Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

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56.  Die  Polenfrage.

erschienenen  Artikel  aus  einem  Lemberger  Blatte  verlesen,  und  das  auch
in  Erwiderung  auf  den  Schluß  der  Rede  des  Abgeordneten  v.  Jatdzewski.
Der  Herr  Abgeordnete  v.  Jaidzewski  möge  mich  ja  nicht  falsch  verstehen.
Ich  zweifle  nicht  an  der  Loyalität  der  polnischen  Abgeordneten  in  diesem
Hohen  Hause;  aber  ich  möchte  die  deutsche  Mehrheit  dieses  Hohen  Hauses
dringend  bitten,  nicht  zu  zweifeln  an  der  Illoyalität  der  großpolnischen
Agitation.

(Sehr  richtigl)

Also  dies  Lemberger  Blatt,  der  Przeglond  Wszechpolski,  schreibt:

—  Das

Das  Erhalten  der  östlichen  Provinzen,  in  denen  die  polnische
  Bevölkerung  ansässig  ist,  bildet  für  die  preußische  Monarchie
das  größte  Interesse,  ist  für  sie  geradezu  eine  Lebensfrage.
unterschreiben  wir  auch.  —

Ein  mächtiger  Staat  kann  sich  mit  der,  und  sei  es  auch  in  der
fernsten  Zukunft  liegenden  Möglichkeit  des  Verlustes  eines  bedentenden
  Landesteiles  mit  etwa  7  Millionen  Eimvohnern,
darunter  über  3  Millionen  Deutsche,  nicht  aussöhnen,  zumal
dieser  Landesteil  zum  größten  Teil  schon  seit  langer  Zeit  sich
in  seinem  Besitz  befindct  und  teilweise  vollständig  germanisiert
ist  .  .  .  Mit  dem  Augerblick,  als  die  polnische  Nationalbewegung
sich  auf  die  Volksmassen  erstreckte  und  sich  über  anscheinend
längst  germanisierte  Provinzen  verbreitete;  als  das  Nationalbewußtsein
  auf  der  ganzen  weiten  und  breiten  Linie  von  Myslowitz
  bis  Putzig  erwachte,  mußte  die  preußische  Politik  sich  zwei
Ziele  stecken:  die  Verdeutschung  der  polnischen  Bevölkerung  innerhalb
  der  Grenzen  Preußens  und  die  Verhinderung  der  Gründung
eines  selbständigen  polnischen  Staates.  ..  Das  polnische  Element
ist  in  jeder  Bezichung  jetzt  stärker  in  Preußen,  als  es  vor  30
oder  sogar  50  Jahren  war.  Es  hat  nicht  nur  den  Fortschritten
des  Deutschtums  in  den  Ostmarken  Einhalt  getan,  sondern  auch
die  verlorenen  Positionen  wieder  zu  gewinnen,  ganze  Landesteile,
wie  Oberschlesien  und  das  preußische  Masowien  zu  erobern  begonnen,
  ja  es  ist  sogar  auf  dem  Gebiete  wirtschaftlicher  Verhältnisse
  durch  Bildung  von  polnischen  Arbeiteransicdelungen  in  der
Hauptstadt  von  Preußen  und  Deutschland  aggressiv  vorgetreten
Durch  Zugeständnisse  an  das  Poleutum

fährt  das  polnische  Blatt  weiter  fort  —

kann  die  preußische  Politik  sich  das  Besitztum  der  östlichen  Provinzen
  nicht  sichern;  denn  wenn  sie  auch  die  polnische  Orts-