Sofia, Belgrad und Cettinje, in denen die Befriedigung beider
Herrscher über die ruhige Haltung der vier Balkanstaaten während
des griechisch-türkischen Krieges ausgesprochen wurde. Die der
deutschen Politik willkommene Verständigung zwischen den beiden
meistbeteiligten Festlandsmächten erlitt auch dadurch keine Störung
mehr, daß Rußland, das bisher das starke verwandtschaftliche Interesse
des Zarenhofes an dem Geschick der griechischen Königsfamilie
unterdrückt hatte, bald nach der Kaiserbegegnung vorschlug,
sämtliche Großmächte sollten dem neuen radikalen Kabinett in Athen
ein Interventionsangebot machen. Erst nachdem das neue griechische
Kabinett, dem Verlangen Österreich-Ungarns und Deutschlands
entsprechend, in einer Note die Rückberufung der Truppen
des Obersten Vassos von Kreta angekündigt und mit ausdrücklicher
Anerkennung der künftigen Autonomie der Jusel die Annexionserklärung
vom 14. Februar zurückgenommen hatte, kam die Vermittelung
aller Mächte in Konstantinopel zustande.
Das war die Lage, die der neue Staatssekretär vorfand. Ich
bin ansführlicher darauf eingegangen, als es die Episode des
griechisch-türkischen Krieges an sich verdient, weil in der politischen
Literatur die Ansicht vertreten worden ist, daß nach Marschalls
Abgang ein Umschwung in der deutschen Politik eingetreten sei.
Das ist nicht der Fall. Ein Grund zu einem Wandel lag in Wirklichkeit
auch nicht vor. Für die deutsche Politik war es ein günstiger
Umstand, daß auf der einen Seite England es gern gesehen
hätte, wenn Rußland durch Ausdehnung des griechischen Brandes
stärker im nahen Orient beschäftigt und damit von seinen
Unternehmungen im fernen Osten abgezogen worden wäre, daß
aber auf der andoren Seite Rußland gerade damals einen allgemeinen
Brand auf der Balkanhalbinsel vermieden zu sehen
wünschte.
Der englisch-russische Gegensatz in Asien hatte sich mehr und
mehr verschärft. Einmal infolge der russischen Eroberungen in
Zentralasien, die in England starke Sorgen um die Sicherheit
der indischen Grenze einflößten, dann aber auch, weil Rußland
soeben eine aktive imperialistische Politik im fernsten Osten begonnen
hatte. Bei der Anwesenheit Li--hung-Tschangs als chinesischer
Sondergesandter zu der Krönungsfeier in Moskau war ein
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