Full text : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

Abriß  der  Ortsgeschichte.  445

hammer  mit  Mühle  belebte  pfälzische  Lehengut  Theuern,  dessen  Schloß  im
Eingange  dieses  Jahrhunderts  Freiherr  von  Lochner  neu  erbaute.  Von  1123
bis  1410  hausten  daselbst  die  Theuerner,  welches  Edelgeschlecht  gegen  Kloster-Ensdorf
  im  J.  1355  auf  die  Güter  Wolsbach  (in  Mitte  zwischen  Ensdorf
und  Theuern)  und  Egenberg!)  (am  jenseitigen  steilen  Ufer  der  Vils)  verzichtete
  und  auch  Hausen  (im  Ldg.  Kastel)  und  Flischbach  (im  Log.  Waldmünchen)
besaß.  Die  in  Theuern  ihnen  folgende  Familie  der  Portner?)  stand  wegen
der  Hofmarksgerechtigkeit  mit  dem  Landrichter  von  Amberg  in  Irrung,  erhielt
  sie  aber  1560,  7.  Febr.  durch  Kurfürst  Friedrich  nebst  Posseßgebung  der
Pfarrei,  Kirchtagschutz  und  Braurecht  zu  eigenem  Bedarfe  neuerdings  verliehen.
  Auf  dem  nahen  Edelsitze  Ebermannsdorf  (Ebermundesdorf)  in  tiefer
Waldesgegend  waren  hohenburgische  Dienstleute  gesessen,  die  übrigens  selbst
wieder  Ministerialen  hatten.  Meginhart  von  Ebermundestorf  schenkte  um  das
Jahr  1150  das  unmittelbar  an  der  südlichen  Landgerichtsgränze  an  der  Vils
befindliche  Gut  Aufheim  (uUfheim)  an  Ensdorf,  wohin  auch  Ratzo  von
Ebermannsdorf  (1123)  die  selbst  erbaute  Kirche  in  seinem  benachbarten  Dorfe
Hegling  (Högling,  Log.  Nabburg)  unter  Vorbehalt  seines  Gräbnisses  :)  vermachte.
  Hinter  dem  der  Kurpfalz  lehenbaren  Ebermansdorf  mit  seinem  niedlichen
  Schlößchen  erhebt  sich  aus  den  Ruinen  eines  Gebäudes  der  Vorzeit  ein
umralter  Thurm.  Das  wilde  Wasser  von  Freihöls,  Schafhof  und  Diebis  sammelt
  sich  in  diesem  Thale,  ergießt  sich  durch  einen  Graben  in  den  Elsenbach
und  von  diesem  in  die  Vils.

Jenseits  der  Amberg-Regensburger  Landstraße  ist  die  Wiege  der  mit  den
edelsten  Häusern  (wie  Leuchtenberg,  Ortenburg  u.  s.  w.)  durch  Heirath  verbundenen
  Paulsdorfer  zum  Tennesberg  und  zu  der  Kürn.-)

Indem  wir  das  Schlößchen  Moos  mit  seiner  freundlichen  Aussicht  das
von  den  Ernfelsern  im  14.  Jahrhundert  zu  Jahrtägen,  zur  Vergütung  von
„Raub  und  Brandt“  und  zu  ihrer  Begräbniß  an  das  Kloster  Pielenhofen  mit
niederer  Gerichtsbarkeit  geschenkte  Dorf  Lengenfeld  „bei  Amberg“  und  das  Hammergut
  Haselmühl?)  (nunmehr  k.  Gewehrfabrik)  übergehen,  begegnen  wir  im

)  Ersteres  hatten  die  Brüder  Albrecht  und  Friedrich  von  Theuern  1303  Heinrich
dem  Ingolsteter,  das  andere,  ein  bayerisches  Lehen,  1305  dem  Kloster  Ensdorf
verkauft.

*)  Aus  ihnen  war  der  als  Reichshofrath  zu  Wien  (1687,  2.  Febr.)  verstorbene  berühmte
  Jurist  Joh.  Albrecht  Portner.

2)  Ein  Wirent  de  Ebermundesdorf  erscheint  schon  um  1050.

)  Hinsichtlich  ihrer  verweisen  wir  auf  Hund,  Stammenbuch,  II.  209  ff.,  auf  Gsellhofer,
  Beitrag  zur  Geschichte  der  Paulstörfer  in  den  Verh.  d.  bist.  Ver.  d.  Ob.-Pflz.
VII.  S.  283  ff.  und  auf  Resch,  Bericht  über  die  Paulsstorfer-Kapelle  (in  Regensburg)
  Bd.  IV.  130.

*)  Tobias  Mendel  erhielt  1619  darauf  eine  beschränkte  Landsassenfreihcit.