Metadaten : Der Krieg gegen Frankreich und die Einigung Deutschlands.

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der  höchsten  Anstrengungen  sähig.  Verschiedene  Empfindungen  stürmten  auf  sie  ein:  echte  Begeisterung  für  das
Vaterland,  glühender  Zorn  über  seine  Niederlage,  wilde  Wut  gegen  die  Varbaren,  welche  es  wagten,  die  heilige
Stadt,  das  geistige  Haupt  der  Welt,  anzulasten,  der  von  jeher  überreizte  Nationalstolz,  der  eine  völlige  Niederlage,
  die  Abtretung  von  Provinzen  einfach  für  undenkbar  hielt.  Die  Franzosen  legten  an  sich  ein  anderes  Maß
als  an  die  übrigen  Völker;  daß  ihnen  angethan  werden  sollte,  was  sie  von  diesen  so  oft  verlangt  und  erlangt
  hatten,  erschien  ihnen  unerhört.  Sie  überschätzten  nicht  nur  ihre  Kraft,  sondern  auch  ihre  Bedeutung,  indem
sie  wähnten,  mit  Frankreich  werde  die  ganze  Welt  tödlich  getroffen;  selbstverständlich  müsse  ihnen  daher  Beistand
zu  teil  werden.  Die  hochtönenden  Verkündigungen,  mit  denen  ihre  Staatsmänner  und  Generale  freigebig  um  sich
warfen,  kamen  diesen  von  Herzen  und  berauschten  ihre  Urheber  gerade  so  wie  das  Volk.  Zu  ihrem  eigenen  Schaden
wollten  sie  die  Wahrheit  nicht  sehen  und  nicht  hören.  Wie  es  das  Kaisertum  gethan  hatte,  fuhr  die  republikanische
Regierung  fort,  mit  ihr  ein  gefährliches  Spiel  zu  treiben,  die  ihnen  ungünstigen  Ereignisse  zu  bemänteln,  zu  verschweigen,
  selbst  fälschlich  in  das  Gegenteil  umzuwandeln.  Ein  Vergleich  der  amtlichen  Nachrichten,  wie  sie  während
des  ganzen  Krieges  von  beiden  Seiten  erlassen  worden  sind,  macht  den  Unterschied  klar:  bei  den  Deutschen  ungeschminkter,
  einfach  thatsächlicher  Bericht  unter  allen  Umständen,  bei  den  Franzosen  großsprecherische  Ubertreibung  des
geringsten  Erfolges,  verkleinernde  Vertuschung  des  schwersten  Mißgeschicks.  Ein  solches  Verfahren  konnte  nicht  ohne
Einfluß  auf  die  Kriegführung  sein.

„Wir  treten  keinen  Zoll  von  unserm  Boden,  keinen  Stein  von  unsern  Festungen  ab“,  beteuerte  die  Regierung
aufs  neue,  „Paris  wird  widerstehen  bis  aufs  äußerste,  das  Land  wird  ihm  zu  Hilfe  kommen  und  mit  Gottes
Beistand  Frankreich  gerettet  werden.“  Die  Wahlen  zur  Nationalversammlung  wurden  aufgeschoben  und  unterblieben
  zuletzt  ganz;  damit  war  auch  jede  Friedensverhandlung  unmöglich  gemacht.  Paris  und  seine  Regenten
betrachteten  sich  als  Frankreich.  Man  glaubte  das  Geschick  des  ganzen  Landes  an  das  der  Hauptstadt  geknüpft,
bis  Trauerposten  von  allen  Seiten  die  Lehre  gaben,  daß  die  erwartete  Hilfe  vom  Lande  her  nur  mit  kräftigem
Antrieb  und  energischer  Leitung  kommen  könne.  Daher  übernahm  es  Gambetta,  sich  nach  Tours  zu  begeben,
wo  bisher  nur  eine  untaugliche  Abordnung  der  Regierung  bestanden  hatte.  Am  7.  Oktober  verließ  er  in  einem
Luftballon  Paris  und  gelangte  glücklich  an  sein  Ziel.  Es  war  die  höchste  Zeit,  daß  ein  starker  Geist  eingriff.