Marsch des böhmischen Heeres auf Dresden. 197
stein rückte von Teplitz auf der Straße über Peterswalde
gegen Dresden vor um sich der Elbübergänge zu versichern,
wãhrend die drei übrigen die Richtung auf Leipzig einschlugen.
Der Vormarsch auf dem durch eine große Zahl tiefer und
steiler Thäler durchschnittenen, unwegsamen Abfall des Gebirges,
durch eine an sich arme und zum Theil von den Franzosen
gänzlich ausgezehrte Gegend war äußerst mühsam und beschwerlich,
die armen Bewohner aber litten mehr als durch die
ungeheuren Truppenzüge von den Scharen böhmischen Volkes,
die, Männer und Weiber, zu Raub und Plünderung dem
österreichischen Heere nachfolgten. ).
Nur Wittgenstein stieß auf den Feind, das 14. Armeecorps
St. Cyrs, der sich vor der Übermacht fechtend in die Verschanzungen
bei Berggießhübel, dann nach Zehista und dem
Kohlberg und endlich bis Mügeln zurückzog, worauf Wittgenstein
sein Hauptquartier in Pirna nahm. Sonst wurden vom
Feinde nur schwache Reiterposten angetroffen, die alsbald
zurückwichen, und nun erst erfuhr man, daß Napolcon nicht bei
Leipzig sondern in der Lausitz stehe und nicht daran denke,
seine Elbstellung aufzugeben, daß man also im Begriff stehe
einen Stoß in die Luft zu thun. Dies brachte den in Kaiser
Alexanders und Schwarzenbergs Hauptquartier zu Zöblitz abgehaltenen
Kriegsrath zu dem Beschluß, die bisherige Richtung
aufzugeben und sich durch eine Rechtsschwenkung gegen Dresden
zu wenden, um womäglich diesen Stützpunkt Napoleons durch
einen Handstreich wegzunehmen, ehe derselbe ihm zu Hilfe
kommen könne. Demgemäß wurden alle Heereszüge mit Ausnahme
Wittgensteins, der auf Dresden, und Klenau's, der von
Freiberg auf Tharand marschierte, auf Dippoldiswalde gerichtet.
Aber diese Anderung des Marsches einer so großen
Masse, die nun die Gebirgsthäler auf halsbrechenden Wegen
quer zu durchschneiden hatte, gieng nicht so schnell, die Truppen
stopften sich; schlimmer noch war, daß die oberste Heeresleitung,
1) Aster, Schilderung der Kriegsereignisse in und vor Dresden vom
7. März bis 28. August 1813 (1844), S. 126.