Full text : Beiträge zur Beurtheilung des Nutzens der Schutzpockenimpfung.

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friedersdorf  ist  Knochenhautentzündung  am  Schienbeine  als  Nachkrankheit  aufgeführt.
Bei  einem  32jährigen,  übrigens  leicht  erkrankten  Kaufmann  in  Grimma  Blutergüsse  in
das  Unterhautzellgewebe  und  in  die  Muskulatur.  Die  29jährige,  schwerkranke  Arbeiterin
in  Mannheim  hatte  ein  Ohrleiden  (otitis  externa)  als  Komplikation.  In  2  Fällen
endlich  werden  Augenleiden  als  Nachkrankheiten  genannt,  und  zwar  bei  einem  44jährigen
Tischler  in  Ebersbach  eine  Regenbogenhantentzündung  (iritis  serosa)  und  bei  einer
42jährigen  Fran  in  Bärenfels  eine  Entzündumng  der  Hornhaut.

Die  Aufnahme  der  Pockenkranken  in  ein  Krankenhaus  hat  im  Ganzen  in
36  Fällen  stattgefunden,  hauptsächlich  in  den  größeren  Städten  und,  wie  es  scheint,
unabhängig  von  der  sozialen  Stellung  der  Kranken.

So  wmden  in  Leipzig  alle  4  dort  zur  Anzeige  gelangten  Pockenfälle  im  Jakobsspital,
  in  Zwickan  alle  4  Pockenkranken  im  Stadtkrankenhause  behandelt.  In  Bremen
wurden  ebenfalls  4  Pockenkranke  ins  Krankenhaus  übergeführt,  nur  einer  der  in  der
genieinschaftlichen  Herberge  erkrankten  Handwerksgesellen  (Gruppe  K)  scheint  außerhalb
des  Krankenhaufes  behandelt  worden  zu  sein.  In  Triberg  sind  alle  5  Pockenkranke  im
dortigen  Bezirkskrankenhause  behandelt;  bei  4  Personen  geschah  die  Infektion,  wie  erwähnt,
  im  Krankenhause.  In  Chemnitz,  Dresden,  Bautzen,  Grimma  und  Sebnitz  wurden
nur  je  2  Kranke,  in  Zittau  nur  ein  Kranker  ins  Krankenhaus  aufgenommen,  obgleich
die  Zahl  der  dort  angezeigten  Pockenfälle  eine  viel  höhere  war.  In  Metz,  Mannheim,
Pforzheim,  Freiburg,  Borna,  Buchholz,  Werdan  und  Hartmannsdorf  wurden  die  vereinzelt
  vorgekommenen  Pockenfälle  in  einem  Krankenhause  des  Ortes  behandelt.

In  27  Ortschaften  blieb  der  Pockenfall  vereinzelt,  trotzdem  eine  Isolirung  des
Kranken  durch  Aufnahme  desselben  in  ein  Spital  nicht  stattfand.

Auhang.  Uebersicht  derjeuigen  Pockenerkrankungen  des  Jahres  1885,  über  welche
Meldekarten  aus  Theilen  des  Deutschen  Reiches  vorliegen.

Aus  dem  Jahre  1885  sind  Meldekarten  über  die  zur  Anzeige  gelangten  Pockenerkrankungen
  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  nur  aus  3  Bundesstaaten  und  aus
Elsaß-Lothringen  zugegangen,  und  zwar  2  aus  Sachsen-Meiningen,  7  ans  Anhalt,  1  aus
Lippe  und  28  aus  Elsaß-Lothringen)

*)  Nach  amtlichen  Mittheilungen  sind  ferner  in  Bayern  142,  in  Württemberg  10,  in  Oldenbmg
2  Erkraukungen  an  den  Pocken  vorgekommen.  (Vgl.  Veröffentlichungen  des  Kaiserlichen  Gesundheitsamts
1886  S.  520  und  1887  S.  405.)  Diese  Gesammtzahl  von  192  Pockenkranken  ist,  wenn  man  die  Ergebnisse
der  Volkszählung  vom  1.  Dezember  1885  der  Berechnung  zu  Grunde  legt,  unter  9  907  526  Bewohnern  des
Deutschen  Reiches  festgestellt,  eutspricht  somit  einer  Erkrankungsziffer  an  den  Pocken  von  kaum  2  (1,94)  unter
je  100  000  Einwohnern.  Ueber  die  besonderen  Umstände,  welche  in  Oberbayern  damals  die  verhältnißmäßig
auffallende  Zahl  von  110  Erkrankungen  an  den  Pocken  (10,9  auf  100  000  Bewohner)  bedingt  haben,  ist
bisher  nichts  Näheres  bekannt  geworden,  im  übrigen  Bayern  betrug  die  Erkrankungsziffer  0,7,  in  Württemberg
  0,5,  in  Elsaß-Lothringen  1,8  auf  100  000  Bewohner.

Von  den  Pockenkranken  starben  in  Bayern  17  (darunter  16  in  Oberbayern),  in  Sachsen-Meiningen
keiner,  in  Anhalt  und  Lippe  je  1,  in  Elsaß-Lothringen  4,  im  Ganzen  23.  Die  Pocken-Sterblichkeitsziffer
des  Jahres  1885  für  obige  Bevölkerungsquote  des  Deutschen  Reiches  belief  sich  mithin  auf  0,23  von  je
100  000  Einwohnern.

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