom Stein erlassene Städteordnung aber überließ den Städten die
Verwaltung ihres Vermögens und aller ihrer Angelegenheiten. Die Bürgerschaft
durfte Stadtverordnete wählen, die wiederum den Bürgermeister und die übrigen
städtischen Beamten zu wählen hatten.
c) Die Einführung einer neuen Gewerbeordnung. Bis dahin hatten
die Zünfte die Ausdehnung des Gewerbes vielfach gehemmt. Brauereien, Mühlen
und Bäckereien waren oft an bestimmte Grundstücke gebunden. Auch der Mühlzwang
herrschte noch; dieser nötigte die Bewohner eines bestimmten Umkreises,
in einer bestimmten Mühle mahlen zu lassen. Stein aber hob den Zunft= und Mühlzwang
auf, beseitigte die Vorrechte gewisser Häuser für Bäckereien, Schlächtereien
und Brauereien und entfernte so die vielen Beschränkungen, die bis dahin dem
Einzelnen beim Broterwerb oft hinderlich gewesen waren.
2. Allgemeine Wehrpflicht. Die Bildung eines tüchtigen Heeres übernahm
der General Scharnhorst.
Sein Vater war ein hannoverscher Unteroffizier gewesen und hatte sich nachher einen
Bauernhof gepachtet. Der kleine Scharnhorst mußte fleißig auf dem Felde mitarbeiten und
oft das Bieh hüten. Später kam er auf eine Kriegsschule und zeichnete sich hier durch großen
Fleiß aus. Nach Vollendung seiner Studien trat er in preußische Dienste. Bei Lübeck wurde
er mit Blücher gefangen genommen. Als man nach dem Tilsiter Frieden erkannte, daß nur
ein völliger Umschwung im preußischen Heerwesen Hilfe und Rettung bringen könne, übertrug
ihm der König dessen Leitung.
Scharnhorst führte die allgemeine Wehrpflicht ein. Es gab nun keine geworbenen
Söldner mehr, sondern jeder gesunde und für den Krieg brauchbare Preuße mußte
Soldat werden. Zuerst diente er einige Jahre in der Armee (Linie), dann wurde er
Landwehrmann. Die enge, unpraktische Kleidung machte einer bequemeren Platz,
und Zopf, Locken und Puder waren fortan aus der Armee verbannt. Die Offizierstellen
wurden nicht mehr dem Adel vorbehalten, sondern sollten jedem offen stehen,
der Kenntnisse und Bildung nachweisen konnte oder sich im Kriege durch Tapferkeit
auszeichnete. — Da nicht mehr als 42 000 Mann Soldaten gehalten werden
durften, so wurden monatlich aus jeder Kompagnie fünf, aus jeder Eskadron drei
. ausgebildete Soldaten entlassen und ebensoviel Rekruten wieder eingestellt. So
hatte man bald ein Heer von 150 000 Mann im Lande.
3. An der geistigen und sittlichen Hebung des Volkes arbeiteten edle Männer,
um es für deutsche Art und Sitte zu begeistern und für die neuen großen Aufgaben
reif zu machen. In Berlin hielt der Philosoph Fichte seine berühmten „Reden
an die deutsche Nation“. Während die Stadt von Franzosen besetzt war, schilderte
er seinen zahlreichen Zuhörern die Schande der Fremdbherrschaft und die Vorzüge
des deutschen Wesens. Damit jeder einzelne im Volk seine Schuldigkeit tun könne,
forderte er die Verbesserung des Erziehungswesens. Hauptsächlich auf seine Anregung
hin wurden junge Männer nach der Schweiz geschickt, um bei dem großen
Schulmanne Pestalozzi zu lernen, wie die Jugend zu erziehen und zu lehren sei.
Ernst Moritz Arndt, „der deutscheste Mann,“ wußte in den Herzen seiner Volksgenossen
glühende Vaterlandsliebe und grimmigen Haß gegen alles Welsche zu
entzünden. Ahnlich wirkten Körner und Schenkendorf durch ihre Dichtungen.