Metadaten : Kriegführung und Politik.

184  VII.  Die  Kriegführung  der  Dritten  Obersten  Heeresleitung.

eine  versäumte  Friedensgelegenheit  festzustellen,  glauben  auch  gar
zu  gern  an  verschiedene  Möglichkeiten  und  verwandeln  bloße
Möglichkeiten  sehr  schnell  und  nur  zu  leicht  in  den  Frieden  selbst).
Wenn  im  August  1916  eine  Friedensmöglichkeit  nach  Ansicht  des
Reichskanzlers  und  des  Barons  Burian  vorhanden  gewesen  wäre,
so  hätten  die  beiden  verantwortlichen  Staatsmänner  Deutschlands
und  Österreich-Ungarns  nicht  Ziele  verfolgt,  die  dem  widerstrebten.
Sie  hätten  zum  mindesten  nicht  am  11./12.  August  die  baldmöglichste
  Verlautbarung  der  Gründung  des  Königreiches  Polen
beschlossen  oder  doch  in  ihre  Abmachungen  eine  Bemerkung  aufgenommen,
  die  diese  ausschloß,  falls  durch  Stürmer,  der  damals
schon  Ministerpräsident  in  Petersburg  war,  oder  Protopopow  ein
Frieden  erreichbar  erschiene.  Deutschlands  und  Österreich-Ungarns
führende  Staatsmänner  können  sich  nicht  so  durch  ihr  innerpolitisches
  Denken  vor  sich  selbst  festgelegt  haben,  daß  sie  dies  alles  nicht
gesehen  haben.

Man  muß  sich  fragen,  ob  im  September  /Oktober  1916  die
Wahrscheinlichkeit  vorlag,  daß  Rußland  an  einen  Frieden  dachte,
und  ob  es  überhaupt  in  der  Lage  war,  ungeschlagen  einen  Sonderfrieden
  zu  schließen.

Der  Vierbund  hatte  die  Angriffe  im  Osten  und  Westen  und
auf  den  anderen  Fronten  unter  starker  Einbuße  an  Kraft  im
wesentlichen  abgeschlagen  und  Rumänien  besiegt.  Die  Entente
wußte,  daß  die  Lage  der  Mittelmächte  schwierig  war.  Zwar  war
auch  sie  militärisch  zur  Zeit  am  Ende  ihres  Könnens  und  fürchtete
Deutschland,  sie  verfügte  aber  noch  über  Kräfte,  die  sie  zu  dem
neuen  Feldzuge  bereitstellte.  Ihr  Wirtschaftsleben  war  noch  unberührt,
  und  die  Vereinigten  Staaten  standen  abwartend  da.  Daß
England  und  Frankreich  in  dieser,  wenn  auch  für  sie  schwierigen
Lage  ihre  politischen  Ziele  aufsgeben  würden,  für  die  sie  den
Krieg  begonnen  hatten,  konnte  nicht  angenommen  werden.  In
Petersburg  herrschte  der  englische  Botschafter.  Er  würde  Rußland
genau  so  im  Jahre  1916  die  Revolution  gebracht  haben,  wie  er  dies
im  Früjahr  1917  getan  hat,  als  der  verbündete  Zar  trotz  der  Selb-*)

  Siehe  Abschnitt  VIII  1.