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beobachtet. Die hohe Gesammtsterbeziffer ist in Ostpreußen nur dadurch bedingt, daß
unter der unerwachsenen Bevölkerung von 1 bis 15 Jahren dort außerordentlich viele
Todesfälle — nach den Sterbelisten zumeist in Folge von Diphtherie bezw. Croup —
vorkommen. (Ob es dort um echte „Diphtherie“ sich handelt oder um eine in den
ärztearmen Bezirken häufig zum Tode führende, andere Form der „Bräune“, wird später
zu erörtern sein.)
II. Die sehr niedrige Sterbeziffer in der bayerischen Pfalz läßt vermuthen, daß
dort die erwerbsthätige Bevölkerung unter besonders günstigen Gesundheitsverhältnissen
lebe, indessen liegen auch hier die Verhältnisse anders. Die Tuberkulose hat gerade in
der Pfalz unter den im Alter von 15—60 Jahren stehenden Personen mehr Opfer als
sonst irgendwo im Reiche gefordert. Demgemäsß ist die Sterblichkeit unter dieser Altersklasse
eine sehr beträchtliche, und auch bei alten Leuten und Kindern richtet die Tuberkulose
dort mit die stärksten Verheerungen an. Die niedrige Gesammtsterbeziffer (2,2 %%
unter dem Mittel für das Reich) beruht darauf, daß in der Pfalz weniger Kinder
geboren werden, als durchschnittlich in den anderen Gebieten des Reiches, und daß die
Zahl der jährlich dort sterbenden Säuglinge eine geringe ist.
Diese beiden Beispiele dürften zeigen, wie leicht die Sterbeziffer für sich allein,
wenn man es unterläßt, das Alter der Gestorbenen in Betracht zu ziehen, zu Fehlschlüssen
führen kann.
Auf Grund solcher Erwägungen sind bei den neuesten Erhebungen über die
Todesursachen im Deutschen Reiche folgende vier Altersklassen bei der Zusammenstellung
der Gestorbenen getrennt:
a) die Kinder des ersten Lebensjahres, der Kürze halber nachstehend meist als
„Säuglinge“ bezeichnet,
b) die schon in weiterer Entwickelung begriffenen, aber körperlich noch nicht ausgebildeten,
jugendlichen Personen von 1 bis 15 Jahren,
c) die in voller Lebenskraft stehenden Mitglieder der Gesellschaft von 15 bis 60
Jahren, welche den erwerbsthätigen Theil der Bevölkerung repräsentiren,
d) die im Lebensalter am meisten vorgeschrittenen Personen von 60 Jahren und
darüber.
Diese Sonderung der Gestorbenen nach Altersklassen führt uns, auch abgesehen
von den Todesursachen, zu mancher bedeutungsvollen Erkenntniß hinsichtlich der Verschiedenheit
der Sterblichkeitsverhältnisse in den einzelnen Gebietstheilen des Reiches.
I. Allgemeiner Theil.
A. Die Sterblichkeitsverhältnisse unter den im Alter von 60 Jahren und darüber
stehenden Bewohnern des Reiches.
Soweit man sich das Wohlergehen der Menschen von einer gewissen Langlebigkeit
abhängig denkt, gewinnt man von dem jeweiligen Stande dieses Wohlergehens
ein zu Vergleichen geeignetes Bild aus den Ziffern, welche das Verhältniß
der in hohem Alter Dahingeschiedenen (Klasse d) zur Gesammtzahl der Gestorbenen
ausdrücken.
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