264 Bismarck für Annahme der Konferenzeinladung.
Königlichen Regierung m den beiden Vorschlägen zu unterrichten, welche, wie wir glauben,
in gewissem Sinne als Annex mit Vorteil behandelt werden können.
Die Lage, in welche die Kaiserlich Französische Regierung durch das Nichtzustandekommen
des zuerst proponierten allgemeinen Kongresses den übrigen Großmächten gegenüber
gekommen war, grenzte an eine Isolierung, aus welcher sie wünschen mußte, berausmtreten.
In diesem Sinne und mit Rücksicht auf die freundschaftlichen Beziehungen, welche
wir zu der Regierung des Kaisers Napoleon zu erhalten wünschen, würden wir gern seinem
Vorschlag entgegenkommen und zu dem Zusammentreten einer Konferenz von Ministern oder
besonderen Bevollmächtigten in Paris mitwirken, um so mehr, als Seine Majestät der
König in seiner Antwort auf das Einladungsschreiben selbst schon auf die Vorteile, welche
eine solche Konferenz vor einer Zusammenkunft der Souveräne darbieten würde, hingewiesen
hatte.
Auf der anderen Seite konnte eine Konferenz mit Ausschluß Englands weder unsern
Beziehungen zu diesem Staate entsprechen, noch als vorteilhaft für die Erhaltung des
Friedens erscheinen.
Wir durften annehmen, daß England gegen die Teilnahme an Beratungen der Großmächte
und eventuell anderer Mächte in dieser Form und namentlich, wenn dieselben im
voraus auf bestimmte Fragen beschränkt würden, nicht dieselben Bedenken hegen würde,
wie gegen die Teilnahme an dem zuerst vorgeschlagenen Kongresse.
Wir haben uns in diesem Sinne in London vertraulich geäußert und unsere Voraussetzung
in letzterer Hinsicht hat sich bestätigt. Die Königlich Großbritannische Regierung
hat ebenso vertraulich erklärt, daß sie in einer Konferenz in Paris, welche die deutschdänische
Differenz zum Gegenstande hätte, und an welcher nur die näher bei dieser Frage
interessierten Mächte, nämlich die Unterzeichner des Vertrages vom 8. Mai 1852 und
der Deutsche Bund teilzunehmen bätten, eine wesentliche Bürgschaft für die Erhaltung des
europäischen Friedens erblicken würde. Andere Fragen auf der Konferenz zu behandeln,
hat sie indes auch jetzt sich abgeneigt gezeigt.
Hieran knüpft sich nun der durch den Königlich Großbritannischen Gesandten in
Frankfurt an den Bund gebrachte Vorschlag.
Ein Eingeben auf denselben kann zugleich als ein Entgegenkommen gegen die in der
eingangs erwähnten Depesche des Herrn Drouyn des Lhuys vom 8. Deember enthaltenen
Wünsche angesehen werden und scheint sich daher auch vom Standpunkt der oben angedouteten
Erwägungen aus zu empfehlen.
Der erste ungünstige Eindruck, welchen nach Ew. pp. Bericht die allerdings etwas
schroffe Sprache der Rote des Sir A. Malet, bei welcher indes die gewöhnliche knappe
Form der englischen Mitteilungen zu berücksichtigen sein dürfte — in der Bundesversammlung
hervorgebracht hat, dürfte für die Aufnahme des Vorschlags selbst nicht maßgebend
sein, wenn die gegenwärtige Aufregung der Gemüter einer ruhigeren Erwägung Platz
macht, auf welche hinzuwirken die Aufgabe Preußens und Österreichs und ihrer Gesandten
ist.
Eine Ablehnung des Vorschlages von seiten des Bundes würde bedenkliche Verwicklungen
bervorzurufen geeignet sein, und die ohnedies gegenwärtig herrschende ungünftige
Stimmung in England vermehren. Der Bund würde nicht ohne Schein der Berechtigung
den Vorwurf auf sich laden, daß er den Krieg wolle, indem er die Mittel zum Frieden