Metadata : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

Herr  von  Holstein  hatte  schon  zur  Zeit  des  Krügertelegranuns
zu  mir  Besorgnisse  wegen  zu  starker  Entfremdung  mit  England
geäußert,  das  um  Südafrika  selbst  vor  einem  Kriege  nicht  zurückschrecken
  werde.  Transvaal  habe  für  uns  durchaus  nicht  so  viel
Wert,  daß  wir  uns  darum  die  alte  Bismarcksche  Politik  der  zwei
Eisen  verderben  lassen  sollten.  Das  war  auch  die  Ansicht  des
Staatssekretärs  von  Bülow.  Den  Hauptteil  der  Arbeit  für  die
in  London  von  dem  klugen  und  umsichtigen  Botschafter  Grafen
Hatzfeldt  geführten  Verhandlungen  hatte  Holstein  zu  leisten.  Indessen
  sorgte  Bülow  dafür,  daß  auch  der  Unterstaatssekretär  Freiherr
  v.  Richthofen,  den  Holstein  am  liebsten  nur  als  Kolonialtechniker
  hätte  gelten  lassen,  den  gebührenden  Einfluß  erhielt.  Das
Abkommen  kam  im  Oktober  1898  zustande.  Die  Abgrenzungen
zwischen  beiden  Vertragschließenden  waren  im  wesentlichen  so  gedacht,
  daß  Mozambique  mit  dem  Hafen  Laurenco  Marques,  für
den  England  schon  ein  Vorkaufsrecht  besaß,  in  die  englische,  die
portugiesischen  Besitzungen  an  der  Westküste  Afrikas  in  die  deutsche
Sphäre  fallen  sollten.  Daneben  erstreckte  sich  das  Abkommen  auch
auf  portugiesischen  Besitz  im  Sundaarchipel.

Trotz  seines  streng  geheimen  Charakters  erschienen  alsbald  in
der  englischen  Presse  unbestimmte  Nachrichten  über  das  Abkommen.
Die  Kölnische  Zeitung  schoß  darauf  mit  einem  Hinweis  auf  die
portugiesischen  Finanzen  los,  der  sofort  alle  Alldeutschen  und
Burenfreunde  alarmierte,  daneben  aber  auch  in  Portugal  zu
Widerstand  reizte.  Die  großen  Erwartungen,  die  Bülow  auf  das
Abkommen  mit  seiner  Anwartschaft  auf  einen  großen  kolonialen
Gebietszuwachs  setzte,  erfüllten  sich  nicht.  Die  Voraussetzung  für
seine  Wirksamkeit,  portugiesische  Anleihe  mit  Verpfändung  der
portugiesischen  Kolonien,  trat  nicht  ein.  Deficiente  causa  cessat
effectus.  Das  Abkommen  blieb  eine  leere  Attrappe,  für  beide
Teile,  nur  mit  dem  Unterschiede,  daß  England  bei  seiner  alten
Freundschaft  mit  Portugal  von  Fall  zu  Fall  (Bahnbauten,  Handelsunternehmungen,
  Kohlendepots,  Durchzugserlaubnis)  stets  auf
portugiesische  Gefälligkeiten  rechnen  konnte,  Deutschland  dagegen
nicht.

r  In  zwei  kurz  aufeinander  folgenden  Reden,  in  Manchester
am  15.  November  und  in  Wakefield  am  8.  Dezember  1898,  führte

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