Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

278  Bourbaki's  Rückzug.

näher  glaubte  als  sie  wirklich  war,  und  die  erschöpften  Truppen  fanden
in  dem  Vorsatze,  auszuharren,  bis  jene  vergebens  stündlich  erwartete
Hülfe  erschiene,  stets  neue  Kraft  zu  weiterem  Widerstande.

Auf  seinem  Rückzuge  ging  Bourbaki  mit  seiner  Hauptmacht  bei
Beaume  les  Dames  auf  das  linke  Ufer  des  Doubs,  ihm  folgte  vom
14.  Armeekorps  auf  dem  Fuße  die  4.  Reservedivision,  welche  auf  die
Straße  Besancon  —Pontarlier  vorging.  Mit  dem  Rest  seines  Korps
wandte  General  von  Werder  sich  auf  Rioz,  und  auf  dem  Schauplatze
der  sich  nunmehr  entspinnenden  Kämpfe  stand  jetzt  auch  die  Südarmee
des  Generals  von  Manteuffel.  General  Bourbaki  hatte,  vielfach  gehindert
  durch  den  Mangel  an  Lebensmitteln  und  durch  die  immer
stärker  einreißende  Auflösung  seiner  Truppen,  nicht  mehr  den  rettenden
Ausweg  nach  Süden  erreichen  können,  nur  ein  Theil  seiner  Truppen
gewann  die  Straße  auf  Lyon,  die  größte  Anzahl  aber  verfiel  dem
Schicksal,  wie  das  Heer  des  Marschalls  Mac  Mahon,  es  wurde  von
allen  Verbindungen  abgeschnitten,  die  deutsche  Südarmee  hatte  sich  auf
der  Straße  Besancon—Quingey—  Arbois  aufgestellt,  General  v.  Werder
kam  von  Nordwesten  her,  und  nun  blieb  den  Truppen  der  Loirearmee
nur  der  Ausweg  nach  der  Schweiz  oder  die  Gefangenschaft  übrig.
General  Bourbaki  führte  das  Kommando  nicht  mehr,  er  hatte  einen
mißlungenen  Versuch  sich  selbst  zu  tödten  gemacht,  an  seine  Stelle
war  General  Clinchant  getreten.  Um  der  drohenden  Gefangenschaft
zu  entgehen,  ging  derselbe  mit  seinen  Truppen  auf  das  neutrale  Gebiet
  der  Schweiz  über  und  streckte  dort  die  Waffen.  Der  Uebertritt
erfolgte  am  1.  Februar  bei  Verrieres  in  der  Stärke  von  80000  Mann,
welche  von  den  eidgenössischen  Truppen  unter  Anführung  des  Generals
Herzog  entwaffnet  und  bis  zum  Friedensschluß  in  der  Schweiz  internirt
  gehalten  wurden.  In  den  dieser  Kapitulazion  vorhergehenden
Tagen  hatte  die  deutsche  Südarmee  und  das  14.  Korps  19000  Gefangene
  gemacht,  eine  bedeutende  Anzahl  von  Geschützen,  Fahnen  und
Fuhrwerken  erbeutet  und  Massen  von  Vorräthen  jeder  Art  genommen.
  In  einem  Feldzuge  von  14  Tagen  war  also  die  ganze  Armee
von  Lyon  in  ihrer  Stärke  von  150000  Mann  unschädlich  gemacht.
In  Frankreich  existirte  nun  keine  geordnete  Armee  mehr.

Aber  wo  blieb  denn  der  große  Räuberhauptmann  Garibaldi  und